Albrecht Dürer, Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545), Inv. Nr.: 4853
Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545)
Albrecht Dürer, Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545), Inv. Nr.: 4853
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

Albrecht Dürer

1518




Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Date1518
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide
Dimensions42,8 x 32,1 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number4853
Inscribedl.o. und r.o. von fremder Hand Dürer-Monogramm "AD"
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
WatermarkHohe Krone (Strauss S. 3285-3286 [verwendet 1490-1525]; Briquet 4892-96; Meder 20)
Text

Das großformatige Bildnis des Kurfürsten und Kardinals #Albrecht von Brandenburg (1490-1545) entstand wahrscheinlich auf dem Reichstag in Augsburg 1518. Dürer hielt sich als Delegationsmitglied des Nürnberger Rates mehrere Monate in Augsburg auf und porträtierte dort auch #Kaiser Maximilian I. (1459-1519).
Der damals erst 28-jährige Albrecht war eine der mächtigsten Persönlichkeiten des Reiches: Er hatte bereits früh die kirchliche Laufbahn eingeschlagen und wurde mit nur 23 Jahren Erzbischof von Magdeburg und Administrator von Halberstadt, 1514 Erzbischof von Mainz und 1518 Kardinal. Als bedeutender Kunstmäzen regierte er von 1514 bis 1541 von seiner Residenz Moritzburg in Halle a. d. Saale aus, wo #Matthias Grünewald zwischen 1516 und 1526 sein Hofmaler war.
Ob die großformatige Zeichnung vor dem Modell ausgeführt wurde oder ob es sich um eine sorgfältige Reinzeichnung nach einer raschen Naturstudie handelt (Winkler) muss offen bleiben. Während Dürer das Kardinalsgewand mit wenigen breiten Linien skizzierte, ist das Gesicht viel feiner ausgeführt. Details der Mimik wie der leicht schiefe Mund sind sensibel erfasst und stellen Dürers Fähigkeiten als Porträtist eindrucksvoll unter Beweis.
Albrecht von Brandenburg erteilte Dürer wahrscheinlich bald darauf den Auftrag, ein überarbeitetes Porträt im Kupferstich anzufertigen, das 1519 vorlag und als der "Kleine Kardinal" bezeichnet wird. Im Vergleich zur Zeichnung hat der Kupferstich repräsentativeren Charakter, der Ausdruck des Kardinals ist noch ernster und würdevoller, die Büste von einer dekorativen Rahmung mit Vorhang, Kardinalswappen und Inschriften umgeben. 1523 ließ sich Albrecht erneut von Dürer für einen zweiten Bildnisstich mit Silberstift zeichnen (Paris, Louvre; W 896). Im Sommer 1523 schickte Dürer ihm die Druckplatte mit 500 Abzügen des "Großen Kardinals" und schrieb ihm am 4. September einen Brief (Rupprich 1956, 95 f.), da der Auftraggeber den Erhalt der Sendung nicht bestätigt hatte. Im Unterschied zur Dreiviertelansicht von 1518/19 ist der Kardinal 1523 - wohl in Anlehnung an antike Münzbildnisse - im Profil und als nahsichtige Büste dargestellt. Die Vervielfältigung und Verbreitung von Albrecht von Brandenburgs Bildnis durch das Medium Druckgrafik diente vor allem der Propaganda, nicht zuletzt gegen seinen Kontrahenten #Martin Luther.

Dürer - Cranach - Holbein. die Entdeckung des Menschen; das deutsche Porträt um 1500; eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München; Kunsthistorirsches Museum Wien, Wien 2011, S. 236f., Abb. 152.

Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 125
  • Winkler 568
  • Strauss 1518/23
  • Bibliography
  • AK Wien 1971, Nr. 111
  • AK Brüssel 1977, Nr. 70
  • AK Berlin 1983, Nr. B 68
  • AK Hamburg 1983, S. 142, Abb. 37
  • AK Albertina/Amsterdam 1989/1990, Nr. 18
  • Schoch u. a. 2001, S. 221, 223, 233
  • AK London 2002/03, Nr. 146
  • AK Albertina 2003, Nr. 166 (M. F. Müller)
  • Fastert 2003, S. 285-289
  • Hinz 2006b (zum Kupferstich)
  • AK Durero y Cranach, Museo Thyssen-Bornemisza/Fundación Caja Madrid, Madrid 2007, S. 280, Nr. 98
  • AK Wien/München 2011, Nr. 152 (E. Michel)
  • Schauerte 2012, S. 222-228
  • Strieder 2012, S. 251
  • AK Washington 2013, S. 288-289, Nr. 117 (E. Michel)
  • Provenance
  • wohl Kaiser Rudolf II.
  • Kaiserliche Schatzkammer
  • seit 1783 Kaiserliche Hofbibliothek
  • 1796 an Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/40320/kardinal-albrecht-von-brandenburg-14901545Image Request
    Last edited24.01.2025