Albrecht Dürer, Die böhmische Trophäe (Entwurf für den Triumphzug Kaiser Maximilians I.), Inv. …
Die böhmische Trophäe (Entwurf für den Triumphzug Kaiser Maximilians I.)
Albrecht Dürer, Die böhmische Trophäe (Entwurf für den Triumphzug Kaiser Maximilians I.), Inv. Nr.: 4850
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die böhmische Trophäe (Entwurf für den Triumphzug Kaiser Maximilians I.)

Albrecht Dürer

1518




Die sechs Reiter (Inv. 3158, Inv. 3155, Inv. 4850, Inv. 3154, Inv. 3156, Inv. 3157) sind Entwürfe Albrecht Dürers für den Holzschnitttriumphzug, die jedoch nicht mehr zur Ausführung gelangten. Der Greis mit der Standarte (Inv. 3157) wird traditionell mit dem für das Konzept des Triumphzugs verantwortlichen Humanisten Johannes Stabius identifiziert. Die Trophäenreiter mit der auf Stangen präsentierten Kriegsbeute lassen sich durch Dürers Beschriftungen bestimmten Kriegen Maximilians zurechnen: Einer repräsentiert den „französischen“ Krieg um die Erbfolge in den Niederlanden (Inv. 3154), ein anderer den „ungarischen“ gegen den Jagellonen Vladislav II. (Inv. 3156); die beiden übrigen präsentieren Trophäen aus dem „böhmischen“ Krieg 1504 (Inv. 4850) sowie aus dem „welschen“ gegen Venedig (Inv. 3155).



Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Date1518
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Schwarz
Dimensions43,5 x 30,5 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number4850
Inscribedr.o. "Dy pemisch troffea" l.o. Dürer-Monogramm "AD" von fremder Hand
Signedl.o. "1518"
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Watermarkkein WZ
Text

Wie Hans von Kulmbachs Eeren Crantz (Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, KdZ 375; Ausst.-Kat. Wien 2012, Nr. 61) sind die festlich gekleide­ten Reiter von Albrecht Dürer Entwürfe für den Holzschnitttriumphzug, die jedoch nicht mehr zur Ausführung gelangten. Die zwei Standarten­träger und die vier Reiter mit Trophäen sind 1518 datiert, ebenso Dürers monumentaler kolorierter Triumphwagen für Maximilian I. (Inv. DG1934/577). Aus demselben Jahr stammen vier kolorierte Wiederholungen der Tro­phäenträger, die als eigenhändige Reinzeichnungen Dürers gelten und möglicherweise dem Kaiser als Musterblätter vorgelegt wurden (heute eingebunden in das sog. Kunstbuch Albrecht Dürers, Wien, KHM, Inv. KK 5127; W. 693, 695, 697, 699).

Durch die Isolierung der Reiter auf Einzelblättern und das Feh­len einer verbindenden Bodenlinie lässt sich ihre Zusammengehörig­keit und Reihenfolge in der Parade nicht erkennen. Der Greis wird traditionell mit dem für das Konzept des Triumphzugs verantwortli­chen Humanisten Johannes Stabius (um
14601522) identifiziert, der als Hofhistoriograf Maximilians I. ebenso für die inhaltliche Kon­zeption der Ehrenpforte (Inv. DG1935/973) verantwortlich zeichnete und der auch auf dem Autorenblatt des Miniaturentriumphzugs dargestellt ist (Inv. 25262). Der jugendliche Reiter trägt wie Stabius den beim Triumphzug geradezu obligatorischen Lorbeerkranz. Da die beiden de­taillierter ausgeführt sind – dadurch aber auch etwas steifer wirken – als die vier locker skizzierten Trophäenträger, deren Lorbeerkränze erst in den Reinzeichnungen ergänzt wurden, könnten Erstere ebenfalls als Vorlagen für den Kaiser bestimmt gewesen sein (Alice Strobl in: Ausst.­Kat. Wien Albertina 1971, Nr. 106).

Während der greise Standartenträger motivisch an manche Reiter mit Schrifttafeln im Miniaturentriumphzug erinnert, finden die Tro­phäenreiter dort keine Entsprechung. Trophäen sind in den Miniaturen stets in unmittelbarer Nähe der entsprechenden Schlachtenbilder auf Wagen aufgehäuft. Als Vorbilder der pars pro toto auf Stangen präsen­tierten Kriegsbeute gelten stattdessen die Illustrationen der Hypneroto­machia Poliphili des Francesco Colonna (1499) sowie die Kupferstiche nach Andrea Mantegnas Triumph Caesars (Inv. DG1951/385, Inv. DG1951/390). Aus Dürers Be­schriftungen und den auf die jeweilige Nation abgestimmten Kostümen der Trophäen lässt sich erschließen, welchem von Maximilians Kriegen die Reiter jeweils zugerechnet waren: Einer repräsentiert den »französi­schen« Krieg um die Erbfolge in den Niederlanden, ein anderer den »un­garischen« Krieg gegen den Jagellonen Vladislav II.; die beiden übrigen präsentieren Trophäen aus dem »böhmischen« Krieg 1504 (vgl. Inv. DG1959/279) sowie aus dem »welschen« Krieg gegen Venedig.

Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 64, S. 263-266.

Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 129
  • Winkler 694
  • Strauss 1518/6
  • Bibliography
  • AK Wien 1959, Nr. 345
  • AK Albertina 1971, Nrn. 105-110
  • AK Innsbruck 1992, Nr. 140
  • AK Bonn/Wien 2000, Nr. 130
  • Müller 2002a, Abb. 176, S. 162-165
  • AK Albertina 2003, Nr. 156 (M. F. Müller)
  • AK Albertina 2012, Nr. 64 (E. Michel)
  • AK Washington 2013, S. 234-241, Nr. 96 (E. Michel)
  • AK Albrecht Dürer, Albertina, Wien 2019, S. 462, Kat. 180
  • Provenance
  • wohl Kaiser Rudolf II.
  • Kaiserliche Schatzkammer
  • seit 1783 Kaiserliche Hofbibliothek
  • 1796 an Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/40461/die-bohmische-trophae-entwurf-fur-den-triumphzug-kaiser-maxImage Request
    Last edited24.01.2025