Nicolò dell’ Abate, Jupiter und Amor, Inv. Nr.: 416
Jupiter und Amor
Nicolò dell’ Abate, Jupiter und Amor, Inv. Nr.: 416
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Jupiter und Amor

Nicolò dell’ Abate

um 1560-1570




Künstler:in (Modena 1509/12 - 1571/72 (Fontainebleau?))
Dateum 1560-1570
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, braun laviert, weiß gehöht, Vorzeichnung in schwarzem Stift auf hellbraunem Papier; unten horizontale Begrenzungslinie in schwarzem Stift
Dimensions28,1 x 45,4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number416
Inscribedl.o. "4" (mit schwarzem Stift)
MarkingsHerzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Niccolò dell'Abate war als Maler in Modena, Bologna und anderen Gebieten der Emilia-Romagna tätig, bis er auf Einladung des französischen Königs #Heinrich II. 1552 nach Frankreich berufen wurde. Er war der wichtigste Mitarbeiter #Primaticcios und hat neben diesem und #Rosso Fiorentino wesentlich den Stil der Schule von Fontainebleau mitgeprägt.
In der Zeit des Manierismus wurden gerne die Liebschaften der Götter zum Anlass für erotische Darstellungen genommen, in denen kunstvolle Bewegungsmotive und dekorative Details eine raffinierte, sinnliche Atmosphäre entstehen lassen. Die modelloartig ausgeführte Zeichnung zeigt die Liebesaffäre des Gottes Jupiter mit einer jugendlichen Figur, von der man vermutet hat, es handle sich um die Götterbotin Iris. Bogen und Köcher sowie der schöne jünglingshafte Körper geben aber der traditionellen Auffassung Recht, wonach Amor in zärtlicher Umschlingung mit dem Göttervater auf dem Wolkenbett dargestellt ist. Das Paar ist mit dünnen, vor allem für die Umrisse verwendeten Federlinien und mit einer detaillierten Weißhöhung gezeichnet, die alle Formen mit parallelen und überkreuzten Pinselstrichen gleichmäßig überzieht. Die Technik ist unverkennbar von Primaticcio angeregt, dessen Figuren jedoch graziöser sind und der seinen Körpern eine plastischere Spannung und Rundung verleiht. Bei Niccolò verbindet sich die Höhung nicht nahtlos mit den Federlinien und der Lavierung, sondern überlagert diese und bildet bisweilen einen eigenen Rhythmus, der sich wie ein zarter Schleier über die Formen ausbreitet. Der massige Körper Jupiters erinnert an #Michelangelos Figurenideal, wobei die Muskelerhebungen am Rücken nicht anatomisch genau wiedergegeben sind, sondern wie gärend hervorquellen und ein nahezu abstraktes Relief bilden. Heinz Widauer (AK Pittsburgh u. a. 2002, Nr. 29) hat auf den Einfluss von #Gian Giacomo Caraglios Stichserie mit Liebschaften verschiedener Götter nach Entwürfen von #Perino del Vaga und #Rosso Fiorentino hingewiesen, in denen die Paare in ähnlich sinnlichen Stellungen gezeigt sind (vgl. AK Mantua/Wien 1999, Nr. 305-309). Der Verwendungszweck der Darstellung von Niccolò ist nicht bekannt. Vielleicht gehörte sie zu einem Projekt für einen Zyklus mit den verschiedenen Lieben Amors, doch ist dies lediglich eine Vermutung (siehe hierzu auch AK Bologna 1969, Nr. 60).

 Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 55.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, SR 504
  • Birke/Kertész I
  • Bibliography
  • A.K. Wien 1963, Nr. 183
  • A.K. Nicolò dell'Abate (bearb. v. S. Béguin), Bologna (Palazzo dell'Archiginnasio) 1969, Nr. 60 (mit Lit.)
  • Birke 1991, S. 71, Abb. 80
  • AK Pittsburgh u. a. 2002, Nr. 29 (H. Widauer)
  • AK Albertina/Venedig/Bilbao 2004/05, Nr. 84
  • Schröder 2008, Nr. 55 (A. Gnann)
  • Historical Attributions
  • Rosso Fiorentino (traditionell, Wickhoff)
  • Zuschreibung von Dimier, Bodmer, Kusenberg, Oberhuber.
  • Provenance
  • Sammlung Gottfried Winckler (1731–1795), Leipzig
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/23603/jupiter-und-amorImage Request
    Last edited13.03.2020