Zwei Männer mit Nimben
Egon Schiele
Ca. 1909
1909 entwirft Egon Schiele für die Wiener Werkstätte einige Postkarten, die allerdings nie gedruckt wurden. Stilistisch sind diese Postkartenentwürfe eng miteinander verwandt. Ihr radikaler Flächenstil macht sie trotz ihres kleinen Formats zu Hauptwerken Schieles aus seiner Jugendstilphase.
In dem Blatt Zwei Männern mit Nimben erweist Schiele Gustav Klimt seine Referenz. Er unterscheidet dabei plakativ zwischen sich und seinem Vorbild, indem er den Generationsunterschied markiert: Der jüngere Schiele ist in eine schwarze Mönchskutte gekleidet, während Klimt ein dekoratives Gewand trägt, das seine zum Ornament verschlungenen Haare mit der dekorativen Blumenwiese vereint. Die weiße Fläche vor den beiden Figuren ist die Rückseite einer Zeichnung, die der Jüngere dem Älteren präsentiert und die Klimt im Oranten-Gestus bewundert.
Die vier stilistisch eng verwandten Postkartenentwürfe (vgl. Inv. 31391, Inv. 31394, Inv. 31393) sind nie gedruckt und publiziert worden. Sie sollten von der #Wiener Werkstätte herausgegeben werden. Angesichts der Bewunderung, die Schiele für den Wiener Jugendstil empfand, war es nahe liegend, den Kontakt zur #Wiener Werkstätte zu suchen, die mit ihren verfeinerten Produkten der angewandten Kunst das Pendant zum Secessionismus darstellte.
In den "Zwei Männern mit Nimben" erweist Schiele #Gustav Klimt seine Referenz. Die Heiligung der Künstler durch die Hinterfangung der Köpfe mit Nimben weist auf die Reihe an Selbstthematisierungen als Heiliger voraus. Zwei Jahre später wird sich Schiele gemeinsam mit #Gustav Klimt in den "Eremiten" (Wien, Leopold Museum) als aufeinander bezogenes Künstlerpaar malen.
Wie später in den "Eremiten" unterscheidet Schiele auch schon in diesem Postkartenentwurf deutlich zwischen sich und seinem Vorbild. Obwohl die beiden Männer formal gleichwertige Partner sind, markiert Schiele doch den Generationsunterschied zwischen ihnen. Der junge Schiele ist in die schwarze Mönchskutte gekleidet, asketisch und karg, während #Klimt ein betont dekoratives Gewand trägt, das seine zum Ornament verschlungenen Haare mit der dekorativen Blumenwiese vereint. Die weiße Fläche zeigt die Rückseite einer Zeichnung, die der Jüngere dem Älteren präsentiert und die #Klimt im Oranten-Gestus bewundert.
#Erwin Mitsch hat auf den Zusammenhang dieser Postkartenentwürfe mit den Zeichnungen #Erich Malinas hingewiesen.
Der radikale Flächenstil designiert die vier Zeichnungen (Inv. 31391, Inv. 31392, Inv. 31393 und Inv. 31394)
Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 62.
