Allegorie der Nemesis, als Relief in einer Landschaft dargestellt, rechts eine hinzufliegende Taube
Christoph Nathe
um 1799
Wiedergabe der Darstellung in einer seitengleichen Radierung von #Chr. G. Geyser als Titelkupfer zu Bd. 3 von Johann Jacob Mnioch's sämtliche(n) auserlesene(n) Schriften, Görlitz 1799; Darst. 105 x 65 mm, bez. li. u.: "Nathe del.", re. u.: "Geyser sc." (Albertina-Exemplar: AAD, Bd. 88, Bl. 103; vgl. Rümann 1932, Nr. 88; Buchexemplar der Österreichischen Nationalbibliothek Sign. 159.422-A.3). - Die Darstellung wird auf S. 418f. ausführlich beschrieben: "Erklärung des Bildes, das ihm [= dem Buch] voransteht. Dies Bild ist eine Nemesis. - Die herrschende ewig gekrönte Göttin der Gerechtigkeit des Schicksals ! - zugleich die Göttin des Jahres, in dem ich schreibe !! - Sie wägt Sporn und Zügel gegeneinander ! Gewalt und Unrecht, die zu Gegenwehr, zu Kampf und Rache spornten ! - Vernunft, Menschenliebe und selbst das Glück des Gegenkampfs, die ein edles Gemüth in Streit und Triumph mäßigen und die Rache zügeln sollten ! - Aber die Schale mit dem Sporn ist im sinken, und zu leicht ist der Zügel ! - Eine Taube bringt einen Oehlzweig, und will ihn hinlegen in die steigende Schale, ob sie zum Gleichgewicht sinken möchte ! - Sinkst aber du tiefer, du Schale des Sporns, - siehe, so ist die Kette in der linken Hand der Göttin bereit, den Ausschlag zu geben ! Den Zügel der Freiheit wird sie hinwegnehmen, und an seine Stelle die alte Kette auflegen. - Wehe den Völkern, deren Zügel und Sporn also erfunden werden auf der Wage der Nemesis ! Der Name des Gewichts heißt Uebermuth ! - Wehe Euch, wenn der Oehlzweig neben der Schale zu Boden sinkt ! Dann wird der rückgehende Ausschlag der Wage heißen: Sklaverei ! - O Säkulum, ehe du endest, verschwinde die Bedeutung dieses Bildes ! - Nemesis werde den Völkern hold ! Sie richte nicht mehr, sie h a b e gerichtet. Die Zunge der Wage stehe aufrecht ! Der Muth und die Kraft der Freiheit sey im Gleichgewicht mit Vernunft und Menschenliebe. Am Portal stehe das Bild einer Nemesis-Cypris [Anm.: Siehe Herders zerstreute Blätter, zweite Sammlung], und auf einem Altar neben ihr spreche die Inschrift: Hier opfre wer sich ausgesöhnt fühlt mit der Gerechtigkeit des Schicksals."
zitiert aus: Konrad Oberhuber (Hg.), Maren Gröning, Marie Luise Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Graphischen Sammlung Albertina, Bd. IX, Wien u.a. 1997, S. 175, Nr. 594.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/18205/allegorie-der-nemesis-als-relief-in-einer-landschaft-dargesImage Request