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Die Kreuzabnahme
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Die Kreuzabnahme

Giovanni Gallo

1570er Jahre




Künstler:in (Italien, 1525 - 1589)
Nach (Siena, um 1525 - 1587/88 Neapel)
Date1570er Jahre
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesClair-obscur-Holzschnitt von vier Platten
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2002/585
Im Kontext der Sammlung
Die historischen Klebebände der Albertina konnten in einem umfassenden Forschungs- und Digitalisierungsprojekt erschlossen und digital zugänglich gemacht werden. Insgesamt umfasst die Sammlung der Albertina 1436 historische Folianten, davon beinhalten 749 die Druckgrafiken des herzoglichen Sammlerpaares. Mehr zum Projekt
Dieses Blatt befindet sich auf Seite It/I/3/7 des Klebebandes Italien nach Sektionen I/3. Der Band ist Teil der historischen Druckgrafiksammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Marie Christine. Die Druckgrafiken dieser Sammlung werden in ledergebundenen Folianten verwahrt, die traditionell als „Klebebände“ bezeichnet werden. Die Sammlung als solche ist nach europäischen Kunstlandschaften gegliedert und umfasst die Bereiche Deutsch, Frankreich, Holland und die Niederlande, Italien sowie England. Der Klebeband, in welchem sich die vorliegende Seite befindet, umfasst Arbeiten aus dem Raum Italien. Er gehört in der Sammlungsstruktur zur Sektion 1, welche vornehmlich Grafiken beinhaltet, bei welchen Erfindung und druckgrafische Ausführung meist in der Hand derselben Künstlerin bzw. desselben Künstlers liegt. Es ist der 3. Klebeband dieser Sektion. Über den Bereich „Verbundene Objekte“ können Sie den gesamten Klebeband einsehen.
Text

Die genauen Lebensumstände des Formschneiders Giovanni Gallo sind bislang weitestgehend unbekannt. In der früheren Literatur wurde er aufgrund seines Namens als Franzose angesehen, der aber immer in Italien gelebt habe, wohingegen andere Autoren eine Herkunft aus der Lombardei annahmen (vgl. Pittaluga 1930, S. 329,Anm. 42; Servolini 1932, S. 92). Gut möglich ist die von A. Zezza (2003, S. 255, Anm. 48) kürzlich geäußerte Ansicht, Gallo sei mit einem gewissen »Joannes Gallo pittore da Anversa« identisch, der 1595 in einem Dokument als Zeuge bei einer Hochzeit in Neapel dokumentiert ist. Von Gallo ist eine Anzahl von Clair-obscur-Holzschnitten nach Erfindungen von Marco Pino bekannt. Marco ist einer der herausragenden Künstler der jüngeren Generation der Manieristen, der mit den bedeutendsten in Siena, Rom und Neapel tätigen Malern in Kontakt getreten ist. 1521 in Siena geboren, war er seit 1536 in der Werkstatt von Beccafumi tätig, dessen Einfluss Zeit seines Lebens wirksam blieb. Bei seinem Aufenthalt in Rom von 1544 bis 1552 arbeitete er mit Perino del Vaga und später mit Daniele da Volterra zusammen und lernte wahrscheinlich auch Michelangelo persönlich kennen (Zezza 2003, S. 76ff.). Ab 1552 entfaltete er eine rege Tätigkeit in Neapel, wo ihn unter anderen die Werke von Polidoro da Caravaggio beeinflussten. Nach einem erneuten Aufenthalt in Rom (1568–1570) kehrte Marco nach Neapel zurück, wo er 1583 starb.
Er nimmt in seinen Gemälden die vielfältigen Einflüsse der Künstlerkollegen auf, entwickelt diese aber weiter, transformiert sie in einen individuellen Stil, den ein Reichtum heller, brillanter Farben, ein lebendiges Helldunkel und ein Hang zu narrativer Vielfalt kennzeichnet, die seine Sieneser Herkunft verraten. Der heutigen Ansicht zufolge sind Gallos Clair-obscurs zu der Zeit von Marcos später Schaffensphase in Neapel entstanden (Zezza 2003, S. 255, Anm. 48). In dieser Zeit scheint sich Marco mit der Wiedergabe seiner Erfindungen in Farbholzschnitten befasst zu haben. So war Mitte der 1570er Jahre der Kalabreser Maler und Druckgraphiker Antonio Spano in seiner Werkstatt tätig, der in einem Dokument angibt, auf eine neuartige, gewinnbringende Drucktechnik gestoßen zu sein und ein Blatt nach einer Zeichnung des Perseus von Marco angefertigt zu haben. A. Zezza (2003, Kat. D.1) zufolge handelt es sich möglicherweise um einen Clair-osbcur-Holzschnitt (Albertina Inv. DG2002/589), der bislang als Kopie nach Gallos Perseus mit dem Haupt der Medusa angesehen wurde, was m. E. aus weiter unten darzulegenden Gründen unwahrscheinlich ist. Zwischen dem Kalabresen und Marco kam es allerdings zu Unstimmigkeiten über die Höhe des Anteils, der Ersterem für die Drucke zukommen sollte (Zezza 2003, S. 196ff.). Eine Entstehung der Holzschnitte Gallos in Neapel in den 1570er Jahren ist auch deswegen wahrscheinlich, weil sie nahezu alle Erfindungen Marcos aus dieser Zeit wiedergeben. In diesen Jahren hat der Maler nur noch wenige Fresken und vor allem großformatige Tafelbilder geschaffen. Ferner existiert im British Museum (Inv. Nr. 1870,1008.1984) ein reiner Linienholzschnitt mit der Darstellung der mystischen Vermählung der hl. Katharina von Alexandrien, die von Gallo signiert und 1578 datiert ist. Es ist das einzige mit einem Datum versehene Blatt, das einen wichtigen Anhaltspunkt für die Entstehungszeit seiner Drucke liefert.
Einer seiner eindrucksvollsten Clair-obcurs ist die Beweinung Christi, von der die Albertina ein seltenes Exemplar mit der Aufschrift am unteren Rand besitzt, der zumeist abgetrennt wurde. Marco Pino hat sich in seiner spätesten Schaffensphase häufiger mit dem Pietà- Thema befasst, bei dem der leblose Körper Christi von Maria, den heiligen Frauen oder anderen Figuren gestützt wird. Am nächsten kommt der Darstellung Marcos 1577 datierte Pietà in der Chiesa dell’Incoronata del Buonconsiglio in Neapel (Zezza 2003, Kat. A. 32), in der Christus ebenfalls von Maria hinter ihm gestützt wird. Die rechts vom Heiland kniende, seinen Arm liebkosende Frau ist ebenso wie im Holzschnitt Maria Magdalena. Stilistische Bezüge bestehen ferner zu der Pietà-Szene auf einer traditionell Marco zugeschriebenen Zeichnung in der Princeton University (The Art Museum; Zezza 2003, Kat. C. 35). Gallos Holzschnitt der Beweinung Christi weist unverkennbar die Anregung von Werken Michelangelos auf, mit dem ihn eine Freundschaft verbunden haben soll. Zu erwähnen ist die Zeichnung der Pietà (Boston, Isabell Stewart Gardner Museum; Tolnay 1975–1980, Bd. 3, 1978, Nr. 426), die Michelangelo 1546 Vittoria Colonna geschenkt hat, in der die Figurengruppe in ähnlicher Frontalansicht vor dem Kreuz erscheint. Ferner wurde auf Michelangelos Pietà im Florentiner Dom mit der vergleichbaren Haltung der Christusgestalt hingewiesen. Der in vier Platten gedruckte Clair-obscur setzt in seiner extrem malerischen Manier die von Ugo da Carpi und Niccolò Vicentino begründete und von Antonio Campi weiterentwickelte Tradition fort. Die breit aufgetragenen, fließenden Farbflächen, die wie Pinsellavierungen anmuten, verleugnen gänzlich die Eigenschaften des spröden Materials. Die für die Schattenzonen eingesetzten Farben der dunklen Tonplatten haben eine wässrige, zerlaufende Konsistenz, und auch die Lichthöhungen sitzen als Flecken auf, die sich schlierenartig verteilen. An manchen Partien bilden Glanzlichter aber auch feine Kreuzschraffuren aus, die sich wie Stücke einer Gaze über die Gliedmaßen legen. Zu den vom Licht bestrahlten Partien bildet die Farbfläche gestrichelte, wie mit dünner Feder aufgesetzte Ränder, welche den Gliedmaßen Rundung verleihen. Die Technik ahmt modelloartige Zeichnungen Marcos wie die Heilige Familie mit der hl. Katharina im Louvre (Zezza 2003, Kat. C 30) nach, die mit flüssiger Lavierung und dünnen, mit Weiß oder brauner Tinte aufgesetzten Schraffuren ausgeführt sind. Ein ähnlich malerisch gestaltetes Blatt ist wohl als Vorlage für die Beweinung Christi anzunehmen.  

Literatur: Nagler 1835–1852, Bd. 5, 1837, S. 2f.; Servolini 1932, S. 92; Wien 1966, Nr. 213; F. Bellini, in: Siena 1980, S. 222; Karpinski 1983, S. 50; Zezza 2003, Kat. D.12

Catalogue raisonné
  • Bartsch XII.43.23
  • vgl. AK Albertina 1966, Nr. 213
  • Bibliography
  • vgl. Achim Gnann, AK, In Farbe! Clair-obscur-Holzschnitte der Renaissance. Meisterwerke aus der Sammlung Georg Baselitz und der Albertina in Wien, München 2013, S. 376-385
  • Provenance
  • Mariette
  • Albertina

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/137766/die-kreuzabnahmeImage Request
    Last edited20.01.2015

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