Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Studie für das Pfingstwunder (?), Inv. Nr.: 2590r
Studie für das Pfingstwunder (?)
Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Studie für das Pfingstwunder (?), Inv. Nr.: 2590r
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Studie für das Pfingstwunder (?)

Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino

um 1526




Künstler:in (Parma 1503 - 1540 Casalmaggiore)
Dateum 1526
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, braun laviert, über Stift in Schwarz, weiß gehöht, auf bräunlich präpariertem Papier
Dimensions17 x 27,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number2590r
Inscribedr.u. "Dosso" und "3" (in Bleistift)
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Die Figurenstudien auf beiden Seiten des Blattes (Inv. 2590r, 2590v) stehen mit einem in Frankfurt erhaltenen Entwurf für ein hochformatiges, oben gerundetes Altarbild mit der "Aussendung des Heiligen Geistes" in Beziehung. Eine zweite Version für dieses nie ausgeführte Gemälde befindet sich in Neapel (Popham 1971, Nr. 141 und Nr. 293, Taf. 185). Parmigianino experimentierte auf dem Albertina-Blatt möglicherweise noch mit einem Querformat, vermutlich angeregt von #Gian Giacomo Caraglios Kupferstich mit dem "Pfingstfest" (Bartsch 1803-1821, Bd. 15, S. 70, Nr. 6) nach einem Entwurf #Raphaels, in dem die im Hintergrund thronende Muttergottes ebenfalls von zwei Aposteln umgeben ist. Da die beiden Apostelgruppen im Vordergrund ohne erkennbare Verbindung zueinander stehen, entwarf der Künstler wohl zwei Varianten für ein und dieselbe Darstellung, wie bereits K. Oberhuber (AK Albertina 1963, Nr. 13) vermutet hat. In diesen beiden Figurengruppen zeigt sich Parmigianinos Auseinandersetzung mit Raphaels "Transfiguration", der "Disputà" und der "Schule von Athen", aber auch mit den Kompositionen in den Loggien (Oberhuber 1999, Abb. 85, 93, 202; Dacos 1977, Taf. XXVIIIa). Der Apostel am linken Rand ist etwa von dem so genannten Matthäus (siehe auch die Vorzeichnung in der Albertina, Inv. 237) und die Gestalt auf der Rückseite von der knienden weiblichen Rückenfigur in der "Transfiguration" inspiriert. Ähnlich wie auf Raphaels Bild werden diese beiden Figuren auf dem endgültigen Entwurf in Frankfurt im Vordergrund gegenübergestellt. Parmigianino drängt allerdings die Komposition stärker zusammen, schwächt die komplexen räumlichen Bezüge ab und sucht die Dramatik durch ekstatische, dabei kunstvolle Bewegungen zu erzeugen. A. E. Popham hat nachgewiesen (1971, unter Nr. 606), dass Parmigianino an den Entwürfen für das "Pfingstwunder" zur gleichen Zeit wie an den Studien zur "Anbetung der Hirten" gearbeitet hat, von denen eine Version 1526 von Gian Giacomo Caraglio gestochen wurde (Bartsch 1803-1821, Bd. 15, S. 68 f., Nr. 4). Ihnen gemeinsam ist der hochbewegte Figurenauffassung, die durch ein kraftvolles Helldunkel noch gesteigert wird. Der Zeichenstil mit den spontan fließenden Federlinien und den breiten und wässrigen Lavierungen erinnert zudem an #Perino del Vaga, dem das Blatt von Schönbrunner und Meder  (1902, Bd. 7, Nr. 724) auch zugeschrieben war. Während Perino jedoch die Gestalten stärker voneinander trennt und ihre raffinierten raumausgreifenden Posen eher netzartig verknüpft, hüllt sie Parmigianino in ein Helldunkel, das sich über die Figuren ergießt und ihre Bewegungen gänzlich ineinanderfließen lässt.
Eine Kopie nach der Darstellung der Vorderseite von #Biagio Pupini befindet sich in Chatsworth (Jaffé 1994, Bd. 3, S. 183, Nr. 608 Verso).

Michelangelo und seine Zeit, Meisterwerke der Albertina, Wien/Bilbao 2004/05, Abb. 60, S. 158.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1891, SL 16
  • Birke/Kertész III
  • Gnann 2007, 523
  • Bibliography
  • L. Fröhlich-Bum, Parmigianino und der Manierismus, Wien 1921, p. 86, Fig. 85, 87
  • G. Copertini, Il Parmigianino, 2 Bde., Parma 1932, II, p. 150
  • A.K. Wien 1963, Nr. 13 (mit Lit.)
  • Popham 1967, p. 52, Kommentar zu Nr. 85, p. 91, Kommentar zu Nr. 159
  • Popham 1971, Nr. 606, Taf. 186, 187
  • AK Mantua/Albertina 1999, Nr. 284a (A. Gnann)
  • AK Mantua 2001, Nr. 7 (A. Gnann)
  • AK Parma/Wien 2003, Nr. II.3.49 (A. Gnann)
  • AK Albertina/Venedig/Bilbao 2004/05, Nr. 60 (A. Gnann)
  • Achim Gnann, Parmigianino. Die Zeichnungen, 2 Bde., Petersberg 2007, Kat. 523
  • Alessandra Pattanaro "<> riflessioni e nuove proposte per Girolamo da Carpi disegnatore", in: Studi sul Disegno Padano del Rinascimento, Hg. Vittoria Romani, Verona 2010, S. 85-135, S. 115, fig. 57-58
  • Historical Attributions
  • Dossi, Dosso (traditionell)
  • Dossi, Dosso nicht von (Wickhoff)
  • Perino del Vaga (Schönbrunner/Meder)
  • Zuschreibung von Fröhlich-Bum, Copertini, Popham.
  • Provenance
  • Pierre Crozat
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/25136/studie-fur-das-pfingstwunder-Image Request
    Last edited14.03.2022

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    16. Jahrhundert