Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians I.: Die Heirat Maximilians I. mit Maria von B…
Triumphzug Kaiser Maximilians I.: Die Heirat Maximilians I. mit Maria von Burgund
Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians I.: Die Heirat Maximilians I. mit Maria von Burgund, Inv. Nr.: 25205
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Triumphzug Kaiser Maximilians I.: Die Heirat Maximilians I. mit Maria von Burgund

Albrecht Altdorfer

um 1512 - 1515




Das bedeutendste und umfangreichste von den Auftragswerken Kaiser Maximilians I. ist der Triumphzug: Kein Abbild eines realen Festzuges, sondern eine imaginäre Parade zu Ehren des Kaisers, der dieses Werk 1512 selbst konzipierte. Der Triumphzug knüpft an die festlichen Einzüge siegreicher Imperatoren in Rom und ihre Adaptionen in der italienischen Renaissance an, erscheint jedoch als in die Gegenwart versetzter Festzug mit Darstellungen der wichtigsten Personen und Ereignisse aus dem Leben des Kaisers.

Der ursprünglich 109-teilige, auf Pergament gemalte Zyklus erstreckte sich als Bilderfries zusammengesetzt über eine Länge von mehr als 100 Metern. Der erste Teil des Triumphzugs (Blatt 1–48) ist im Original verloren gegangen. In der Albertina ist der komplette zweite Teil (Blatt 49–109; Inv. 25205 - Inv. 25263) mit einer Länge von knapp 54 Metern erhalten. Er ist einer der größten Schätze der Sammlung. Die Reihung der Blätter und die Leserichtung verlaufen von rechts nach links, entgegen der Zugrichtung. Somit ziehen die Teilnehmer des Triumphzugs dem Betrachter gleichsam entgegen.
Nach seiner aufwändigen konservatorischen Bearbeitung konnte der Triumphzug im Jahr 2012 in der Ausstellung "Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit" erstmals wieder in vollem Umfang in der Albertina präsentiert werden.

Themen sind wichtige Momente wie Maximilians Heirat mit Maria von Burgund. Zahlreiche Schlachtenbilder zeigen die von ihm geführten Kriege. Großen Raum nimmt die Darstellung von Maximilians Vorfahren ein. Auf Schatzwägen werden seine Reichtümer plakativ zur Schau gestellt und stolz seine moderne Artillerie präsentiert. Der Kaiser selbst thront mit seiner Familie auf einem reich geschmückten Triumphwagen. Der sozialen Rangordnung entsprechend folgen diesem Fürsten, Ritter und Landsknechte bis zum für die Versorgung zuständigen Tross am Ende des Zuges.

Über das Schicksal des verschollenen ersten Teils ist nichts bekannt. Sein Inhalt lässt sich jedoch durch das überlieferte schriftliche Konzept Maximilians sowie durch Kopien erschließen.

Ausgeführt wurde der Triumphzug von dem Regensburger Maler Albrecht Altdorfer und mehreren Mitarbeitern wahrscheinlich in einer Zeit von weniger als drei Jahren. Die verwendeten Materialien sind von größter Kostbarkeit: Den Malgrund bildet feinstes Kalbspergament; edelste Farbpigmente, Silber und Gold wurden für die Malerei verwendet. Das unschätzbare und weltweit einzigartige Kunstwerk erinnert an die Taten seines Auftraggebers und dient somit dem ewigen Gedächtnis des Kaisers.

Blatt 49: Auf der von zwei Reitern getragenen Schautafel ist die Vermählung Maximilians mit Maria von Burgund dargestellt, die 1477 in Gent stattfand. Maria überreicht ihrem Gemahl das Wappen von Burgund, links neben Maximilian steht das Wappen Österreichs mit der Herzogskrone.

 

Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 53, S. 224. 



Künstler:in (1480 - 1538 Regensburg)
An der Entstehung Beteiligte:r (Deutschland, Regensburg ca. 1510 - 1538)
Vormals zugeschrieben an (Österreich, Tirol ca. 1490 - 1540)
Dateum 1512 - 1515
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFederzeichnungen mit Aquarell und Deckfarbenmalerei und Goldhöhungen auf Pergament
Dimensions45,5 x 31,2 cm;
die weiteren Einzelblätter je ca. 45 x 95 cm, Gesamtlänge der erhaltenen Blätter 49 – 109 inkl. des Autorenblattes, als Bilderfries zusammengesetzt: 53,8 m
CreditALBERTINA, Wien
Object number25205
InscribedM.o. "Kaiser Maximilans Heyrat / mit der Erbtochter von Burgund"
Text
Maximilians Triumphzug ist das wohl umfangreichste und bedeutendste seiner Auftragswerke: Kein Abbild eines realen Festzuges, sondern eine imaginäre Parade der wichtigsten Personen und Ereignisse aus dem Le­ben des Kaisers. Der ursprünglich 109-teilige Zyklus erstreckte sich als Bilderfries zusammengesetzt wahrscheinlich über eine Länge von mehr als 100 Metern. Die gebräuchliche Bezeichnung »Triumphzugminiatu­ren« oder »Miniaturentriumphzug« mag angesichts dieses imposanten Formats missverständlich wirken, basiert jedoch auf seiner technischen Ausführung als Federzeichnung sowie Aquarell- und Deckfarbenmalerei mit partieller Goldhöhung auf Pergament. Im Unterschied zu der ab 1516 ausgeführten Holzschnittversion des Triumphzugs (Inv. DG1931/35/1 - Inv. DG1931/35/135) waren die prächtigen, auf kostbares Pergament gemalten Miniaturen zweifellos als exklusive Prunkausgabe für den Kaiser bestimmt.

Das prominente Werk ist nur als Fragment auf uns gekommen: Lediglich die Blätter 49 bis 109 sowie das ans Ende gestellte Autorenblatt sind in der Albertina erhalten. Über das Schicksal und den Verbleib des verschollenen ersten Teils der Miniaturen ist nichts bekannt, doch lässt sich deren Inhalt durch das überlieferte schriftliche Konzept Maximili­ans aus dem Jahr 1512 (Marx Treitzsaurwein, Verzeichnis der von Maximilian I. verfassten und geplanten Werke, Wien, ÖNB, Sammlung von Handschriften und alten Drucken, cod. 2835, s. Ausst.-Kat. Wien 2012, Nr. 52) sowie durch zwei spätere, ebenfalls auf Pergament ausgeführte Kopien (Ausst.-Kat. Wien 2021, Nr.54) erschließen.

Demnach führte die Parade der auf einem Greifen reitende »Verkünder des Triumphes« Preco (lat. Bote, Ausrufer) an. Nach ei­ner Widmungstafel an Maximilian I. »zu lob und ewiger gedechtnus« folgten Figuren höfischen Lebens wie berittene Pfeifer und Tromm­ler, Falkner, Steinbock-, Hirsch-, Schweine-und Bärenjäger, die Hof­ämter (Schenk, Koch, Barbier, Schneider und Schuster), Musikanten und Hofnarren auf reich geschmückten Wagen sowie – analog zum Freydal (süddeutsch, um 1512 - 1515, Wien, Kunsthistorisches Museum, Inv. KK5073, s. Ausst.-Kat. Wien 2012, Nr. 72) – Mummereien, Fechter mit verschiedenen Waffen und Turnierreiter. Posaunenbläser begleiteten eine Reitergruppe mit den Fahnen der habsburgischen und burgundischen Länder, die durch die Heirat Maximilians mit Maria von Burgund am 19. August 1477 in Gent vereint wurden. Die Darstellung der Heirat befand sich ungefähr im Zentrum des Zuges und steht am Beginn der heute in der Albertina erhaltenen Blätter. Nach einem goldenen Wagen mit der symbolischen Darstellung von Städten und Schlössern im Besitz des Kaisers folgt eine farbenprächtige Parade von Bannerträgern mit spektakulären Schau-tafeln seiner Kriege sowie Trophäenwagen mit Kriegsbeute. Ergänzt wird diese fiktive martialische Leistungsschau durch Maximilians berühmte Artillerie mit einer Präsentation modernster Kanonen und Waffen. Danach folgen Wagen mit seinem Schatz der Andacht und dem Gebrauchsschatz, d. h. mit den liturgischen und den weltlichen Kostbar­keiten, die – im Gegensatz zur tatsächlichen permanenten Geldknapp­heit des Kaisers – einen sagenhaften Reichtum zur Schau stellen sollten. Neben den Kriegen werden auch historisch bedeutsame Ereignisse wie die Heirat von Maximilians Sohn Philipp mit Johanna von Kastilien 1496 oder die Belehnung Ludovico Sforzas mit Mailand 1495 auf Schautafeln präsentiert. Über fünf Blätter zieht eine lange Reihe mit Standbildern von Maximilians Vorfahren. Kriegsgefangene und antikische Viktorien­träger sowie Reichstrompeter und Herolde schreiten dem Wagen von Maximilians Mutter voran. Der Kaiser selbst thront – in einen prächti­gen Ornat gekleidet, angetan mit Bügelkrone, Szepter und Palmwedel (ein traditionelles Siegeszeichen) – auf seinem von 12 weißen Pferden gezogenen, reich geschmückten Triumphwagen. Vor ihm sitzen seine erste Frau Maria von Burgund und die gemeinsame Tochter Margarete, davor Philipp mit Johanna und den gemeinsamen Kindern. Durch die Versammlung der engsten Familie auf dem kaiserlichen Wagen wird einmal mehr die Bedeutung von Familie und Fortleben der Dynastie betont. Nach dem Prunkwagen folgen – ihrer sozialen Rangordnung entsprechend – Fürsten, Grafen, Herren, Ritter und Landsknechte, die Wagenburg und die »kalikutischen Leut« (dargestellt durch Indianer, stellvertretend für Maximilians Machtansprüche außerhalb Europas). Der sogenannte Tross am Ende des Zuges, eine bunte Gruppe von Män­nern, Frauen und Kindern, war für die Versorgung des Heeres zuständig. Abgesehen von dem Hintergrundprospekt in einem Teil des volkstüm­lichen Trosses, bewegen sich die Protagonisten des Triumphzugs vor dem neutralen hellen Hintergrund des unbemalten Pergaments, wo­durch sich die Betrachtung auf die Darstellungen konzentriert, die, von Raum und Zeit entrückt, auf die Würdigung von Maximilians Leben sowie auf sein ewiges Andenken abzielen.

Wie zuerst Franz Winzinger (1966; 1972/73) erkannte, führte der Regensburger Maler Albrecht Altdorfer das monumentale Werk mit seiner Werkstatt und mehreren Mitarbeitern in weniger als drei Jahren aus. Altdorfer muss damals etwa 32 bis 35 Jahre alt gewesen sein. Sein genaues Geburtsdatum ist unbekannt, doch gilt ein Geburtsjahr um 1480 als wahrscheinlich. 1506 erwarb er als »Maler von Amberg« das Bürgerrecht in Regensburg und scheint ein gut verdienender Künstler und angesehener Einwohner gewesen zu sein: 1513 kaufte Altdorfer ein Haus in Regensburg, wo er ab 1517 hohe politische Ämter bekleidete und 1526 zum Stadtbaumeister ernannt wurde. Das Amt des Bürgermeisters lehnte er 1528 ab, vermutlich zugunsten der Ausführung seines wohl berühmtesten Bildes, der Alexanderschlacht von 1528/29, in der er die in den Schlachtenbildern des Triumphzugs im kleinen For­mat erarbeiteten Lösungen in monumentaler Form weiterentwickeln konnte.

   
Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 229
  • Bibliography
  • Ausst.-Kat. München 1938, Nr. 522 – 580
  • Ausst.-Kat. Wien 1959, S. 69 – 91, Nr. 216 – 274 (Otto Benesch/Alice Strobl)
  • Winzinger 1966
  • Winzinger 1972/73
  • Rotraud Bauer und Herbert Haupt, Das Kunstkammerinventar Kaiser Rudolfs II., 1607–1611, in: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Bd. 72 (N. F. Bd. XXXVI), 1976, S. 134
  • vgl. Ausst.-Kat. Berlin 1988, S. 180 – 187, Nr. 89 – 90 (Hans Mielke)
  • Ausst.-Kat. Innsbruck 1992a, sub Nr. 144 (Lukas Madersbacher)
  • Müller 1996, S. 60 – 100
  • Ausst.-Kat. Wiener Neustadt 2000, Nr. 51 – 53 (Mathias F. Müller)
  • Müller 2000a
  • Rosenauer 2003, S. 566 – 567, Nr. 305 (Fritz Koreny)
  • Müller 2006
  • Schröder 2007, S. 80 – 85, Nr. 19 – 20 (Thomas Schauerte)
  • Müller 2010c
  • Bouvier 2011
  • Michel 2011
  • Ausst.-Kat. Albertina 2012, Nr. 53 (E. Michel), Abb. S. 225 ff.
  • Susanna König-Lein, „mit vielen Seltenheiten gefüllet“: Die Kunstkammer in Graz unter Erzherzog Karl II. von Innerösterreich und Maria von Bayern, in: Das Haus Habsburg und die Welt der fürstlichen Kunstkammern im 16. und 17. Jahrhundert (Schriften des Kunsthistorischen Museums, Bd. 15), Wien 2015, S. 195-227, hier S. 197-198 (zur Provenienz)
  • Daniel Hess, Als die Bilder leuchten lernten: Mediale Innovationen der frühen Neuzeit von Kaiser Maximilians Pergament-Triumphzug zu den Transparentbildern des Berner Malers Niklaus König, in: Licht(t)räume. Festschrift für Brigitte Kurmann-Schwarz zum 65. Geburtstag, Petersberg 2016, S. 102-109 (Deutung als Transparentbilder)
  • AK Albrecht Altdorfer. Maître de la renaissance allemande, Musée du Louvre, Paris 2020, S. 168, Kat. 44a und b (C. Metzger)
  • Quellen zur Provenienz: Joseph Wastler, Zur Geschichte der Schatz-, Kunst- und Rüstkammer in der k.- k. Burg zu Grätz, in: Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale, N. F. 5, 1879, S. CXXXVIIIff., N. F. 6, 1880, S. XXIXff., LVff., XCVIff., CXLVIIIff. (Grazer Inventar von 1668)
  • Felix Stieve, Wittelsbacher Briefe aus den Jahren 1590 bis 1610, in: Abhandlungen der III. Classe der [bayerischen] königlichen Akademie der Wissenschaften, Bd. 17, München 1886, S. 385-497, hier S. 457 (Erzherzogin Maria an Herzog Wilhelm von Bayern, 16. März 1591)
  • David von Schönherr, Urkunden und Regesten aus dem K. K. Statthalterei-Archiv in Innsbruck Schönherr, in: JKSAKH, 11, 1890, S. CCXXXIII, Reg. 7868 (Brief Erzherzog Ferdinands von Tirol, 5.9.1564)
  • Heinrich Zimmermann, Inventare, Acten und Regesten aus der Schatzkammer des Allerhöchsten Kaiserhauses, in: JKSAKH, 16, 1895, S. LVIII, Reg. 12658 (Verzeichnis Übergabe Schatzkammer-Hofbibliothek 1783)
  • Heinrich Zimmermann, Das Inventar der Prager Schatz- und Kunstkammer vom 6. Dezember 1621, in: JKSAKH, 25, 1905, S. LIII–LIV, Reg. 19429

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    Last edited29.10.2025