Kaiser Maximilian I.
Albrecht Dürer
um oder nach 1519
Das von Augsburger Künstlern nach Dürers Tod in Umlauf gebrachte Bildnis Kaiser Maximilians I. erfreute sich großer Beliebtheit und erlebte innerhalb kürzester Zeit mehrere Auflagen. Der Holzschnitt beruht auf einer Porträtzeichnung, die bei der einzigen gesicherten Begegnung Dürers mit dem Kaiser während des Reichstags in Augsburg 1518 gefertigt wurde. Auf der Zeichnung sind noch deutlich die Pausspuren zu sehen, die bei der Übertragung der Gesichtszüge auf den Holzstock entstanden sind. Der monumentale Holzschnitt wurde schließlich in vier Versionen herausgebracht. Alle vier sind von unterschiedlichen Stöcken gedruckt, die Abweichungen zwischen ihnen sind aber minimal. Einzig der hier gezeigte, traditionell Hans Weiditz zugeschriebene Holzschnitt unterscheidet sich von den anderen durch den überbordend dekorierten Architekturrahmen, dessentwegen die sonst über dem Porträt in einem Schriftband gezeigte Eloge auf den göttlichen Kaiser nun seitlich des Gesichts positioniert ist.
The portrait of Emperor Maximilian I that was brought into circulation by Augsburg artists proved to be extremely popular; several editions became necessary within a short period of time. It is based on a portrait drawing made at the artist’s sole documented encounter with the emperor on the occasion of the 1518 Diet of Augsburg. Signs of tracing resulting from the transfer of the facial features to the wood printing block are clearly visible on the drawing. The monumental woodcut was ultimately issued in four versions. While all four were printed from different blocks, the differences between them are only minimal. Solely the woodcut traditionally attributed to Hans Weiditz on show here differs from the others, namely in the elaborately ornamented architectural framework that made it necessary to position the eulogy to the divine emperor to the left and right of his face instead of in the otherwise used scroll at the top of the sheet.
Vom Juli bis zum Oktober 1518 hatte Kaiser Maximilian I. den Reichstag des Heiligen Römischen Reichs zum fünften und letzten Mal in seiner Regierungszeit nach Augsburg einberufen. Schon im Vorfeld und auch noch während des Reichstags hielt sich Albrecht Dürer als Mitglied der Nürnberger Delegation in Augsburg auf. Dort widmete er sich vor allem der Bildniszeichnung und -malerei, und kaum einer der in Augsburg versammelten Großen des Reichs, der nicht versuchte, von dem berühmtesten Maler der Zeit porträtiert zu werden (vgl. ALBERTINA, Inv. 3149 und Inv. 4853).
Eine ganz herausragende Gelegenheit muss es gewesen sein, am 28. Juni den Kaiser selbst in der bischöflichen Pfalz zu einer Porträtsitzung zu treffen. Das Ergebnis ist ein in Kreide oder Kohle gezeichnetes Bildnis des Herrschers (Inv. 4852).
Die Studie des 59-jährigen Kaisers diente Dürer als Ausgangspunkt für zwei Werke: ein wohl noch in Augsburg ausgeführtes Leinwandgemälde und die zu Beginn 1519 entstandene Fassung auf Holz (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Inv. Nr. Gm169 https://objektkatalog.gnm.de/wisski/navigate/18347/view§, und Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv. Nr. GG825 https://www.khm.at/de/object/5d44ee6f2c/§.). Augsburger Künstler schufen auf Grundlage der Zeichnung das in drei Varianten (Variante 2: Inv. DG1934/484, Variante 3: Inv. DG1934/485 und Inv. DG1934/486 sowie Inv. DG1949/409; vgl. zu Variante 1: Inv. HO2006/668) und einer späteren Kopie (Inv. DG1934/483) auf uns gekommene Holzschnittporträt. Zu diesem Zweck wurden die Umrisse des Kopfes und Details des Gesichts noch vor Ort von der Zeichnung auf den Holzstock gepaust.
Mit dem Augsburger Maximilians-Porträt schuf Dürer nach der unmittelbaren Begegnung mit dem Kaiser einen auf Wahrheit und Repräsentation zielenden neuen Porträttypus: ein „Staatsporträt“, das Bildnistreue, die Seelenverfassung des Monarchen und die übergeordneten Prinzipien idealer Herrschertugend gleichermaßen repräsentiert.
