Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Die beiden Liebenden, Inv. Nr.: 2680
Die beiden Liebenden
Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino, Die beiden Liebenden, Inv. Nr.: 2680
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die beiden Liebenden

Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino

um 1526-1527




Das Liebespaar demonstriert Parmigianinos Beherrschung der Radiertechnik auf eindrückliche Weise. Durch eine Vielzahl unterschiedlicher Schraffuren, Punkte und Striche, die Ergänzungen mit Kaltnadel und den vorsichtigen Auftrag des Plattentons erzielt er subtile Lichteffekte und beschreibt die unterschiedlichen Texturen von Haut, Haar und vegetabilen Motiven. Zugleich imitiert er den weichen Effekt der vorbereitenden Kreidezeichnung. Um wen es sich bei den beiden Liebenden handelt, konnte bislang nicht geklärt werden. Für die Darstellung der männlichen Figur orientierte sich Parmigianino an den in verrenkten Posen präsentierten Ignudi Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle.



Künstler:in (Parma 1503 - 1540 Casalmaggiore)
Dateum 1526-1527
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesGriffelvorzeichnung, Kreide, weiß gehöht
Dimensions11,6 × 8,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number2680
Inscribedrechts unten in alter Federschrift wie auf Inv. 2681 'Francesco Parmesano'.
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Bereits im alten Cahier wurde das Thema des kleinen Blattes als Venus und Adonis angegeben, wenngleich sich dies nicht mit letzter Sicherheit bestimmen lässt. Es diente als Vorlage für Parmigianinos etwas größere gegenseitige Radierung (B. XVI, S. 14, Nr. 14). Die raffinierte Verschränkung der beiden Figuren ist unverkennbar von Gian Giacomo Caraglios Serie der Götterlieben beeinflusst, für die Rosso Fiorentino und Perino del Vaga 1527 die Entwürfe schufen (vgl. Mantua und Wien, 1999 Nr. 305-309). Ähnliche landschaftliche Details kehren in der Neapler Heiligen Familie mit dem Johannesknaben oder Antonio da Trentos Clair-obscur-Holzschnitt mit dem sitzenden Rückenakt (B. XII, S. 148, Nr. 13) wieder, die vermutlich aus der frühen Bologneser Zeit stammen. Auf der Vorzeichnung für den clair-obscur-Holzschnitt in Amsterdam taucht sogar am linken unteren Rand ein Kopf auf, der dem des Adonis auf der Radierung äußerst ähnlich sieht. Da die Durchgestaltung der Körper etwa den Studien für den Diogenes ähnelt, könnte das Blatt noch gegen 1527 in Rom entstanden sein.   

Parmigianino und sein Kreis - Druckgraphik aus der Sammlung Baselitz, Staatliche Graphische Sammlung München, Alte Pinakothek, München 2007, S. 90f.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1891, 110
  • Birke/Kertész III
  • Gnann 2007, 621
  • Bibliography
  • rad. von F. Parmigianino (B.XVI, p. 14, Nr. 14
  • TIB 32/16, p. 20, 14(14)
  • A.K. Wien 1963, Nr. 53) und von A. Bartsch, 1786 (F. Bartsch 1818, Nr. 338)
  • Weigel 5812 - Bartsch 1794, p. 84, Nr. 11
  • A.K. Wien 1963, Nr. 19, p. 26, Kommentar zu Nr. 53
  • Popham 1971, Nr. 612 (irrtümlich als Inv. 2180), Taf. 157
  • Birke 1991, p. 64, Abb. 68
  • A.K. Parmigianino und sein Kreis. Druckgraphik aus der Sammlung Baselitz, München (Alte Pinakothek) 2007, Kat.Nr. 27, S. 90/91
  • Achim Gnann, Parmigianino. Die Zeichnungen, 2 Bde., Petersberg 2007, Kat. 621
  • AK The Renaissance of Etching - Frühe Radierung, Metropolitan Museum of Art, New York und Albertina, Wien 2019/20, S. 138 f., Kat. 56 (C. Jenkins)
  • Historical Attributions
  • traditionelle Zuschreibung, Bartsch, Oberhuber, Popham
  • Parmigianino, Francesco nach (Wickhoff).
  • Provenance
  • Prince de Ligne
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited03.07.2026

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