Egon Schiele, Zwei Männer mit Nimben, Inv. Nr.: 31392
Zwei Männer mit Nimben
Egon Schiele, Zwei Männer mit Nimben, Inv. Nr.: 31392
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Zwei Männer mit Nimben

Egon Schiele

Ca. 1909




1909 entwirft Egon Schiele für die Wiener Werkstätte einige Postkarten, die allerdings nie gedruckt wurden. Stilistisch sind diese Postkartenentwürfe eng miteinander verwandt. Ihr radikaler Flächenstil macht sie trotz ihres kleinen Formats zu Hauptwerken Schieles aus seiner Jugendstilphase.

In dem Blatt Zwei Männern mit Nimben erweist Schiele Gustav Klimt seine Referenz. Er unterscheidet dabei plakativ zwischen sich und seinem Vorbild, indem er den Generationsunterschied markiert: Der jüngere Schiele ist in eine schwarze Mönchskutte gekleidet, während Klimt ein dekoratives Gewand trägt, das seine zum Ornament verschlungenen Haare mit der dekorativen Blumenwiese vereint. Die weiße Fläche vor den beiden Figuren ist die Rückseite einer Zeichnung, die der Jüngere dem Älteren präsentiert und die Klimt im Oranten-Gestus bewundert.



Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
DateCa. 1909
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Tusche laviert, auf Zeichenpapier
Dimensions15,5 x 9,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number31392
Text

Die vier stilistisch eng verwandten Postkartenentwürfe (vgl. Inv. 31391, Inv. 31394, Inv. 31393) sind nie gedruckt und publiziert worden. Sie sollten von der #Wiener Werkstätte herausgegeben werden. Angesichts der Bewunderung, die Schiele für den Wiener Jugendstil empfand, war es nahe liegend, den Kontakt zur #Wiener Werkstätte zu suchen, die mit ihren verfeinerten Produkten der angewandten Kunst das Pendant zum Secessionismus darstellte.
In den "Zwei Männern mit Nimben" erweist Schiele #Gustav Klimt seine Referenz. Die Heiligung der Künstler durch die Hinterfangung der Köpfe mit Nimben weist auf die Reihe an Selbstthematisierungen als Heiliger voraus. Zwei Jahre später wird sich Schiele gemeinsam mit #Gustav Klimt in den "Eremiten" (Wien, Leopold Museum) als aufeinander bezogenes Künstlerpaar malen.
Wie später in den "Eremiten" unterscheidet Schiele auch schon in diesem Postkartenentwurf deutlich zwischen sich und seinem Vorbild. Obwohl die beiden Männer formal gleichwertige Partner sind, markiert Schiele doch den Generationsunterschied zwischen ihnen. Der junge Schiele ist in die schwarze Mönchskutte gekleidet, asketisch und karg, während #Klimt ein betont dekoratives Gewand trägt, das seine zum Ornament verschlungenen Haare mit der dekorativen Blumenwiese vereint. Die weiße Fläche zeigt die Rückseite einer Zeichnung, die der Jüngere dem Älteren präsentiert und die #Klimt im Oranten-Gestus bewundert.
#Erwin Mitsch hat auf den Zusammenhang dieser Postkartenentwürfe mit den Zeichnungen #Erich Malinas hingewiesen.
Der radikale Flächenstil designiert die vier Zeichnungen (Inv. 31391, Inv. 31392, Inv. 31393 und Inv. 31394) trotz ihres kleinen Formats zu Hauptwerken Schieles aus seiner Jugendstilphase.

Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 62.

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 366
  • Bibliography
  • AK Albertina 1959 a, Nr. 32
  • Mitsch 1961, S. 13 (1969, Abb. 1
  • 1974, Abb. 11)
  • AK München 1964, Nr. 484a
  • AK Wien 1964, Nr. 211
  • AK New York 1965, Nr. 4d
  • Dobai 1968/69, S. 64
  • Leopold 1972, S. 72f, Taf. 26
  • Comini 1974, Abb. 25
  • AK München 1975, Nr. 84, Abb.
  • Nebehay 1979, Abb. 282 (1980 Abb. 56
  • 1989, Abb. 9)
  • Whitford 1981, Abb. 25
  • AK Hamburg 1981, Nr. 171
  • AK Winterthur 1982, S. 20
  • Pabst 1984, Abb. 340
  • AK Albertina 1990, Nr. 20
  • Steiner 1991, S. 25
  • Fischer 1994, S. 20
  • Nebehay 1995, S. 21
  • Artinger 1999, S. 27
  • AK Mailand 2000, S. 48, Abb.
  • AK Zug 2001/02, ohne Nr.
  • Kallir 2003, S. 67
  • AK Albertina 2003/04 a, Nr. 87
  • Natter 2003, S. 148
  • AK Amsterdam 2005, S. 24
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 14
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 65
  • Klaus Albrecht Schröder, in: Museo Guggenheim Bilbao (Hg.), Egon Schiele. Obras del Albertina Museum, Viena, (Kat. Ausst., Museo Guggenheim Bilbao, Bilbao 2012/2013), Bilbao 2012, S. 36-37 (in spanischer Sprache)
  • Provenance
  • 1953 erworben bei der Galerie Würthle, Wien

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    Last edited30.05.2025