Widmung für die Hagengesellschaft
Rudolf Bacher
29. November 1888
Transkription der Widmung:
1. Dö Maler dö sein’d halt
gar b’sundere Leut’
tagsüber thans duseln
auf d’ Nacht da werdn’s g’scheid
2. Im Cafehaus da sitzen’s
und zeichnen drauf los
warn’s allweil so fleissig
s ’hätt jeder a G’schloß.
3. Da kimman dö Einfall
wia d’ Starln daher,
da gehts nur von Handn
koa Tischl bleibt leer.
4. Als stehat’s da ewig!
s’ruckt koaner vom Fleck –
in der Fruah schimpft da Kellner
und wischt die G’schicht weg
5. Drum kimm i ins denka:
ja war’s denn net gscheid,
i kaufat a Büachl
für dö narrischen Leut?
6. In’s Büachl that’s zeichna
nit allweil am Tisch!
auf an Wisch laßt ma si’s g’falln
nit blos für an – – Wisch.
In geselliger Runde entstanden Zeichnungen voller Dynamik, meist sehr schnell aufs Papier geworfen, die die Künstler im Kaffeehaus oder als Karikaturen zeigen. Eine Reihe von Zeichenwettbewerben dokumentiert auf humorvolle Weise das „Vereinsleben“. Humor war allgegenwärtig. Viele Blätter lassen aber auch deutlich den Zug zum Jugendstil erkennen. Grotesken, Alltags- und Großstadtszenen entstanden ebenso wie idyllische Landschaften, und auch das Organ der Wiener Secession, die Zeitschrift Ver Sacrum, nahm immer wieder Anleihen bei den Mappen der Hagengesellschaft, um einzelne Zeichnungen in ihren Ausgaben abzubilden.
Die Hagengesellschaft war ein komplexes Netzwerk aus Freunden und Verwandten, dessen Stärke vor allem in seiner Heterogenität zu suchen ist. Die Mitglieder hatten so unterschiedliche Berufe wie Maler, Bildhauer, Fotograf, Architekt, Musiker, Komponist, Forscher, Bankbeamter, Finanzbeamter, Ingenieur, Richter, Journalist oder Cafetier. Entgegen bisher tradierten Erzählungen brach die Freundesrunde nicht durch die Gründung der beiden Künstlervereinigungen Secession und Hagenbund auseinander, sondern stand über Jahrzehnte in engem Kontakt und Austausch bis ungefähr 1950.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/90009/widmung-fur-die-hagengesellschaftImage Request