Metaphysik der Liebe
Ernst Fuchs
1950
1949 geht der 19-jährige Ernst Fuchs nach Paris.
Die Stadt bleibt bis 1961 sein Hauptaufenthaltsort. Aus dieser Phase
stammen die Schädelstätte aus dem Zyklus
»Die Metamorphose der Kreatur« und Metaphysik der Liebe. Beiden Werken ist
die Verbindung von expliziter Sexualität und religiösem Geschehen und
religiöser Symbolik eigen. In Metaphysik
der Liebe sitzen einander ein ausgezehrter kirchlicher Würdenträger und ein
geflügelter weiblicher Engel gegenüber; dieser spielt ein Streichinstrument,
der ostentativ nackte Priester hält eine zweistielige Blume und in der Rechten
einen Kelch, der auf einem Schädel balanciert. Von oben komplettiert die Taube
diese unheilige Dreifaltigkeit. Die Zeichnung ist mit feinem Silberstift direkt
auf Pergament aufgetragen, wobei die Tierhaut nicht zum rechteckigen Bild
beschnitten ist. Nicht zuletzt aus dieser Dichotomie des fast unwirklichen
Silberstrichs und des betont existenziellen Bildträgers in Kombination mit dem
verschränkten Motiv entsteht die machtvolle Poesie dieses bildnerischen
Rätsels.
Rahmenaußenmaß 144,6 × 97,5 × 6,2 cm
