Selbstbildnis
Friedrich Wilhelm Schadow
1805
Schadow studierte seit 1808 an der Berliner Kunstakademie. Mit einem von #Alexander von Humboldt vermittelten Rom-Stipendium reiste er 1811 nach Italien und schloss sich hier den Freunden um #Friedrich Overbeck an. Diese wegen ihres archaisierenden Stils anfangs verlachten "Nazarener" zeigten sich bald für monumentale Aufträge qualifiziert. Das war zunächst die Freskenausmalung der Casa Bartholdy in Rom, an der sich Schadow 1816/17 mit Erfolg beteiligte. 1819 erhielt er die Berufung zum Professor an der Berliner Kunstakademie. 1826 wurde er Direktor der Akademie in Düsseldorf, die sich unter seiner Leitung als "Düsseldorfer Schule" zu einer nachhaltigen Instanz des deutschen und internationalen Kunstlebens entwickelte.
Im vorliegenden Porträt wurde zeitweilig Wilhelm Schadows zwei Jahre älterer Bruder Rudolf vermutet, doch weisen die Eigenheiten der Physiognomie, Wilhelms ebenfalls sehr lange und gekrümmte, im Vergleich mit Rudolf aber ansonsten regelmäßig gewachsene Nase und seine auffällig volle Oberlippe auf ein Selbstbildnis: ein erstaunlich reifes Werk für einen Sechzehn- oder Siebzehnjährigen, der sein Studium an der Berliner Kunstakademie erst noch beginnen sollte.
Er hat die vorangehenden Lektionen seines Vaters, des bedeutenden Berliner Bildhauers #Gottfried Schadow, offenbar willig entgegengenommen und wesentliche Züge von dessen Porträtstil adaptiert. Dazu gehört die Konzentration auf das Erscheinungsbild einer Person, die man ohne Kulisse oder besondere Attribute wirken lässt. Formale Klarheit und Detailbeobachtung sowie psychologisches Gespür widersprechen sich nicht, sondern ergänzen sich zur lebendigen Idee freigestellter Subjektivität. Wenn Wilhelm Schadow hier einen eher sentimentvollen, fast melancholischen Ausdruck wählt, so mag dies auf seine Zukunft als einer der führenden Vertreter der romantischen Nazarenerbewegung deuten, in deren Kreis er 1813 eintrat.
Maren Gröning, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 158.
