Albrecht Dürer, Ulrich Varnbüler (1474-1545), Inv. Nr.: 4849
Ulrich Varnbüler (1474-1545)
Albrecht Dürer, Ulrich Varnbüler (1474-1545), Inv. Nr.: 4849
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Ulrich Varnbüler (1474-1545)

Albrecht Dürer

1522




Einer der wenigen Holzschnitte, die Dürer nach seiner niederländischen Reise noch schuf, ist das Bildnis des Ulrich Varnbüler (1471–um 1544). Es ist der größte Porträtholzschnitt in Dürers Werk und präsentiert Varnbüler monumental in einer Dreiviertelansicht in engem Bildausschnitt. Der Jurist Varnbüler, der mit den Humanisten Willibald Pirckheimer und Erasmus von Rotterdam befreundet war, begegnete Dürer wohl anlässlich des Nürnberger Reichstags von 1522, an dem er als hoher kaiserlicher Beamter teilnahm. Bei dieser Gelegenheit muss die Porträtzeichnung entstanden sein, die dem Holzschnitt als Vorlage diente. Dürer betont auf der im Bild enthaltenen Kartusche, dass er seinem Freund Varnbüler damit ein dauerhaftes Denkmal setzen wolle.



The portrait of Ulrich Varnbüler (1471–ca. 1544) is one of the few woodcuts produced by Dürer following his return home from the Netherlands. Dürer’s largest woodcut portrait, it presents a monumental three-quarter likeness in a closely cropped frame. Dürer probably encountered Varnbüler, a friend of the humanists Willibald Pirckheimer and Erasmus of Rotterdam, on the occasion of the 1522 Diet of Nuremberg, which the jurist attended as a high imperial official. Dürer had the opportunity here to make the portrait drawing that would serve as the model for the print. He emphasized in the cartellino that his objective was to honor his friend with an enduring monument.



Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Date1522
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze und braune Kreide sowie Silberstift auf weißgrauem Papier, geritzte Übertragungslinien
Dimensions40,9 x 32 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number4849
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
WatermarkWZ undeutlich
Text

Drei Jahre jünger als Dürer, gehörte der humanistisch gebildete #Ulrich Varnbüler, seit 1507 als Günstling #Kaiser Maximilians I. Pronotarius am Reichskammergericht in Speyer, zum engeren Freundeskreis des Künstlers. Beider Bekanntschaft vermittelte #Willibald Pirckheimer um 1515. Auch #Erasmus von Rotterdam schätzte den ranghohen Juristen. In der Vorrede seiner Lukian- Übersetzung "Navis sev vota Lvciani" (Nürnberg: Friedrich Peypus, 1522), die er Varnbüler widmete, schildert Pirckheimer eine Tagvision ihres gemeinsamen Freundes Dürer. Dieser sei "im Traum" manchmal ganz glücklich. Als Kanzler des Reichsregiments nahm Varnbüler 1522/23 ständig am Nürnberger Reichstag teil und vertrat #Erzherzog Ferdinand I. in dessen Abwesenheit. Wie groß sein Einfluss auf den Souverän sein konnte, erwies sich, als er Erasmus zu einem Druckprivileg verhalf.
Die undatierte Bildniszeichnung entstand mit Sicherheit 1522 in Nürnberg. Ungewöhnlich ist die Zweifarbigkeit der Studie nach dem Leben, denn Lippen, Nase, Auge, Ohr, Haare und Haarnetz sind braun angelegt oder übergangen. Die etwas flach wirkende linke Wange scheint abgerieben zu ein. Das ungewöhnlich große Format des Bogens orientiert sich bereits an der anschließend auf den Stock gerissenen Vorzeichnung für den Bildnisholzschnitt (Inv. DG1934/487). Bedingt durch die Seitenverkehrung des Druckens blickt Varnbüler auf diesem nach rechts. Die Profilstellung des Kopfes muss als Akt der Heroisierung verstanden werden.
Physiognomisch ausdeuten ließ sich das Varnbüler-Bildnis bisher nicht. Antiker Lehrmeinung folgend, war Dürer überzeugt, dass sich die inneren Werte eines Menschen in seiner äußeren Gestalt spiegeln. "Physignomey ist die Kunst, so wir den Menschen iudicieren uß seim Angesycht", heißt es 1522 bei #Johannes Indagine (Introductiones Apotelesmaticae ... in Chyromantiam, Physiognomiam, Astrologia naturalem, Complexiones hominum, Straßburg: Johannes Schott, 1522). Überprüft man dessen Angaben zu anatomischen Merkmalen des Varnbüler-Profils - volle Lippen, kräftige Nase -, passt nichts aussagekräftig in das Charakterschema.

Albrecht Dürer, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. L. Sternath, Albertina, Wien 2003, Abb. 185, S. 524.

Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 152
  • Winkler 908
  • Strauss 1522/7
  • Bibliography
  • Tietze/Tietze-Conrat 1938, Nr. 885
  • Panofsky 1943, Bd. 1, S. 237, Bd. 2, Nr. 1042
  • Rupprich 1956, S. 124
  • AK Albertina 1971, Nr. 112
  • Mende 1971, Nr. 1700, 1891, 1895
  • AK Nürnberg 1971, Nr. 544
  • AK Brüssel 1977, Nr. 97
  • AK Albertina 1978, Nr. 122
  • Strieder 1981, S. 252
  • AK Hamburg 1983, S. 150, Abb. 39
  • Dreher 1994, S. 276, Abb. 2
  • AK Schweinfurt 1995/96, Nr. 66
  • Schoch u. a. 2002, S. 467-470 (D. Eichberger)
  • AK Sydney 2002, Nr. 20 (M. L. Sternath)
  • AK Albertina 2003, Nr. 185 (M. Mende)
  • AK Dürer. Kunst - Künstler - Kontext, Städel Museum Frankfurt a. M. 2013, S. 118-119, Nr. 4.12 (Johann Schulz)
  • AK Albrecht Dürer, Albertina, Wien 2019, S. 461, Kat. 162
  • Альбрехт Дюрер. К 550-летию со дня рождения / Albrecht Dürer. 550th Anniversary of the Artist’s Birthday (Ausst.-Kat. St. Petersburg, Eremitage, 2021/22), St. Petersburg 2022, S. 484, Kat. 277 (К. Мецгер / Christof Metzger)
  • Provenance
  • wohl Kaiser Rudolf II.
  • Kaiserliche Schatzkammer
  • seit 1783 Kaiserliche Hofbibliothek
  • 1796 an Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited06.03.2026