Hiob und seine Freunde
Charles Georges Dufresne
um 1918-1920
Die Zeichnung dürfte - wie auch im Inventar angeführt - die Verspottung Hiobs durch seine Freunde zeigen, obwohl die Komposition mit nacktem sitzenden Mann, einer knienden Gestalt zu seinen Füßen und von einer Menschenmenge halbkreisförmig umringt auch starke Ähnlichkeiten mit Dufresne Darstellung der "Verspottung Christi" (z.B. Paris, Sammlung Jean Dufresne; Abb. in: AK Troyes 1987) aufweist. Diese Analogien sowohl im gesamten Bildaufbau als auch bis zu einzelnen Figuren wie dem Knienden oder dem mit dem Rücken zum Betrachter Stehenden sind in diesem Fall verständlich, da Hiobs Leiden in der christlichen Kunst als typologisches Vorbild für die Passion Christi gilt. Hiob, ein reicher Mann aus Ur, der alle ihm durch den Satan auferlegten Schicksalsschläge wie den Verlust seiner Kinder und Herden sowie körperliche Leiden trotz der Verhöhnung durch seine Frau und seine Freunde demütig und gottesfürchtig erträgt. Darüber hinaus zitiert Dufresne die zentrale Gruppe mit sitzendem Mann und seitlich kniender Figur auch noch in der Darstellung des "Guten Samariters" (Paris, Musée national d'Art moderne, Centre Pompidou), wo er diese fast identisch wiederholt.
Die Zeichnung der Albertina ist in dem betont flächig, ornamentalen Stil und der Ausführung mit dynamischen Federstrichen und satten Farben den anderen Albertina-Arbeiten (Inv. 22971, Inv. 22972, Inv. 22973, Inv. 23306) dieses Künstlers nahe verwandt und dürfte ebenfalls in der Zeit knapp nach dem Ersten Weltkrieg entstanden sein.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 276, Nr. 119.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/33980/hiob-und-seine-freundeImage Request