Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Madonna mit dem Christuskind und einem Engel, Inv. Nr.…
Madonna mit dem Christuskind und einem Engel
Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Madonna mit dem Christuskind und einem Engel, Inv. Nr.: 2630
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Madonna mit dem Christuskind und einem Engel

Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino

um 1527-1529




Künstler:in (Parma 1503 - 1540 Casalmaggiore)
Dateum 1527-1529
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Hellbraun, hellbraun laviert über schwarzer Kreide, auf rötlich getöntem Papier
Dimensions20,1 x 16,1 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number2630
Inscribedr.u. "16" (alte Federaufschrift)
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Das rasch ausgeführte Blatt zeigt die sitzende Muttergottes im Profil, die mit ihrer Rechten den Arm des Christuskindes ergreift, das ihr im gleichen Moment ein Engel zuführt. Der Engel sollte ursprünglich auf Christus herunterblicken, wie an zwei Pentimenti zu erkennen ist. Da er sich nun direkt der Madonna zuwendet, schließen sich die Bewegungen enger zusammen. Die intime Wirkung der Komposition wird noch durch den roten Blattgrund und den warmen Braunton der Lavierung unterstrichen.
Die Zeichnung, deren alte Zuschreibung an Parmigianino bereits G. Morelli in einer Passepartoutnotitz bekräftigt hat, ist eine Vorstudie für ein unvollendetes Ölbild im Londoner Courtauld Institute, wie A. E. Popham erkannt hat (Di Giampaolo 1991, Nr. 23). Das Gemälde könnte identisch sein mit jener von dem Künstler nicht vollendeten Madonnendarstellung, die Vasari in Bologna gekauft hat (vgl. Vasari, Bd. 5, S. 228 f.). Es wird aber in der Forschung bisweilen auch in die römische Zeit datiert (vgl. Popham 1971, Nr. 616; Béguin 1990, S. 99; AK London 1987, Nr. 2; Di Giampaolo 1991, S. 78, Nr. 23; Gould 1994, S. 96). In dem Bild ist die Madonna gegenüber der Vorzeichnung mädchenhafter, gelöster und zärtlicher, zumal Parmigianino den Engel wegließ und damit der Kontakt zum Christuskind unmittelbarer ist. In der raphaelischen, den gesamten Vordergrund ausfüllenden  Pose ist sie eng verwandt mit der "Heiligen Familie mit dem Johannesknaben" in Neapel (Museo di Capodimonte). Letztere könnte aber etwas früher entstanden sein, da die Biegsamkeit und Überlängung der Gliedmaßen der Madonna noch stärker an den "Heiligen Rochus" in San Petronio (1527/28) anschließt. Das in der Datierung ebenfalls umstrittene Neapler Bild ist wahrscheinlich mit einem der beiden von Vasari (Bd. 5, S. 227) erwähnten Temperabildern identisch, die Parmigianino in Bologna für Luca dei Leuti gemalt hat. (vgl. Copertini 1932, Bd. 1, S. 105 ff.; Freedberg 1950, S. 98, S. 197 ff.; Oberhuber 1986, S. 165; Gould 1994, S. 104 f.).
Gegenüber meiner früher vertretenen Ansicht, wonach das Albertina-Blatt aus der römischen Zeit stammt (AK Mantua/Wien 1999, Nr. 245), halte ich nun eine Entstehung in Bologna für wahrscheinlich. So ist der Unterschied zu den sitzenden Sibyllen in der "Vermählung Mariens" um 1525 (Popham 1971, Nr. 692, Pl. 141), die zwar in ähnlich scharfen und knickenden Umrisslinien gezeichnet, aber blockhaft auf ihren Sitzen verankert sind. Demgegenüber breitet sich die Madonna stärker in die Bildfläche, und ein kräftiger durchgehender Schwung erfasst ihren Körper. Auch die Gliedmaßen verbiegen sich, werden in die Länge gezogen, wodurch die hohe Beweglichkeit an den Gelenkstellen verloren geht. Sie sitzt auch nicht auf dem Podest, sondern gleitet von diesem herunter. Der starke Flächenbezug und die rhythmische Dynamik der Linie bei gleichzeitiger Vernachlässigung der organischen Durchgestaltung des Körpers sind charakteristische Stilmerkmale für die Bologneser Zeit des Künstlers. So nähert sich das Blatt auffallend Parmigianinos Vorzeichnung (Popham 1971, Nr. 79, Pl. 224) in den Uffizien um 1528/29 für die so genannte "Madonna mit der heiligen Margarethe" in Bologna (Pinakothek).

Michelangelo und seine Zeit, Meisterwerke der Albertina, Wien/Bilbao 2004/05, Abb. 74, S. 184.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1891, SL 60
  • Birke/Kertész III
  • Gnann 2007, 705
  • Bibliography
  • AK Wien 1963, Nr. 23
  • Benesch 1964, Nr. 32
  • A. Seilern, Italian Paintings & Drawings at 56 Princes Gate London SW7. Addenda, 2 Bd., London 1969, S. 22, Kommentar zu Nr. 336 (irrtümlich als Inv. 1630), Fig. 25
  • Popham 1971, Nr. 616, Taf. 114
  • C. Whitfield, 'A Parmigianino Discovery', in: Burlington Magazine CCXXIV, 1982, 950, S. 280, Fig. 18 (die Abbildung versehentlich mit Nr. 17 bezeichnet)
  • AK London 1987, S. 4 f. (unter Nr. 2)
  • M. Di Giampaolo, Parmigianino. Catalogo completo dei dipinti, Florenz 1991, Kommentar zu Nr. 23
  • C. Scailliérez, 'Une ébauche de Parmesan (1503-1540) pour le Louvre. Un don de la Société des Amis du Louvre', in: La Revue du Louvre 5/6, 1994, S. 33, Fig. 7
  • AK Mantua/Albertina 1999, Nr. 245 (A. Gnann)
  • Gnann 2000 a, S. 59, Abb. 25
  • AK Parma/Wien 2003, Nr. II.3.73 (A. Gnann)
  • AK Albertina/Venedig/Bilbao 2004/05, Nr. 74 (A. Gnann)
  • A. Gnann, Parmigianino. Die Zeichnungen, 2 Bd., Petersberg 2007, Kat. 705
  • AK The Renaissance of Etching (Catherine Jenkins, Nadine M. Orenstein und Freyda Spira), New York The Metropolitan Museum of art/ Wien Albertina, 2019/20, S. 150, Fig. 59
  • Historical Attributions
  • traditionelle Zuschreibung, Morelli, Oberhuber, Popham
  • Parmigianino, Francesco nahe (Wickhoff)
  • Parmigianino, Francesco Umkreis des (Stix).
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/25918/madonna-mit-dem-christuskind-und-einem-engelImage Request
    Last edited14.04.2025

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