Meerlandschaft mit Sandstrand bei Ebbe
Edgar Degas
um 1869
Die Darstellung der Landschaft spielt im Œuvre von Edgar Degas im Vergleich zu seinen impressionistischen Weggefährten eine geringe Rolle. Sein Hauptmotiv war die menschliche Figur, während er für die Pleinair-Malerei kaum Interesse zeigte. Umso mehr überrascht die Intensität seines Pastells, das während eines Aufenthaltes in Villers-sur-Mer an der Kanalküste entstand. Mit zart verwischten, weich ineinander übergehenden Farbpartien hat Degas die atmosphärische Stimmung von Strand, Meer und Himmel eingefangen. Eine einzelne, schematisch skizzierte Figur verstärkt das Gefühl von Raum und Weite.
Rahmenaußenmaß 41,8 × 54,7 × 4,3 cm
Die Darstellung der Landschaft spielt im Œuvre von Degas im Vergleich zu seinen impressionistischen Weggefährten eine geringe Rolle. Sie beschränkt sich hauptsächlich auf drei überwiegend in Pastell gearbeitete Serien aus den Jahren 1869, 1890-1892 und 1895-1898. Degas' Augenmerk galt in erster Linie der Darstellung des Menschen. Die Wiedergabe der Landschaft beschränkte sich zumeist nur auf den Hintergrund, da er im Gegensatz zu den Impressionisten für die Pleinairmalerei kaum Interesse zeigte. Umso mehr überrascht die Intensität, mit der er Land und Wasser während seines Aufenthaltes in Villers-sur-Mer im Juli und August 1869 in über vierzig Pastellen festhielt, zu denen auch die "Meerlandschaft" der Albertina gehört. Den primären Anstoß gab vermutlich die landschaftlich reizvolle Kanalküste, von der Degas fasziniert war. Als adäquates Ausdrucksmittel begann er die Pastelltechnik für sich zu entdecken, die darüber hinaus die nächsten Jahrzehnte sein bevorzugtes Medium bleiben sollte. Die weichen Stifte in Verbindung mit rauem, meist getöntem Papier waren ideal geeignet, die atmosphärische Stimmung von Himmel und Wasser in einer bestimmten Wettersituation einzufangen.
In dem Blatt der Albertina hält Degas mit zart verwischten, weich ineinander übergehenden Farbpartien, samtig schimmernden Weißhöhungen und dem dazu kontrastierenden ockerfarbigen Papier die Impression eines Küstenstreifens bei Ebbe mit endlosem Horizont und diffuser Wolkenstimmung fest. Eine einsame Staffagefigur, die Degas in der von Rinnsalen durchzogenen Dünung klein und schematisch skizziert, verstärkt das Gefühl von Raum und Weite. Degas war weniger an Details als an dem momentanen Natureindruck interessiert. Das dürfte der Grund dafür sein, dass in der Literatur divergierende Meinungen herrschen, ob Degas' Landschaftspastelle vor Ort oder als Erinnerungsbilder ohne topografischen Anspruch im Atelier entstanden sind. Die präzise Beobachtung von Landschaft und Wetterlage dürfte jedoch eher für eine Entstehung in situ sprechen: Die meisten Pastelle von 1869 lassen entweder einzelne identifizierbare Motive erkennen oder spiegeln das typische Erscheinungsbild der Küstenlandschaft zwischen Villers-sur-Mer und Dives-sur-Mer in Dünen, Felsformationen und Gezeitenmündungen wider, die mit den realen Naturausschnitten übereinstimmen. Degas dürfte diese Landschaftsansichten als bildhaft abgeschlossene Kunstwerke empfunden haben, da er acht Blätter signiert und datiert sowie eines nur signiert hat.
Christine Ekelhart, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 183.
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