Veronika reicht Jesus das Schweißtuch (Karton zur sechsten Station der Kreuzwegfresken in der Pfarrkirche St. Johann Nepomuk, Wien II)
Josef von Führich
1843/44
Seit dem 13. Jahrhundert wird die Legende der Veronika, auf deren Tuch das Antlitz Christi als „vera eikon“ erhalten bleibt, mit dem Kreuzweg Christi in Verbindung gebracht. Veronika soll sich demnach auch unter jenen Frauen befunden haben, die Christus auf seinem Kreuzweg trifft und anspricht (Lk 23, 27–31).
Der von heftig gestikulierenden Schergen umgebene Christus schreitet auf die vor ihm kniende Veronika zu, die ihm demütig das Schweißtuch reicht. Die Gestalt Christi sowie vor allem das geschulterte Kreuz sind schräg in die Richtung des Betrachters gewendet, sodass Christus scheinbar unmittelbar auf diesen zutritt; dadurch erhält die Szene eine intendierte erlebnismäßige Aktualisierung. Die heftig ausfahrenden, gewalttätigen Bewegungen der Jesus flankierenden Schergen steigern wirkungsvoll dessen Spiritualität duldenden Hinnehmens. Die geschulterten Lanzen und Hellebarden der römischen Soldaten bilden ein gewisses kompositionelles Echo zu dem im Vordergrund dominierenden Kreuzesbalken. Rechts im Hintergrund sind die weinenden Marien und Johannes erkennbar. Der Zeigegestus des greisen Pharisäers links außen, der sich zu Veronika herab neigt und diese unmissverständlich zum Weiterschreiten auffordert, leitet bereits zur nächsten Station über.
Joseph Führich - Die Kartons zum Wiener Kreuzweg, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder, Albertina, Wien 2005, S. 63.
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