Andrea Andreani, Die Grablegung Christi, Inv. Nr.: DG2002/370
Die Grablegung Christi
Andrea Andreani, Die Grablegung Christi, Inv. Nr.: DG2002/370
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die Grablegung Christi

Andrea Andreani

1585




Künstler:in (Mantua (zwischen 1541-1559) - (zwischen 1623-1629) Mantua)
Nach (Italien, (um) 1550 - 1578)
Date1585
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesClair-obscur-Holzschnitt von vier Platten
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2002/370
Signedl.u. "Raff. da Reggio Inuent. Andrea Andreani / Mant. Intagliatore: / All´Illmo.et Eccmo. sign. Don Giovanni / Medici / 1585"
Im Kontext der Sammlung
Dieses Blatt befindet sich auf Seite It/I/1/70 des Klebebandes Italien nach Sektionen I/1. Der Band ist Teil der historischen Druckgrafiksammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Marie Christine. Die Druckgrafiken dieser Sammlung werden in ledergebundenen Folianten verwahrt, die traditionell als „Klebebände“ bezeichnet werden. Die Sammlung als solche ist nach europäischen Kunstlandschaften gegliedert und umfasst die Bereiche Deutsch, Frankreich, Holland und die Niederlande, Italien sowie England. Der Klebeband, in welchem sich die vorliegende Seite befindet, umfasst Arbeiten aus dem Raum Italien. Er gehört in der Sammlungsstruktur zur Sektion 1, welche vornehmlich Grafiken beinhaltet, bei welchen Erfindung und druckgrafische Ausführung meist in der Hand derselben Künstlerin bzw. desselben Künstlers liegt. Es ist der 1. Klebeband dieser Sektion. Über den Bereich „Verbundene Objekte“ können Sie den gesamten Klebeband einsehen.
Die historischen Klebebände der Albertina konnten in einem umfassenden Forschungs- und Digitalisierungsprojekt erschlossen und digital zugänglich gemacht werden. Insgesamt umfasst die Sammlung der Albertina 1436 historische Folianten, davon beinhalten 749 die Druckgrafiken des herzoglichen Sammlerpaares. Mehr zum Projekt
Text

Andrea Andreani führte zwei Clair-obscurs nach Entwürfen des Malers Raffaellino da Reggio aus, der um 1550 in Codemodo bei Reggio Emilia geboren wurde. Er war ein Schüler von Lelio Orsi und später von Federico Zuccari in Rom, wo er von 1572 bis zu seinem Tod im Mai 1578 lebte. Raffaellino arbeitete mit Federico 1572 bei der Freskendekoration von S. Caterina dei Funari zusammen, assistierte 1573 Lorenzo Sabatini bei Malereien im Vatikan und 1574 Giovanni de’ Vecchi bei der Dekoration der Sala del Mappomondo in der Villa Farnese in Caprarola. Zu seinen herausragenden eigenständigen Werken zählen die Fresken im Oratorio del Gonfalone und in der Kapelle des hl. Sylvester in SS. Quattro Coronati. Raffaellino zählte damals zu den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit. Wie Andreani in Florenz an die Vorlagen des bereits sieben Jahre zuvor verstorbenen Malers gelangte, bleibt noch zu klären. Die Grablegung Christi ist 1585 datiert und ebenso wie ein Blatt des Sabinerinnenraubes nach Giambologna (Albertina, Inv. DG2002/572) Giovanni de’ Medici gewidmet. Die Grablegung besticht durch die Klarheit und Einfachheit in der kompositionellen Anlage, die erhabene Größe und den verinnerlichten Pathos der Figuren. Den Leichnam Christi stützt Joseph von Arimathäa, neben dem sich Johannes der Evangelist hinter seinen Mantel zurückzieht. Die Bewegungen der drei Frauen am rechten Rand bringt Raffaellino in eine sukzessive Abfolge, die von der bestürzt die Hände ausstreckenden Gestalt zu der heiligen Frau weiterführt, welche die ohnmächtige Muttergottes hält. Deren schmerzerfülltes Antlitz ist direkt dem Betrachter zugewandt. In der großflächigen Verteilung der Farben, der Präzision und Schärfe der Lichthöhungen, die in unregelmäßigen Feldern oder in dünnen vibrierenden Bahnen auf den Stoffen aufblitzen und mit den feinen schwarzen Umrisslinien schließt das Blatt unmittelbar an die Handwaschung des Pilatus an (Albertina, Inv. DG2002/566). Von den verschiedenen erhaltenen Vorzeichnungen Raffaellinos für dieses nicht erhaltene Gemälde kommen die Zeichnungen in den Uffizien (Florenz 1966, Nr. 80), in Chatsworth (Jaffé 1994, Nr. 336 Recto) und im Martin von Wagner Museum in Würzburg (Inv. 7870) der gleichseitigen Darstellung auf dem Clair-obscur am nächsten. Sie sind aber wesentlich kleiner im Format und dürften somit nicht als unmittelbare Vorlage gedient haben. Ein früheres Entwurfsstadium überliefert eine lavierte Federzeichnung im Louvre (Wien 2013, Abb. 102), auf der die Gestalt des Johannes noch fehlt. Das für den oberitalienischen Künstler charakteristische pulsierende Helldunkel, das dieses Blatt kennzeichnet, setzt Andreani in seinem Clair-obscur durch eine kontrastreiche Gegenüberstellung der breitflächig druckenden dunklen Töne und der Lichthöhungen um. Die Schatten breiten sich dabei von den Körpern auf das umgebende Terrain aus, wodurch die Figuren vollkommen in den Umraum eingebettet sind. Die offene, malerische Auffassung lässt den Holzschnitt zu einem geeigneten Ersatz für ein Gemälde werden. Andreani setzt dabei die Tradition der Clair-obscur-Holzschnitte aus der späten römischen Zeit von Ugo da Carpi und von Niccolò Vicentino fort, in denen die körperhafte Substanz der Figuren aber nie verloren geht, wohingegen die Geschöpfe Andreanis durch Farbe und Licht gänzlich in die Atmosphäre des Raums einbezogen sind. Die Darstellung wurde seitenverkehrt in einer Radierung von Giovanni Orlandi und in einem 1590 datierten Kupferstich des römischen Stechers und Verlegers Camillo Graffico reproduziert (Albertina, Wien, Ital. II/30, S. 67–68). Beide Drucke unterscheiden sich von dem Clair-obscur und sind daher wohl unabhängig von diesem entstanden.

 

Ein weiteres Exemplar befindet sich in der Albertina, HB31(1)

 

Literatur: Kolloff 1872, S. 718f., Nr. 16; Pittaluga 1930, S. 253; Servolini 1932, S. 104f.; Paris und Rotterdam 1965–1966, Nr. 49–50; Wien 1966, Nr. 218; Florenz 1966, S. 52, unter Nr. 80; Franklin 1977, S. 30; Goldfarb 1981, S. 325; Karpinski 1983, S. 51; Jaffé 1994, S. 203, unter Nr. 336; Van Gastel 2007, S. 29

Catalogue raisonné
  • Bartsch XII.44.24
  • AK Albertina 1966, Nr. 218
  • Bibliography
  • vgl. Achim Gnann, AK, In Farbe! Clair-obscur-Holzschnitte der Renaissance. Meisterwerke aus der Sammlung Georg Baselitz und der Albertina in Wien, München 2013, S. 402-406
  • Provenance
  • Paulus II. Praun (1548-1616)
  • dessen Nachkommen
  • verkauft über Frauenholz, Nürnberg (Kat. von 1802
  • L. Rép. 6354)
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/135863/die-grablegung-christiImage Request
    Last edited15.01.2015