Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach (1490-1568), Inv. Nr.: 3005
Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach (1490-1568)
Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach (1490-1568), Inv. Nr.: 3005
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach (1490-1568)

Lucas Cranach d. Ä.

1511/1512




Zugeschrieben an (Kronach 1472 - 1553 Weimar)
Date1511/1512
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesKohle, stellenweise leicht laviert, auf Papier
Dimensions28 x 18,5 cm (11 x 7 5/16 in.)
CreditALBERTINA, Wien
Object number3005
Markingskein Sammlerstempel Herzog Albert von Sachsen-Teschen
WatermarkWasserzeichen: Krone mit zweikonturigem Bügel mit Perlen, mit zweikonturigem Kreuz auf dem Bügel, ohne Beizeichen; identisch mit Briquet 4901 (nachweisbar in Innsbruck und Brescia 1513), ähnl. auch Piccard Abt. XII 1-10, S. 149, Nr. 5 (nachweisbar 1506-14
Text
Das nicht unumstritten Cranach zugeschriebene Bildnis eines jungen Mannes ist in seiner Technik von Dürers Kohlezeichnungen angeregt. Möglicherweise hatte Cranach bei einem Aufenthalt in Nürnberg 1504/05 oder 1508 Arbeiten Dürers wie etwa das 1503 datierte Bildnis eines 18-Jährigen gesehen. 
Das Blatt unterscheidet sich mit seinem expressiven Zeichenduktus grundlegend von Cranachs eleganten Porträtstudien mit Ölfarben, die zur Vorbereitung von halb- oder ganzfigurigen Bildnissen dienten. Es ist wohl zumindest oben etwas beschnitten, wodurch die Figur eng in den Bildausschnitt verspannt erscheint. Die Nähe des Dargestellten geht Hand in Hand mit einer großen Eindringlichkeit des Ausdrucks, der vor allem durch den verhangenen, in die Ferne gerichteten Blick der asymmetrischen Augen erzeugt wird. Ungewöhnlich ist auch die keck in die Stirn geschobene Kopfbedeckung des Mannes, über dessen Identität das Bildnis keinerlei Hinweis bietet. Zeichnerisch besonders interessant ist die Differenzierung zwischen dem mit breiten Linien locker skizzierten Pelzkragen und dem besonders fein modelliertem Gesicht, wo Cranach mit Wischungen (keine Lavierung, wie in älterer Literatur vermutet) arbeitete, die dem Gesicht im Gegensatz zum locker skizzierten Gewand mehr Plastizität und eine stofflichere Wirkung verleihen.
Die modische Kappe mit den um das Kinn gelegten Bändern und dem über der Stirn in Schlaufen gelegten Abschluss findet sich sowohl in Cranachs Selbstbildnis (?) in der Hl. Sippe in der Gemäldegalerie der Akademie, als auch in einer 1517 datierten Zeichnung Wolf Hubers wieder. Damit wäre auch in kostümgeschichtlicher Hinsicht die Datierung der Zeichnung zwischen 1510 und 15120 bestätigt.
Alice Hoppe-Harnoncourt schlug jüngst eine Identifizierung des Dargestellten mit Albrecht von Brandenburg-Ansbach vor (AK Das deutsche Porträt, KHM 2011).
Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 359
  • Bibliography
  • Schönbrunner/Meder, Nr. 53 (deutscher Meister um 1510)
  • Joseph Meder: Die Handzeichnung, ihre Technik und Entwicklung, Wien 1919, Abb. 43 (dt. Meister, um 1520
  • Kohlezeichnung in der Nachfolge Dürers, Hans Funk?)
  • Hugelshofer, Schweizer Handzeichnungen, Taf. 47
  • Alfred Stix (Hg.): Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Graphischen Sammlung Albertina, Die Zeichnungen der deutschen Schulen bis zum Beginn des Klassizismus, bearb. von Hans Tietze und Erika Tietze-Conrat, Wien 1933, Nr. 359 (oberdeutscher Künstler um 1510-20
  • Anklang an Schweizer Zeichnung ist vorhanden, aber nicht für eine Zuweisung ausreichend)
  • Friedrich Winkler: Die Bilder des Wiener Filocalus, in: Jahrbuch der preussischen Kunstsammlungen, Bd. 57, 1936, S. 141-155, hier S. 151, Anm. 1 (Cranach! Neben dem Bildnis von Luthers Vater sichere Arbeit von Cranach)
  • Theo Ludwig Girshausen: Die Handzeichnungen Lukas Cranach des Älteren, Frankfurt am Main 1936, S. 93 (nicht Cranach, da "neben der technischen Ausführung der ganze Charakter des Blattes von Cranach wesentlich abweicht")
  • Dieter Koepplin: Zwei Fürstenbildnisse Cranachs von 1509, in: Pantheon 1974, XXXII, S. 25-34, hier S. 29, 30, Abb. 5 und Kat.-Nr. 601 (Cranach, grandiose Bildnisstudie um 1510, trotz Skizzenhaftigkeit Behutsamkeit u. verhaltene Vitalität
  • feines Wischen od. Lavierung? Weißes Augenlicht im rechten Auge mit Pinsel aufgesetzt?)
  • Werner Schade (Hg.): Lucas Cranach der Ältere Zeichnungen, Wien 1983, S. 35 (Cranach: ausführliche Bildnisstudie in Kohle aus seiner Frühzeit um 1510, typische Gemäldevorzeichnung)
  • AK Deutsche Zeichnungen. Meisterwerke aus dem Besitz der Albertina, bearb. von Erwin Pokorny und Maren Gröning, Nationalmuseum für westliche Kunst, Tokyo, 1991, S. 248-249, Nr. 15
  • AK Sehnsucht nach dem Abbild. Das Porträt im Wandel der Zeit (Kunsthalle Krems, 26.7.-26.10.2009), Krems 2009, Abb. auf S. 25 (Cranach)
  • AK Cranach der Ältere, hrsg. Von Bodo Brinkmann, Städel Museum Frankfurt a.M. (23.11.2007-17.2.2008) und Royal Academy of Arts, London (8.3.-8.6.2008), Frankfurt 2007, S. 95, Abb. 6 (Schade: Cranach)
  • Michael Hofbauer, Cranach. Die Zeichnungen, Berlin 2010, S. 118 f., Kat. 25
  • AK Das deutsche Porträt. Dürer - Cranach - Holbein. Die Erfindung des Menschen um 1500, KHM, Wien 2011, Kat. 60 (Alice Hoppe-Harnoncourt)
  • Christof Metzger, in: Lucas Cranach der Ältere. Meister - Marke - Moderne, Ausst.-Kat. Düsseldorf 2017, München 2017, S. 269-270, Nr. 167
  • Provenance
  • Zugang 1892 durch Erzherzog Albrecht

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    Last edited26.11.2025