Agnes Dürer ("Mein Agnes")
Albrecht Dürer
1494
Nach dem Ende seiner Gesellenwanderung heiratete Dürer am 7. Juli 1494 Agnes Frey. Um diese Zeit muss die kleinformatige Porträtzeichnung entstanden sein, die der Künstler selbst mit »mein Agnes« bezeichnete. Mit nur wenigen virtuosen Strichen hielt er die am Tisch dösende junge Frau fest. Das Blatt beweist seine Befähigung, etwas Gesehenes schnell zu erfassen und auf Papier zu bannen. Es ist das früheste bekannte Porträt, das Dürer von seiner Frau fertigte. Im Verlauf ihrer Ehe, die auch eine Arbeitsgemeinschaft war, sollte Agnes noch mehrfach zum Modell ihres Mannes werden. Die Darstellungen weisen auf eine liebevolle Beziehung der beiden hin.
After returning home from his journeyman years, Dürer married Agnes Frey on July 7, 1494. The small-format portrait drawing that the artist himself inscribed “my Agnes” must have been made around this time. With only a few masterful pen strokes, he depicts the young woman seated at a table and seemingly dozing off, demonstrating his ability to rapidly capture and render what he sees on paper. It is the earliest known portrait Dürer made of his wife. Over the course of their marriage, which was also a business partnership, Agnes would sit numerous times for her husband. The portraits Dürer made of his wife attest to a close and affectionate relationship.
Rahmenaußenmaß 44,3 × 37,9 × 4,2 cm
Mit ihrer spontanen und lockeren Strichführung und im Festhalten eines flüchtigen Augenblicks ist diese Zeichnung von außerordentlicher Präsenz und trotz des kleinen Formats von großer Ausdruckskraft und Sensibilität. Sie ist das früheste bekannte Blatt Dürers von seiner Frau Agnes Frey und wurde vermutlich noch vor der Eheschließung des jungen Paares am 7. Juli 1494 ausgeführt. Zuvor war Dürer vom Vater nach Nürnberg gerufen wurde, um an Heirat und Werkstattgründung zu denken. Vielleicht war es das erste Treffen der beiden jungen Leute, das Dürer auf dieser Zeichnung festhielt; er muss rechts neben der noch sehr jungen Frau am Tisch Platz genommen und sie mit schnellen Federstrichen skizziert haben. Agnes ist scheu, mit niedergeschlagenen Augenlidern, den Kopf sanft auf die rechte Hand gestützt, gezeichnet worden.
Die Ehe der beiden jungen Leute war von deren Vätern ausgehandelt worden. Hans Frey war ein auf die Erzeugung von Tischbrunnen spezialisierter Rotschmied mit bescheidenem Vermögen, dessen stattliche Mitgift von 200 Gulden die Werkstattgründung des jungen Künstlers ermöglichte. Die Kinderlosigkeit, des Künstlers baldige Abreise nach der Hochzeit nach Italien, derb-frivole Anspielungen in einem Brief an #Willibald Pirckheimer ließen eine unglückliche Ehe der beiden vermuten. Willibald Pirckheimers überlieferte üble Äußerungen über Agnes nach dem Tod ihres Mannes trugen zusätzlich zu einem unvorteilhaften Bild bei, das seither von Dürers Frau tradiert wurde. Zuletzt wurde aber Agnes' Rolle vor dem Hintergrund der spätmittelalterlichen Ehe als einer Arbeits- und Zweckgemeinschaft relativiert und ihr Ansehen damit rehabilitiert. Spätestens während Dürers zweiter Abwesenheit 1505/06 war seine Frau maßgeblich für die Produktion und den Verkauf seiner Druckgrafiken auf Messen verantwortlich gewesen und stand einer großen, offenbar gut florierenden Werkstatt vor, der zu diesem Zeitpunkt so prominente und bei aller Verbundenheit zum Meister sehr individuelle Künstlerpersönlichkeiten wie #Hans Baldung Grien, #Hans Schäufelein und #Hans von Kulmbach angehörten. Erst auf Dürers niederländischer Reise 1520/21 begleitete Agnes ihren Mann zusammen mit einer Magd, wofür eine Zeichnung in der Albertina (Inv. 22385r) auch den bildhaften Beweis liefert. Überhaupt sind heute insgesamt sieben Zeichnungen Dürers von seiner Frau bekannt. Die auf dem vorliegenden Blatt von Dürers Hand hinzugefügte Bezeichnung "Mein Agnes" spricht für eine zumindest herzliche Zuneigung des Künstlers zu seiner Frau. Agnes sollte ihren Mann um elf Jahre überleben. Sie kümmerte sich geschickt um seinen Nachlass, was ihr jene ärgerlichen Kommentare Pirckheimers eintrug, die für die Nachwelt ein negatives Bild von ihr gezeichnet haben , das bereitwillig von späteren Autoren aufgenommen wurde, sei es, weil es sich nicht recht in den um Dürer beschworenen Geniekult oder in seine Rolle als für Haus und Werkstatt verantwortlicher Meister einfügen wollte.
Albrecht Dürer, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. L. Sternath, Albertina, Wien 2003, Abb. 11, S. 140.
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