Villa Sacchetti
Hubert Robert
1760
Ansichten von Rom und anderen antiken Städten erfreuten sich immer größerer Beliebtheit, gehörte doch die »Grand Tour«, eine Besichtigungsreise durch Italien, zum festen Bestandteil adeliger Bildung. Bei Hubert Robert, der sich von 1754 bis 1765 in der Ewigen Stadt aufhielt, bildete die reale Architektur nur das Ausgangsmaterial, das künstlerisch neu gestaltet und durch Vegetation und Staffagefiguren dekorativ verfremdet wurde. Vorbildhaft waren hierfür die Architekturcapricci von Giovanni Battista Piranesi und Giovanni Paolo Pannini. Es sind großformatige Bilder auf Papier, deren künstlerische Qualität der Malerei ebenbürtig ist.
Die Villa Sacchetti wurde nach Plänen von Pietro da Cortona um 1625 erbaut, war aber schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts größtenteils verwahrlost. Robert hatte idealerweise, ähnlich der Villa Madama, eine ruinöse, bereits von Pflanzen überzogene Architektur vor Augen, die er trotz allem neu interpretierte: Einen Eindruck vom ursprünglichen Aussehen des Bauwerks vermittelt die 1699 entstandene Radierung von Alessandro Specchi, deren Beschriftung bereits auf den verfallenen Zustand verweist (»Veduta del Palazzo detto il Pigneto dell’illmo. Sigre. Marchese Sacchetti/Fuori di Porta Angelico hoggi in parte diruto …«). Der Vergleich zeigt, dass Robert den Mittelbau auf ein Geschoß reduziert und vor allem die plastische Gliederung zugunsten einer flächigen, blockhaften Betonung der Wände minimiert hat. Roberts Fassade zeigt Anklänge an den Trevi-Brunnen, den er mehrfach gezeichnet hat (siehe Paris, Washington 2016, Kat. 7). Im Gegensatz zu der Ansicht der Villa Madama (Inv. 12431), die die Kritiker begeistert aufnahmen, fand die Ansicht der Villa Sacchetti jedoch wenig Anklang und daher wohl auch keine Übertragung in das Medium der Malerei.
Klaus Albrecht Schröder und Heinz Widauer (Hg.), Von Poussin bis David, Wien, Albertina, 2017, S. 120, Nr. 46.
