Kind mit Nimbus auf einer Blumenwiese
Egon Schiele
um 1909
1909 entwirft Egon Schiele für die Wiener Werkstätte einige Postkarten, die allerdings nie gedruckt wurden. Stilistisch sind diese Postkartenentwürfe eng miteinander verwandt. Ihr radikaler Flächenstil macht sie trotz ihres kleinen Formats zu Hauptwerken Schieles aus seiner Jugendstilphase.
Die vier stilistisch eng verwandten Postkartenentwürfe (vgl. Inv. 31392, Inv. 31394, Inv. 31393) sind nie gedruckt und publiziert worden. Sie sollten von der #Wiener Werkstätte herausgegeben werden. Angesichts der Bewunderung, die Schiele für den Wiener Jugendstil empfand, war es nahe liegend, den Kontakt zur #Wiener Werkstätte zu suchen, die mit ihren verfeinerten Produkten der angewandten Kunst das Pendant zum Secessionismus darstellte.
#Erwin Mitsch hat auf den Zusammenhang dieser Postkartenentwürfe mit den Zeichnungen #Erich Malinas hingewiesen. Dessen Symbolismus ist sowohl für den aufragenden bärtigen Mann (Inv. 31393) Vorbild als auch für das Kind auf der Blumenwiese. Mehr noch als #Malina sehen wir aber insbesondere in der Zeichnung des Kindes mit dem Nimbus die Aufnahme dekorativer Stilelemente der #Wiener Werkstätte. Alle Motive - die in die Tiefe führende blumenübersäte Wiese ebenso wie das Kind mit seinem mit Blüten dekorierten Mantel - befinden sich in einer einzigen Ebene: Der Bildraum ist auf die Fläche des Blattes reduziert. Der radikale Flächenstil designiert die vier Zeichnungen (Inv. 31391, Inv. 31392, Inv. 31393 und Inv. 31394) trotz ihres kleinen Formats zu Hauptwerken Schieles aus seiner Jugendstilphase.
Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 62.
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