Urteil des Salomo
Antoine Coypel
um 1699
Coypel studierte in Rom Raffael, Domenichino und die Brüder Carracci. In Venedig beeindruckte ihn die farbige und stoffliche Malerei von Tizian, Veronese und Correggio. In Paris war er als höchst angesehener Künstler an allen großen königlichen Aufträgen beteiligt. Er gilt am Ende des 17. Jahrhunderts als Bindeglied in der Auseinandersetzung zwischen »Poussinisten« und »Rubenisten« um das Primat der Linie oder der Farbe. Die Kreidezeichnung – die Vorstudie für ein heute verschollenes Gemälde – ist dafür ein charakteristisches Beispiel: Während die Klarheit der Komposition und die Betonung der Umrisslinie noch an Poussin und Le Brun erinnern, weisen Dynamik und koloristische Ausführung mit drei Kreiden bereits auf Watteau voraus.
Vorzeichnung zu einem heute verlorenen Gemälde, das im Salon des Jahres 1699 ausgestellt war (Garnier 1989, Nr. 257, p. 198). Abgesehen von der vorliegenden Zeichnung ist das Bild auch noch durch einen Stich Gerard Audrans mit einer Widmung an Colbert de Villacerf, durch eine Replik, die 1713 als Karton zu einem Gobelin diente und sich heute in Notre Dame de Rodez befindet (siehe Garnier 1989, p. 166, Nr. 117), und durch eine mit leichten Veränderungen versehene Nachzeichnung des deutschen Malers Januarius Zick (1730-1797) im Mittelrhein-Museum in Koblenz (Inv.G 1421) bekannt (Straßer 1993, Nr.33 und Straßer 1994, p.476, Nr.Z 16).
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 200, Nr. 991.
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 200, Nr. 991.
