Bill Viola, The Silent Sea, Inv. Nr.: EDLSB4752
The Silent Sea
Bill Viola, The Silent Sea, Inv. Nr.: EDLSB4752
Credit: ALBERTINA, Wien – The ESSL Collection Image: Bill Viola Copyright: © Bill Viola Studio

The Silent Sea

Bill Viola

2002




Der Pionier der Videokunst trägt wesentlich zur Etablierung dieser Kunstform in der zeitgenössischen Kunst bei. In einer Reihe von Arbeiten widmet er sich biblischen Themen und Szenen. The Silent Sea liegt die Kreuzigung Christi, genauer gesagt die Darstellungen der Kreuzigungsgruppe, zugrunde. Neun Personen – drei Frauen und sechs Männer – stehen vor einem neutralen Hintergrund eng zusammen und durchleben dennoch ganz allein für sich einen Moment der intensivsten Emotion. Als Zeitlupenbild, als sich langsam veränderndes Tableau vivant kann man den Wechsel in Mimik und Gestik bis zum schmerzvollen Höhepunkt und der anschließenden Erschöpfung verfolgen.



Künstler:in (Queens 1951 - 2024)
Date2002
Object TypeVideo
Object typeVideo art
Materials / TechniquesVideo on plasma flat panel display, Colour video on LCD flat panel, mounted on wall | 10'07''
Dimensions39 × 65 cm
Rahmenaußenmaß: 44 × 70,5 cm
CreditALBERTINA, Wien – The ESSL Collection
Object numberEDLSB4752
Text

The American artist is considered a pioneer of video art. He has devoted himself to this medium since the 1970s and made a significant contribution to its establishment in contemporary art. Bill Viola became known for his elaborate installations that use images—often in large projections or on multiple screens—and sound to occupy the space. He creates highly contemplative works that revolve around emotional states and existential themes such as birth and death, time and space, body and consciousness. Using new digital media, he draws strongly on Renaissance painting through the play of light and color, size and intensity. Christian mysticism is among his influences, as are Zen Buddhism and Sufism.

Mary is about the experience of suffering and grief, loneliness and despair. A woman in a white lab coat sits alone in a clinical facility’s office, writes something down, and finally begins to cry heartbreakingly. The scene, which originally lasted only one minute, was shot with a high-speed camera and then extremely slowed down to roughly sixteen minutes. While the sound of the video work, the ambient noise of a hospital with announcements and the noise of medical equipment, continues at normal speed, the world seems to almost come to a halt for the woman; together with her, we experience the intimate moment of pain stretched into agonizing length. The overwhelming emotions stand in contrast to the sterile environment. Bottles, bowls, the coffee mug printed with butterflies, and the X-ray image of a human skull make one think of a modern vanitas still life that draws attention to the transience of all earthly things.

Several works by Viola focus on biblical themes and scenes. The Silent Sea is based on the crucifixion of Christ, or more precisely: representations of the crucifixion group. Nine people—three women and six men—stand close together against a neutral background, yet each relives a moment of the most intense emotion. The change in facial expressions and gestures unfolds as a slow-motion image, a tardily moving tableau vivant, up to the painful climax and subsequent exhaustion.

The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Vienna 2021, S. 244.

Der US-amerikanische Künstler gilt als Pionier der Videokunst. Er verschreibt sich ihr ab den 1970er-Jahren und trägt wesentlich zu ihrer Etablierung in der zeitgenössischen Kunst bei. Bekannt wird Bill Viola mit seinen aufwendigen Installationen, die mit Bild ‒ oft in großen Projektionen oder auf mehreren Bildschirmen ‒ und Ton den Raum einnehmen. Es sind kontemplative Arbeiten, die um existenzielle Themen wie Geburt und Tod, Zeit und Raum, Körper und Bewusstsein und emotionale Zustände kreisen. Mit neuen digitalen Medien knüpft er durch das Spiel mit Licht und Farbe, durch Größe und Intensität stilistisch stark an die Malerei der Renaissance an. Der christliche Mystizismus zählt ebenso zu seinen Einflüssen wie Zen-Buddhismus und Sufismus.

Um die Erfahrung von Leid und Trauer, von Einsamkeit und Verzweiflung geht es in Mary. Eine Frau in weißem Laborkittel sitzt allein in einem Büro einer klinischen Einrichtung, schreibt etwas nieder und beginnt schließlich herzzerreißend zu weinen. Die ursprünglich eine Minute dauernde Szene wurde mit einer Hochgeschwindigkeitskamera gedreht und anschließend auf rund 16 Minuten extrem verlangsamt. Während der Ton der Videoarbeit, der Umgebungslärm eines Krankenhauses mit Durchsagen und den Geräuschen medizinischer Geräte, in normaler Geschwindigkeit weiterläuft, bleibt für die Frau die Welt beinahe stehen, erfahren wir mit ihr den in quälende Länge gedehnten intimen Augenblick des Schmerzes. Die Überwältigung durch die Gefühle steht im Gegensatz zur sterilen Umgebung. Flaschen, Schalen, der mit Schmetterlingen bedruckte Kaffeebecher oder das Röntgenbild eines menschlichen Schädels lassen an ein modernes Vanitas-Stillleben denken, das uns die Vergänglichkeit alles Lebenden in Erinnerung ruft.

In einer Reihe von Arbeiten widmet sich Viola biblischen Themen und Szenen. The Silent Sea liegt die Kreuzigung Christi, genauer: Darstellungen der Kreuzigungsgruppe, zugrunde. Neun Personen – drei Frauen und sechs Männer – stehen vor einem neutralen Hintergrund eng zusammen und durchleben jedoch jede und jeder für sich einen Moment der intensivsten Emotion. Als Zeitlupenbild, als sich langsam verändertes Tableau vivant verfolgen wir den Wechsel in Mimik und Gestik bis zum schmerzvollen Höhepunkt und der anschließenden Erschöpfung.

The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Wien 2021, S. 244.

Provenance
  • Sammlung Essl

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/430259/the-silent-seaImage Request
    Last edited26.07.2021