Friedrich Wilhelm Schadow, Selbstbildnis, Inv. Nr.: 24968
Selbstbildnis
Friedrich Wilhelm Schadow, Selbstbildnis, Inv. Nr.: 24968
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Selbstbildnis

Friedrich Wilhelm Schadow

1805




Von den verschiedenen Identifikationsmöglichkeiten des Dargestellten scheint die Bezeichnung als Selbstbildnis (nach Börsch-Supan in AK Düsseldorf 1979, a.a.O; vgl. Lexikon Düsseldorfer Malerschule, 3, S. 184) am überzeugendsten, etwa im Vergleich mit den bei Geller 1952, Abb. 452ff., abgebildeten Porträts Wilhelm Schadows in jüngeren Jahren. Er zeigt zwar wie der Bruder eine gekrümmte, aber in einer Linie gezeichnete Nase. Noch ausgeprägter erscheint außerdem die volle Oberlippe. 1805 wäre der Dargestellte dann 16 Jahre alt gewesen. Bei der Übernahme des Blattes von der Österreichischen Galerie galt das Blatt als Porträt von Clemens Brentano, was wohl auszuschließen ist.


Künstler:in (Berlin 1788 - 1862 Düsseldorf)
Date1805
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesKohle, gewischt, mit weißer Kreide gehöht, auf braunem Papier
Dimensions37,9 x 31,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number24968
Signedr.u. mit Kohle "W. Sch 1805."
Text

Schadow studierte seit 1808 an der Berliner Kunstakademie. Mit einem von #Alexander von Humboldt vermittelten Rom-Stipendium reiste er 1811 nach Italien und schloss sich hier den Freunden um #Friedrich Overbeck an. Diese wegen ihres archaisierenden Stils anfangs verlachten "Nazarener" zeigten sich bald für monumentale Aufträge qualifiziert. Das war zunächst die Freskenausmalung der Casa Bartholdy in Rom, an der sich Schadow 1816/17 mit Erfolg beteiligte. 1819 erhielt er die Berufung zum Professor an der Berliner Kunstakademie. 1826 wurde er Direktor der Akademie in Düsseldorf, die sich unter seiner Leitung als "Düsseldorfer Schule" zu einer nachhaltigen Instanz des deutschen und internationalen Kunstlebens entwickelte.
Im vorliegenden Porträt wurde zeitweilig Wilhelm Schadows zwei Jahre älterer Bruder Rudolf vermutet, doch weisen die Eigenheiten der Physiognomie, Wilhelms ebenfalls sehr lange und gekrümmte, im Vergleich mit Rudolf aber ansonsten regelmäßig gewachsene Nase und seine auffällig volle Oberlippe auf ein Selbstbildnis: ein erstaunlich reifes Werk für einen Sechzehn- oder Siebzehnjährigen, der sein Studium an der Berliner Kunstakademie erst noch beginnen sollte.
Er hat die vorangehenden Lektionen seines Vaters, des bedeutenden Berliner Bildhauers #Gottfried Schadow, offenbar willig entgegengenommen und wesentliche Züge von dessen Porträtstil adaptiert. Dazu gehört die Konzentration auf das Erscheinungsbild einer Person, die man ohne Kulisse oder besondere Attribute wirken lässt. Formale Klarheit und Detailbeobachtung sowie psychologisches Gespür widersprechen sich nicht, sondern ergänzen sich zur lebendigen Idee freigestellter Subjektivität. Wenn Wilhelm Schadow hier einen eher sentimentvollen, fast melancholischen Ausdruck wählt, so mag dies auf seine Zukunft als einer der führenden Vertreter der romantischen Nazarenerbewegung deuten, in deren Kreis er 1813 eintrat.

Maren Gröning, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 158.


Bibliography
  • AK Düsseldorf 1979, S. 57, Abb. 28
  • Paffrath, Sitt u. a. 1997, Bd. 3, S. 184
  • Schröder 2008, Nr. 158 (M. Gröning)
  • Cornelia Reiter, Klaus Albrecht Schröder (Hg.), AK Welten der Romantik, Ostfildern 2015, S. 115, Nr. 38.
  • Albertina, C.D. Friedrich bis Cézanne, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.3
  • Provenance
  • Übernahme von der Österreichischen Galerie, 1923

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/19520/selbstbildnisImage Request
    Last edited02.10.2019