Amor und Psyche
Friedrich Rehberg
um 1800-1810
Bei Apuleius, Das Märchen von Amor und Psyche (Metamorphosen IV, 35, 4), ist es - mit einer Ausnahme, nämlich Merkur - immer Zephyr, der die Sterblichen durch den Äther transportiert, und der auch Psyche entrückt, nachdem sie als Opfer auf einem hohen Felsen ausgesetzt worden war. Auf dem vorliegenden Blatt handelt es sich jedoch eindeutig um Amor, da er durch den Bogen identifiziert werden kann. Die ikonographische Quelle zu dieser Darstellung ist daher fraglich. Ein Bild, welches auch Amor und Psyche in der Luft schwebend wiedergibt, betitelt "L'Amour entraine Psyché au lit nuptial", ist noch von #Jean-Pierre Saint-Ours bekannt (entstanden um 1784-85; Abb. bei Baud-Bovy 1903, S. 84, Nr. 70). - Andresen, Bd. 2, 1867, S. 64, erwähnt zur Illustration von Rehbergs großen Erfolgen in den 1790er Jahren ein Bild "Amor und Psyche", das nach England gegangen sein soll, und von dem Fürst Taxis auch eine Wiederholung gekauft haben soll. Eine Arbeit mit dem Titel "Amor und Psyche" verzeichnet ferner der Katalog der Berliner Akademie-Ausstellung von 1806 unter dem Namen Rehbergs (Börsch-Supan 1971, 1806, Nr. 6). Die stilistische Nähe der vorliegenden Zeichnung zu dem um 1800 entstandenen Blatt mit Bacchus, Amor und Bathyll (Inv. 14875) macht es wahrscheinlich, dass sie in die Gruppe der besonders fein und glatt ausgeführten bildmäßigen Arbeiten der Zeit um 1800-1810 eingeordnet werden kann.
zitiert aus: Konrad Oberhuber (Hg.), Maren Gröning, Marie Luise Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Graphischen Sammlung Albertina, Bd. IX, Wien u.a. 1997, S. 193, Nr. 652.
