Ruinenlandschaft mit Würfelspielern
Hubert Robert
um 1780
Ansichten von Rom und anderen antiken Städten erfreuten sich immer größerer Beliebtheit, gehörte doch die »Grand Tour«, eine Besichtigungsreise durch Italien, zum festen Bestandteil adeliger Bildung. Bei Hubert Robert, der sich von 1754 bis 1765 in der Ewigen Stadt aufhielt, bildete die reale Architektur nur das Ausgangsmaterial, das künstlerisch neu gestaltet und durch Vegetation und Staffagefiguren dekorativ verfremdet wurde. Vorbildhaft waren hierfür die Architekturcapricci von Giovanni Battista Piranesi und Giovanni Paolo Pannini. Es sind großformatige Bilder auf Papier, deren künstlerische Qualität der Malerei ebenbürtig ist.
In der linken Bildhälfte erkennt man die Trajanssäule und die Kuppel des Pantheons. Nicht gleich auf den ersten Blick erschließt sich dem Betrachter das bildfüllende, monumentale Architekturmotiv, für das jedoch der Konstantinsbogen als Anregung gedient haben dürfte. Obwohl sich das römische Triumphtor hier nahezu vollständig verfremdet und nur mehr auf Teile des Untergeschosses ohne Attikazone reduziert findet, erinnern einzelne Details wie der große mittlere Durchgang mit den vorgeblendeten korinthischen Säulen sowie der rechte kleinere mit den charakteristischen paarweise angeordneten Tondi darüber an das römische, 312 n. Chr. errichtete Siegesdenkmal. Es ging Robert wie üblich keineswegs um eine Veduten getreue Wiedergabe, sondern dem Typus des Ruinengenres entsprechend, um eine phantasievolle Neuschöpfung, um eine theatralisch überhöhte Interpretation eines realen Bauwerkes, das mit Landschaftselementen und Staffage betont bildwirksam kombiniert wird. Während seines Italienaufenthaltes zeichnete Robert eifrig antike Monumente, barocke Gebäude, Villen oder Gärten und schuf damit ein reiches Repertoire, aus dem er nach Paris zurückgekehrt, je nach Bedarf schöpfen konnte. Auf diesem Motivschatz basiert vermutlich auch die Ruinenlandschaft mit Würfelspielern, die Roberts Erfindungsgabe und unbefangenen Umgang mit antiken Vorbildern beispielhaft vor Augen führt. Ein Vergleich mit dem Blatt Tempelruine mit der Statue eines gefangenen Barbarenfürsten (inv.12435) zeigt eine nahverwandte Zeichenweise mit klaren Konturlinien und breiter und kompakter wirkender Lavierung sowie eine ähnliche von dunklen Grün- und Blautönen dominierte Farbstellung, was für eine annähernd gleiche Entstehungszeit in den späten 1770er- oder den frühen 1780er-Jahre sprechen würde.
Klaus Albrecht Schröder und Heinz Widauer (Hg.), Von Poussin bis David, Wien, Albertina, 2017, S. 128, Nr. 49.
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