Albrecht Dürer, Akelei, Inv. Nr.: 3182
Akelei
Albrecht Dürer, Akelei, Inv. Nr.: 3182
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Akelei

Albrecht Dürer

um 1495-1500 (?)




Auf einem Bogen feinsten Pergaments lässt Künstlerhand eine Akelei  erblühen. Der Wurzelballen wurde eben erst gestochen, sodass sein feuchtes Erdreich den Grund beschmutzt. Die kleine Rabatte wurde nicht einmal von dem knospenden Hahnenfußstängel und dem nach links wippenden Grashalm gesäubert. Doch täuscht der erste Eindruck spontan erfasster Natur, denn bevor der Maler das Arrangement ins Bild bannte, wurden, zwecks ausgewogenerer Proportionierung, die Stiele der Akelei gekappt und in das Erdreich gesteckt; zudem kombinierte er eine gefüllte Gartenform und eine etwas langstieligere Wildform.

Dass sich Dürer derartigen Naturaufnahmen mit besonderer Hingabe widmete, ist zeitgenössischer Werkstattpraxis geschuldet, die im Arbeiten nach der Natur gleichermaßen Inspirationsquelle wie Fingerübung sah. Mit seinem Namen wird das Blatt mitsamt einer durchwegs auf 1526 datierten Gruppe ähnlicher Arbeiten auch verbunden. Allesamt stammen sie aus dem »Kunstbuch« des Willibald Imhoff, das Dürerwerke nur bester Provenienz enthielt, nämlich aus dem Besitz engster Angehöriger des Meisters.

An der Herkunft aus Dürers Atelier ist also kaum zu zweifeln, doch wurden hinsichtlich der Eigenhändigkeit Bedenken angemeldet (Koreny 1985). Dass unsere Akelei im Vergleich mit Werken wie dem Großen Rasenstück etwas ins Hintertreffen gerät, dürfte der speziellen Technik anzulasten sein, denn das leicht raue Pergament unterbindet zart lasierendes Arbeiten. Abweichungen zu unzweifelhaften Werken Dürers bestehen aber in der oben angesprochenen artifiziellen Inszenierung. Auch die Datierung auf 1526 isoliert die Gruppe von Spätwerken des Meisters, doch wird die Authentizität jener Aufschrift schon länger in Frage gestellt. Auf der Suche nach dem Autor wird man den Blick auf die frühe Dürerwerkstatt richten müssen, wo Hans Baldung Grien, vor allem aber Hans Süß von Kulmbach, zudem ein besonders versierter Meister der Pinselzeichnung, im Wettstreit mit Dürer zu kongenialen Leistungen auf dem Gebiet des Naturstudiums gelangten.



Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Zuschreibung Inventar Herzog Albert (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Dateum 1495-1500 (?)
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesAquarell, Deckfarben und Pinsel auf Pergament, mit Deckweiß gehöht
Dimensions35,5 x 28,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number3182
Signedr.u. "1526" (Feder in Braun)
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 159
  • Winkler 354
  • Strauss 1503/33
  • Bibliography
  • Koschatzky/Strobl 1971, S. 178, Nr. 29
  • Koreny 1985, S. 198, 199, Nr. 68
  • Budde, Das "Kunstbuch" Willibald Imhoffs, in: Koreny 1989, S. 228, Nr. 10, Abb. 235
  • Budde 1996, Z/30
  • AK Mélancholie.Génie et folie en Occident, Grand Palais, Paris, 2005/06, S. 187, Nr. 109 ("Anonyme Allemand, d'après Albert Dürer")
  • AK Melancholie, Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 2006, S. 185, Nr. 109
  • Anne-Marie Bonnet und Gabriele Kopp-Schmidt, Die Malerei der deutschen Renaissance, München 2012, S. 60, mit Abb. 94 (als Albrecht Dürer)
  • Jochen Sander (Hg.), Dürer. Kunst – Künstler – Kontext (Ausst.-Kat. Frankfurt a.M. 2013/14), München/London/New York 2013, S. 46-47, Nr. 2.4 (Christof Metzger)
  • Jardins, Ausst.-Kat. Grand Palais Paris, Paris 2017, S. 128, Kat. 41 (Christof Metzger)
  • AK Albrecht Dürer, Albertina, Wien 2019, S. 450, Kat. 50
  • Provenance
  • Willibald Imhoff (1519-1580), Nürnberg (Kunstbuch, Verzeichnis 1588, Zeichnung 28: "Ein Angeli Blümlein mit samt dem Laubwerk uf Pergamen.")
  • 1588 an Kaiser Rudolf II.
  • Kaiserliche Schatzkammer
  • seit 1783 Kaiserliche Hofbibliothek
  • 1796 an Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • (Kein Hinweis auf Hofbibliothek im Alten Cahier III)
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/40562/akeleiImage Request
    Last edited24.01.2025

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