Claude Monet, Blick auf Vétheuil, Inv. Nr.: GE86DL
Blick auf Vétheuil
Claude Monet, Blick auf Vétheuil, Inv. Nr.: GE86DL
Credit: ALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner Image: ALBERTINA, Wien Copyright: Gemeinfrei

Blick auf Vétheuil

Claude Monet

1881




Monet gilt als eigentlicher Begründer des Impressionismus: Mit seinem Gemälde Impression – Soleil levant provoziert er den Namen dieser Stilrichtung. Die Pleinairmalerei, die spontane Wiedergabe des unmittelbaren Natureindrucks als Phänomen von Licht und Farbe, ist vorrangiges Ziel, das er zeitlebens beharrlich weiterverfolgt. Von 1878 bis 1882 lebt Monet in Vétheuil, einem Dorf an der Seine. Mit leuchtenden Farben und unruhigen Pinselstrichen fängt er in dieser Ansicht die sonnenflirrende Atmosphäre eines heißen Sommertags ein. Interessiert hat ihn dabei vor allem die Veränderung der Farbintensität von der Nähe zur Ferne, die von kräftigen Gelbgrüntönen im Vordergrund bis zu den zarten Pastelltönen des Himmels reicht.



Monet is considered the founder proper of Impressionism: with his painting Impression – Soleil levant, he provoked the movement’s name. Painting en plein air – the spontaneous rendering of a momentary perception of nature as a phenomenon of light and colour – became his primary goal, which he ceaselessly pursued throughout his life. Between 1878 and 1882, Monet lived in Vétheuil, a village on the Seine. In this view, he has captured the atmosphere of a hot summer day and the air glistening in the sunlight with brilliant colours and nervous brushstrokes. He was mainly interested in how the intensity of the colours changed from nearness to distance, using vigorous yellows and greens for the foreground and delicate pastel hues for the sky.




Künstler:in (Paris 1840 - 1926 Giverny)
Date1881
Object TypeGemälde
Object typePainting
Materials / TechniquesÖl auf Leinwand
Dimensions65 × 80,5 cm
Rahmenaußenmaß 92,5 × 108,5 × 11,5 cm
CreditALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner
Object numberGE86DL
SignedStempel
Markingsverso: l.u. Nachlassstempel
Text

«Monet ist ganz Auge, das wunderbarste Auge, seit es Maler gibt», rühmte einst kein Geringerer als Cezanne den Kollegen1.  Als wohl reinster Vertreter des französischen Impressionismus ging es Monet zumal um den intensiv erlebten Augenblick, die «instantanéité », und so verwundert es nicht, dass er wie Corot und die Maler der Schule von Barbizon seine Staffelei im Freien direkt vor dem Motiv aufzustellen pflegte.
Im Januar 1878 zog Monet von Paris nach Vetheuil, einem kleinen Dorf an der Seine, im Nordwesten der Metropole2.  Die vier Jahre seines Aufenthaltes in Vétheuil waren geprägt von finanziellen Nöten und überschattet von Krankheit und Tod seiner Frau Camille. Auf seinem Atelierboot, am Ufer oder in der unmittelbaren Umgebung des Flusses malte er dennoch Jahr für Jahr unzählige lichterfüllte Landschaftsbilder, auf denen die unterschiedlichen Aspekte des idyllischen Flusstales erfasst sind3.
Gegen Ende seines Aufenthalts in Vetheuil entstand auf einem Hang südlich des Dorfes das vorliegende Bild Vue de Vétheuil, von dem der Eindruck einer sommerlich heissen Atmosphäre ausgeht. Über ein reifes Kornfeld und eine grüne Böschung blickt man auf die tiefer gelegene kleine Ortschaft mit ihrem charakteristischen Kirchturm, hinter dem dicht bewaldete Hügel zum zartblauen Sommerhimmel aufsteigen. Interessiert zu haben scheint Monet an diesem Bild vor allem die plötzliche Veränderung der Farbintensität von der Nähe zur Ferne. Gibt er den Vordergrund in einem kräftigen Gelb-Grün und den Mittelgrund in einem lichten, mit Weiss gehelltem Blau wieder, so sind die Hügel im Hintergrund und der Himmel darüber ganz in zarten, ineinander verschwimmenden Pastelltönen gehalten.

1 Paul Cezanne, Über die Kunst: Gespräche mit Gasquet, hg. von Walter Hess, Mittenwald 1980, S. 27.
2 Vgl. David Joel, Monet at Vétheuil and the Norman Coast, 1878-1883, Woodbridge 2002.
3 Vgl. Daniel Wildenstein, Monet: Catalogue raisonné/Werkverzeichnis, Bd. II, Köln 1996, Nrn. 590-610.


zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 32, Nr. 144.

Catalogue raisonné
  • Wildenstein 696
  • Koella/Billeter 2005, 144
  • Bibliography
  • Daniel Wildenstein, Claude Monet, biographie et catalogue raisonné, Band I, Lausanne/Paris 1974, Nr. 696
  • Das Auge des Sammlers - Monet bis Picasso, Kunstforum Wien, 1998, S. 16, Abb. S. 17, Kat. 78
  • R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 32, Nr. 144, Abb. S. 33
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Monet bis Picasso. Die Sammlung Batliner, Albertina, Wien 2007/2008, S. 30, Kat. 1
  • Ausstellungen (laut Koella/Billeter): Das Auge des Sammlers - Monet bis Picasso, Bank Austria Kunstforum Wien, 1998, S. 16, Abb. S. 17, Kat. 78
  • Monet bis Picasso. Die Sammlung Batliner, Albertina, Wien 2007/2008, S. 30, Kat. 1
  • Albertina: Director's Choice, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, London: Scala Arts & Heritage Publishers Ltd 2017, S.8-9 Abb. (inkl. Text)
  • Online resources
    zum Catalogue raisonné
    zum Werk

    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/305501/blick-auf-vetheuilImage Request
    Last edited27.08.2026