Albrecht Dürer, Karl der Große, Inv. Nr.: 3125
Karl der Große
Albrecht Dürer, Karl der Große, Inv. Nr.: 3125
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Karl der Große

Albrecht Dürer

1510




Eigenhändig und in geradezu feierlichem Ton hat Albrecht Dürer rechts oben vermerkt: „Das ist des Heilgen grossen keiser karels habitus.“ Das Blatt gehört zu einer Reihe von Studien, die Dürer 1510 angefertigt hat. Sie dienten zur Vorbereitung seiner beiden Tafelbilder der Kaiser Karl und Sigismund (heute im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg) für eine verschließbare Nische im Schopper’schen Haus in Nürnberg, wo die Reichskleinodien alljährlich während ihrer öffentlichen Weisung ruhten. Karl der Große wird hier blond und blauäugig dargestellt, bevor der Auftraggeber des Werkes, der Rat der Stadt Nürnberg bestimmte, den Karolinger im Gemälde als ehrwürdigen Greis darstellen zu lassen.


Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Date1510
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Schwarzblau, aquarelliert
Dimensions41,5 x 28,4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number3125
Inscribedr.o. "Das ist des heilgen grossen keiser / karels habitus 1510"
SignedR.o. "1510" und Dürer-Monogramm "AD"
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Watermarkkein WZ
Text

Um die hohe Würde zum Ausdruck zu bringen, die Gewänder und In­signien ihrem Träger verleihen, ist diese Zeichnung ganz auf den eben­mäßig-kompakten Umriss hin angelegt, der an eine Glocke erinnert. Eigenhändig und in geradezu feierlichem Ton hat Dürer rechts oben den Gegenstand der Darstellung festgehalten: »Das ist des Heilgen grossen keiser karels habitus.« Da diese Ausführlichkeit für den eigenen Werk-stattgebrauch kaum sinnvoll erscheint, könnte die Zeichnung entweder als Visierung für den Nürnberger Rat als Auftraggeber bestimmt gewe­sen oder nachträglich verkauft worden sein. In zarten Aquarellierungen sind die verschiedenen Rottöne von Pluviale und Dalmatika sowie die überreichen Vergoldungen angedeutet. Auf diese Weise wird der etwas korpulent wirkende Kaiser Karl der Große (748–814) als blondhaarig und blauäugig wiedergegeben. Somit wurde die Zeich­nung offenbar angefertigt, bevor sich der Rat dafür entschieden hatte, den Karolinger als ehrwürdigen, väterlichen Greis darstellen zu lassen. Das Blatt gehört zu einer Reihe von Studien, die Albrecht Dürer 1510 anfertigte. Da dieser Auftrag für Nürnberg sozusagen staatstragenden Charakter hatte, machte man ihm sogar die geheiligten Originale selbst zugänglich. Zu Reichsschwert, Sphaira und Plattenkrone entstanden jeweils eigene Detailstudien (W. 505–507). All dies diente der Vorbe­reitung für zwei mächtige Tafelbilder mit Darstellungen der Kaiser Karl und Sigismund für eine verschließbare Nische im Schopper’schen Haus, wo die Reichskleinodien alljährlich während ihrer öffentlichen Weisung ruhten. Die beiden vermutlich 1513 vollendeten Kaiserbilder, die Maximilian 1512 in der Entstehung gesehen haben könnte, bildeten nach Reformation und Abschaffung der Heiltumsweisung den Grund­stock einer herausragenden städtischen Dürer-Sammlung. Sie sind die einzigen Werke Dürers, die – heute als Leihgaben im Germanischen Nationalmuseum (Inv. Gm 167, 168; Anzelewsky 1971/1991, Nr. 123, 124) – unverändert im Besitz seiner Vaterstadt geblieben sind.


Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 24, S. 174.

Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 96
  • Winkler 504
  • Strauss 1510/6
  • Bibliography
  • Schnelbögl 1962, S. 78-159
  • AK Albertina 1971, Nr. 74
  • AK Nürnberg 1971, Nr. 253
  • Albert Bühler, Albrecht Dürer und die deutschen Reichskleinodien, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, 58, 1971, S. 139-160, bes S. 145
  • Anzelewsky 1991, S. 238
  • Budde 1996, Z/69
  • Löcher 1997, S. 206
  • AK Albertina 2003, Nr. 147 (M. F. Müller)
  • AK Durero y Cranach, Museo Thyssen-Bornemisza/Fundación Caja Madrid, Madrid 2007, S. 169, 182, Nr. 21
  • AK Albertina 2012, Nr. 24 (Th. Schauerte)
  • Provenance
  • Willibald Imhoff (1519-1580), Nürnberg (Kunstbuch, Verzeichnis 1588, Zeichnung 67: "Kaiser Karl der Groß in seinem Habit.")
  • 1588 an Kaiser Rudolf II.
  • Kaiserliche Schatzkammer
  • seit 1783 Kaiserliche Hofbibliothek
  • 1796 an Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • (Kein Hinweis auf Hofbibliothek im Alten Cahier III)
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/40235/karl-der-groeImage Request
    Last edited24.01.2025