Frucht- und Blumengehänge
Giovanni Ricamatore, gen. Giovanni da Udine
1516-1518
Die Ausführung der dekorativen Partien in den Loggien Raphaels mit Stuckornamenten, Grotesken und Festons erfolgte unter Giovanni da Udine, dem Raphael nach Vasari (Bd. V, S. 593) hierfür die Oberleitung übertrug: "E così Raffaello fece capo di quell´opera, per gli stuchi e per le grottesche, Giovanni da Udine, rarissimo ed unico in quegli, ma più negli, animali e frutti ed altre cose minute ...". Bartsch hatte das Blatt als eigenhändiges Werk in Vorbereitung für die Loggien erkannt, doch Wickhoff (1891) sah darin eine Kopie nach einer Pilasterfüllung. Oberhuber (1972) trat wieder für die traditionelle Zuschreibung an Giovanni ein, der Dacos 1977 noch folgte. In der Neuauflage ihres Buches über die Loggien (1986) hielt sie das Werk für eine Kopie und nahm es auch nicht in den Katalog der Zeichnungen in der Monographie über Giovanni da Udine (1987) auf. Birke (1991, 1994) hat die Echtheit nicht bezweifelt.
Gegen eine Kopie spricht vor allem die beeindruckende Duftigkeit und Frische der unabhängig voneinander studierten Frucht- und Blumengehänge. Vereinzelt ist noch die Kohlevorzeichnung zu erkennen, über die eine breite braune Lavierung gelegt ist, die nur die Rundungen der Früchte ausspart. Unmittelbar aus diesem neutralen Grund heraus sind die Blätter entwickelt, die sich durch eine helle Umrandung bereits vollständig ablösen. Die Übergänge zwischen den herabhängenden und den zart bewegten Blättern sind aber noch völlig weich und fließend. Kräftig herausgearbeitet sind dann die Blumen und Früchte, denen Giovanni durch die punktartig mit der Pinselspitze aufgetupfte Farbe Fülle und Glanz verleiht. Dabei fügt sich jedes Detail dem geschlossenen Ganzen des Straußes ein. Oberhuber hat darauf hingewiesen, dass die Lockerheit und Sensibilität der Ausführung mit Giovannis Entwurf in Dresden für die Dekoration des Pilasters zwischen dem 6. und 7. Joch der Loggien zu vergleichen ist (Oberhuber 1972, S. 181, Nr. 473 a, Abb. 197). In der Technik stimmt das Blatt zudem mit verschiedenen Tierstudien in London und Stockholm überein, die traditionell Giovanni zugeschrieben werden (Dacos 1987, Bd. 2, S. 243, Nr. 8, S. 250-252, Nr. 18-22). Laut Dacos (1977, S. 245) wurden alle fünf Fruchtgehänge in den Loggien verwendet.
Michelangelo und seine Zeit, Meisterwerke der Albertina, Wien/Bilbao 2004/05, Abb. 42, S. 122.
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