Al-Za'arura. Suleiman Abu-Ajaj and Muhammad Abu-Judeh
Tal Adler
2004-2005
Suleiman Abu Adschadsch sitzt im Schiq, dem beduinischen Gastzelt, vor der wispernden Glut. Suleimans Schiq ist dunkel, doch draußen ist viel Licht, das auf die Ruinen der zerstörten Moschee direkt gegenüber fällt. Das Minarett der Moschee liegt am Rande der Schalom-Straße (Friedensstraße), auf den zerschmetterten Ziegel- und Betonresten – die Straße, die Dimona mit Arad und Kseife mit Arara verbindet.
Suleiman erzählt mir von der Aufregung, die alle vor einigen Jahren ergriff, als sie die Moschee bauten. Sein Gesicht ist versiegelt, als er beschreibt, wie sich alle Familien zusammentaten, wie sich alle freuten, wie alle für das Projekt eingespannt wurden. Einige spendeten Geld, andere trugen Baumaterial oder Arbeitsstunden bei. Die Moschee wurde auf Suleimans Land erbaut, war jedoch für alle Familien auf der einen Seite des Dorfes gedacht – die, die den Bach überqueren mussten, der in der Vergangenheit bereits Opfer gefordert hatte, um zur Moschee auf der anderen Seite des Dorfes zu gelangen. Im Winter mussten sie sich ihren Weg dorthin auch durch Kilometer von Schlamm bahnen.
Ein Jahr intensiver, aufopfernder Arbeit war nötig, um die Moschee zu errichten. Als der Bau fertiggestellt war, als nur noch die Fenster fehlten, tauchten im Dorf Regierungsangestellte auf und hefteten den Abbruchbefehl an die Türen der neuen Moschee. „Warum haben sie ein Jahr gewartet, bis wir mit dem Bauen fertig waren?“, stellt Suleiman die rhetorische Frage. Die Dorfbewohner taten sich wieder zusammen und nahmen sich einen Rechtsanwalt. Papiere und Gesuche wurden eingereicht. 50.000 Dollar hatte der Bau gekostet, weiteres Geld kostete die Bürokratie. Es gelang ihnen ein ums andere Mal, die Vollstreckung der Zerstörung aufzuschieben.
Ein Jahr dauerte der Bau der Moschee, und ein Jahr lang freuten sich die Leute im Dorf darüber. Eines Morgens wurde das stille, abgelegene Dorf von Hundertschaften der Armee und Polizei überflutet. Als sei es ein Schlachtfeld geworden. Es waren Kampfsoldaten der israelischen Armee darunter, Grenzpolizisten, Spezialeinsatztrupps, Polizeiwagen. Alle Eingänge ins Dorf wurden blockiert, und die bewaffneten Kampfsoldaten schwärmten aus. Dann kamen die Bulldozer. Suleiman wurde alarmiert. Als er ankam und die Gesichter der Soldaten und Polizisten und ihre Anzahl sah, flehte er die Dorfbewohner an, die sich um die Moschee herum versammelt hatten, dass sie nichts unternehmen sollten, dass sie die Bulldozer gewähren lassen sollten. „Als ich die Soldaten sah, habe ich begriffen, wenn es jemand wagen würde, sich zu widersetzen, würde hier Blut fließen“, erklärt er. „Dazu bin ich nicht bereit. Auch nicht für die Moschee.“
Innerhalb einer knappen Stunde verließen die Kämpfer das Dorf, unter Hinterlassung einer Staubwolke über einem Haufen von Beton und Eisen.
„Noch einen Kaffee?“, fragt mich Suleiman im dunklen Schiq.Suleiman Abu-Ajaj sits in the Shiq; a Bedouin hospitality tent, opposite whispering glowing embers. The tent is dark, but outside considerable light falls on the ruins of the demolished mosque, right opposite. The minaret lies on top of the remains of the shattered bricks and concrete on the edge of the Shalom (Peace) Road – the road linking Dimona with Arad and Kuseife with Ara’ra.
Suleiman recounts the excitement everyone felt several years ago, when they built the mosque. His expression is immobile as he describes how the whole family got together, how they were all so exited, how they all supported the project. Some donated money, others contributed building materials or put in hours of work. The mosque was built on Suleiman’s land, but was meant for all the families on the one side of the village. Those on the other side of the village would have to cross a river that had already claimed lives in the past. In winter, they would have to forge a way there through miles of mud as well.
A year of intensive and dedicated work was needed to build the mosque. When construction ended, and only windows had to be put in, Government officials appeared in the village and affixed a demolition order to the doors of the new mosque. “Why did they wait a year until we finished construction?” Suleiman asks rhetorically. The village residents got together again and hired a lawyer. Papers and applications were submitted. The construction had cost 50 thousand dollars. The bureaucracy cost more money. Time and again they managed to postpone the demolition.
Construction of the Mosque lasted a year. And one year is what the residents had to enjoy it. One morning, this quiet, remote village was inundated with hundreds of military personnel, as if a battlefield. There were IDF combat soldiers, ‘Border Patrol’ police, members of the ‘Special Patrol Unit’, and police vans. All the entrances to the village were sealed off, and the armed combatants deployed around it. Then the bulldozers came.
Suleiman was summoned to the spot by his neighbors. When he arrived
and saw the faces of the soldiers and police, and their numbers, he begged the residents who had gathered around the mosque not to do anything. To allow the bulldozers to demolish it. “When I saw the soldiers I understood that if anyone dared to resist, blood would be spilt here”, he explains. “That I am not prepared to allow. Not even for the mosque”. In less than an hour, the combatants left the village, leaving behind them heap of concrete and iron in a haze of dust.
“More coffee?” Suleiman offers in the dark tent.
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