Menstruationsbindenbild
Hermann Nitsch
1964
Seit den 1950er-Jahren entwickelt Hermann Nitsch sein »Orgien Mysterien Theater«, ein Ritual, Konzert, Theater und Performance vereinendes Gesamtkunstwerk, das intensivste Elementarerfahrungen ermöglicht. Die Relikte der in diesem Rahmen vollzogenen Handlungen sind von großer Bedeutung: »besudelte und beschüttete tücher und gewänder wurden zu relikten der geschehnisse«, sagt Nitsch, »die besudelten materialien sollen das vergangene so direkt wie möglich in die gegenwart hereinbringen«. Nitsch sammelt diese Relikte seit 1968 systematisch und verwendet viele davon für Objektbilder. Ähnlich verfährt er bereits in früheren »Reliktmontagen« und »Menstruationsbindenbildern«. Für diese kombiniert Nitsch »besudelte« Materialien wie Pflaster und Menstruationsbinden zu strengen, stelenartigen Kompositionen, die sinnliche Erfahrbarkeit mit einer geradezu sakralen Aura verbinden. Die Spannung zwischen einem äußersten Formalismus, strenger symmetrisch-geometrischen Komposition einerseits und Materialien, die im Alltag beschämt verborgen und verdrängt werden, macht Nitschs Frühwerk zu einem der stärksten und eindringlichsten Beiträge zur Nachkriegskunst: weit über Österreich hinaus.
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