Fischverkäuferin
Anonym
Die Darstellung einer Fischverkäuferin wurde 1924 als eigenhändige Arbeit Toulouse-Lautrecs erworben. Valéry-Radot wies auf dessen Umschlaglithografie zu der Gedichtsammlung "Les Courtes Joies" von #Julien Sermet hin und meinte, dass sich die Zeichnung dazu in der Albertina befände ("le dessin est à l´Albertina") (schriftlicher Vermerk im Inventar-Cahier der Albertina). Madeleine Grillaert Dortu dagegen sah in dem schwächlich wirkenden Blatt kein authentisches Werk dieses Künstlers und nahm es in ihr Œuvreverzeichnis nicht auf. Ein Vergleich mit der 1897 entstandenen Lithografie "Couverture pour les Courtes Joies" (Delteil, Nr. 216) zeigt, dass es sich zwar annähernd um das gleiche Motiv handelt - eine Fischverkäuferin hinter ihrem Ladentisch - allerdings von Toulouse-Lautrec als einfache Marktfrau wiedergegeben, die gerade einen Fisch zerlegt, während sie in der Zeichnung in einem modischen tief dekolletierten Rüschenkleid mit einem kleinen, frechen Hütchen dargestellt ist. Auffallend sind jedoch vor allem die stilistischen Unterschiede, wie das kraftlose, unpräzise Liniengewirr oder das trocken, stereotyp gezeichnete Gesicht. Der Zeichner des Albertina-Blattes versucht offensichtlich den Bildgegenstand mit kleinen Variationen und die Handschrift von Toulouse-Lautrec nachzuahmen, ohne jedoch dessen fulminante Sicherheit des Strichs und Ausdruckkraft nur annähernd zu erreichen.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 688, Nr. 319.
