Kröpfelsteig, Hinterbrühl
Marie-Louise von Motesiczky
1927
Der Zerfall der Donaumonarchie nach dem Ersten Weltkrieg und die Machtergreifung der Nationalsozialisten im März 1938 bedeuteten das Ende der Welt, in die Marie-Louise von Motesiczky hineingeboren war: Sie stammte aus einer wohlhabenden jüdisch-stämmigen Familie und wuchs im kulturell florierenden Wien der eleganten Salons und Kunstmäzene auf. Als Jugendliche lernte sie Max Beckmann persönlich kennen und begann danach autodidaktisch zu malen; 1927/28 besuchte sie Beckmanns Meisterklasse an der Frankfurter Städelschule.
„Kröpfelsteig, Hinterbrühl“ zeigt ein unscheinbares Stück Straße vor dem Sommersitz der Motesiczkys in der Hinterbrühl. Kein Leben regt sich auf dieser Dorfstraße, Bäume und Telegrafenmasten sind naiv stilisiert. In ihrer feierlichen Statuarik und Kulissenhaftigkeit erinnert die Landschaft an die Bildwelt Henri Rousseaus, der für zahlreiche österreichische Maler der Zwischenkriegszeit ein wichtiger Leitstern war.
Marie-Louise von Motesiczkys Frühwerk vereint Stilelemente von österreichischer und deutscher Zwischenkriegsmalerei, von Neuer Sachlichkeit und Max Beckmann. Inmitten dieser scheinbaren Gegensätze erscheint ihre Kunst wie das missing link.
Rahmenaußenmaß: 70 × 65,9 × 4,7 cm
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/408778/kropfelsteig-hinterbruhlImage Request