Blick auf Vétheuil
Claude Monet
1881
Monet gilt als eigentlicher Begründer des Impressionismus: Mit seinem Gemälde Impression – Soleil levant provoziert er den Namen dieser Stilrichtung. Die Pleinairmalerei, die spontane Wiedergabe des unmittelbaren Natureindrucks als Phänomen von Licht und Farbe, ist vorrangiges Ziel, das er zeitlebens beharrlich weiterverfolgt. Von 1878 bis 1882 lebt Monet in Vétheuil, einem Dorf an der Seine. Mit leuchtenden Farben und unruhigen Pinselstrichen fängt er in dieser Ansicht die sonnenflirrende Atmosphäre eines heißen Sommertags ein. Interessiert hat ihn dabei vor allem die Veränderung der Farbintensität von der Nähe zur Ferne, die von kräftigen Gelbgrüntönen im Vordergrund bis zu den zarten Pastelltönen des Himmels reicht.
Monet is considered the founder proper of Impressionism: with his painting Impression – Soleil levant, he provoked the movement’s name. Painting en plein air – the spontaneous rendering of a momentary perception of nature as a phenomenon of light and colour – became his primary goal, which he ceaselessly pursued throughout his life. Between 1878 and 1882, Monet lived in Vétheuil, a village on the Seine. In this view, he has captured the atmosphere of a hot summer day and the air glistening in the sunlight with brilliant colours and nervous brushstrokes. He was mainly interested in how the intensity of the colours changed from nearness to distance, using vigorous yellows and greens for the foreground and delicate pastel hues for the sky.
Rahmenaußenmaß 92,5 × 108,5 × 11,5 cm
«Monet ist ganz Auge, das wunderbarste Auge, seit es Maler gibt», rühmte einst kein Geringerer als Cezanne den Kollegen1. Als wohl reinster Vertreter des französischen Impressionismus ging es Monet zumal um den intensiv erlebten Augenblick, die «instantanéité », und so verwundert es nicht, dass er wie Corot und die Maler der Schule von Barbizon seine Staffelei im Freien direkt vor dem Motiv aufzustellen pflegte.
Im Januar 1878 zog Monet von Paris nach Vetheuil, einem kleinen Dorf an der Seine, im Nordwesten der Metropole2. Die vier Jahre seines Aufenthaltes in Vétheuil waren geprägt von finanziellen Nöten und überschattet von Krankheit und Tod seiner Frau Camille. Auf seinem Atelierboot, am Ufer oder in der unmittelbaren Umgebung des Flusses malte er dennoch Jahr für Jahr unzählige lichterfüllte Landschaftsbilder, auf denen die unterschiedlichen Aspekte des idyllischen Flusstales erfasst sind3.
Gegen Ende seines Aufenthalts in Vetheuil entstand auf einem Hang südlich des Dorfes das vorliegende Bild Vue de Vétheuil, von dem der Eindruck einer sommerlich heissen Atmosphäre ausgeht. Über ein reifes Kornfeld und eine grüne Böschung blickt man auf die tiefer gelegene kleine Ortschaft mit ihrem charakteristischen Kirchturm, hinter dem dicht bewaldete Hügel zum zartblauen Sommerhimmel aufsteigen. Interessiert zu haben scheint Monet an diesem Bild vor allem die plötzliche Veränderung der Farbintensität von der Nähe zur Ferne. Gibt er den Vordergrund in einem kräftigen Gelb-Grün und den Mittelgrund in einem lichten, mit Weiss gehelltem Blau wieder, so sind die Hügel im Hintergrund und der Himmel darüber ganz in zarten, ineinander verschwimmenden Pastelltönen gehalten.
1 Paul Cezanne, Über die Kunst: Gespräche mit Gasquet, hg. von Walter Hess, Mittenwald 1980, S. 27.
2 Vgl. David Joel, Monet at Vétheuil and the Norman Coast, 1878-1883, Woodbridge 2002.
3 Vgl. Daniel Wildenstein, Monet: Catalogue raisonné/Werkverzeichnis, Bd. II, Köln 1996, Nrn. 590-610.
zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 32, Nr. 144.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/305501/blick-auf-vetheuilImage Request