Knabe mit zerbrochenem Ei
Jean-Baptiste Greuze
um 1756
Die Zeichnung ist eine Vorstudie für das Gemälde Die zerbrochenen Eier (New York, The Metropolitan Museum of Art). Man interpretierte den Knaben mit dem zerbrochenen Ei zunächst als Sinnbild der verständnislosen Unschuld gegenüber moralischem Verfall. Betrachtet man den Knaben aber in Kombination mit der kleinen Armbrust und dem Pfeil, drängt sich die Vorstellung eines Cupido in ärmlicher Verkleidung auf, der auf diese Weise ernst und schweigend die irreparablen Folgen eines erotischen Abenteuers zu kommentieren scheint.
Die vormals #Boucher zugeschriebene Zeichnung konnte als Vorstudie für das Gemälde "Die zerbrochenen Eier" von Jean-Baptiste Greuze (The Metropolitan Museum of Art, New York; https://www.metmuseum.org/art/collection/search/436579?&searchField=All&sortBy=Relevance&what=Oil+paint&ft=greuze&offset=0&rpp=20&pos=1§ ) identifiziert werden. Greuze malte das Bild im Frühling 1756 während seines Romaufenthaltes und stellte es 1757 unter dem Titel "Un enfant tente de raccommoder un œuf" ("Ein Kind versucht, ein Ei zu reparieren") im Pariser Salon aus.
Man interpretierte den Knaben mit zerbrochenem Ei zunächst als Sinnbild der verständnislosen Unschuld gegenüber moralischem Verfall. Zieht man aber den Knaben in Kombination mit den zusätzlichen Attributen der kleinen Armbrust und des Pfeils, auf die er sich lehnt, in Betracht, drängt sich die Vorstellung eines Cupidos in ärmlicher Verkleidung auf, der auf diese Weise ernst und schweigend die irreparablen Folgen eines erotischen Abenteuers zu kommentieren scheint. Greuze versuchte mit seinen Bildthemen, die inhaltlich eine Abkehr von #Fragonard und #Boucher bedeuten, den zeitgenössischen Vorstellungen von Moral, Religion und Empfindsamkeit gerecht zu werden. Das von #Denis Diderot formulierte Programm, "die Tugend anziehend, das Laster hassenswert erscheinen zu lassen", findet in seiner Malerei Erfüllung. Pathos und didaktische Deutlichkeit kennzeichnen den Großteil von Greuzes Œuvre und haben ihm das Lob eingebracht, ein "Maler der Moral, der Güte und der schönen Seele" zu sein. Die primär erzieherische Motivation seiner Kunst, die zu einer Vereinfachung der Formen und einer besonderen Entwicklung der Geste führte, sollte für Künstler wie #Jacques-Louis David nicht ohne Einfluss bleiben.
Christine Ekelhart, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 148.
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