Porträt einer Edeldame
Wallerand Vaillant
1658
Das Cahier vermutet in dem Porträt die Gemahlin des Johann Moritz, Fürst von Nassau-Siegen, was nicht zuletzt aufgrund der Datierung des Blattes mit 1658, dem Jahr der Wahl Leopolds I. zum römisch-deutschen Kaiser und dem damit verbundenen Zusammentreffen höchster Würdenträger in Frankfurt am Main, möglich erscheint. Auffallend allerdings ist die starke Ähnlichkeit der Haltung, der Kleidung und des Haar- bzw. Ohrschmucks sowie der Frisur des Modells mit einem Porträt Vaillants der Herzogin von Orleans, Henriette-Anne von England, ehemals im Besitz des Prinzen Dimitri III. Galitzin, Botschafter am französischen Hof (1665), das über die Sammlungen der Comtesse Jean de Montbron und des Jacques Cochin 1974 in den New Yorker Kunsthandel gelangte (siehe Schabbe, New York 1974, p. 58, Nr. 34) und dessen heutiger Aufbewahrungsort uns unbekannt ist. Abgesehen von den oben genannten Merkmalen sind jedoch die Gesichtszüge der beiden Porträts zu verschieden, um in ihnen ein und dieselbe Persönlichkeit zu vermuten. Sollte Wallerant Vaillant, ähnlich wie später Hyacinthe Rigaud, ein gewisses Repertoire an Roben, Haartrachten und Posen zur Verfügung gehabt haben, aus dem das Porträtmodell wählen konnte?
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 62, Nr. 490.
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