Jahrmarktszene
Honoré Daumier
um 1865
Jahrmarkt, Parade und Straßenkünstler gehören zu Daumiers Lieblingssujets. Ab etwa 1830 begann er sich mit diesen Themen auseinander zu setzen. Sie finden sich zunächst hauptsächlich als Karikaturen im Medium der Lithografie und ab den 50er-Jahren bis in seine Spätzeit auch in einer Vielzahl von Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden.
Das Blatt der Albertina zeigt auf beiden Seiten (Inv. 24128r) in schneller Notation ebenfalls Impressionen von Schaustellern. Die Skizze der Rückseite zeigt ebenfalls eine, jedoch nicht näher definierbare Jahrmarktszene. Daumier gibt hier die muskulöse Figur des Athleten von vorne wieder. Links von ihm ist - wie an der Kappe ersichtlich - ein Harlekin zu erkennen, dahinter verschiedene, formelhaft reduzierte Gestalten, vermutlich Publikum oder weitere Mitglieder der Truppe. Der unruhige Zeichenstil mit dünnen nervösen Linien, der die Bildgegenstände zu feinfädigen Gespinsten formt, prägt vor allem Daumiers Arbeiten der späten Jahre und legt eine Entstehung der beiden Darstellungen in die Mitte der 1860er-Jahre nahe (M. Stuffman, in: AK Frankfurt/New York 1992/93, S. 202-235).
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 150, Nr. 66.
