Paul Klee, Hausgeist, Inv. Nr.: DL311
Hausgeist
Paul Klee, Hausgeist, Inv. Nr.: DL311
Credit: ALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner Image: ALBERTINA, Wien Copyright: Gemeinfrei

Hausgeist

Paul Klee

1923, 236




Künstler:in (Münchenbuchsee 1879 - 1940 Muralto)
Date1923, 236
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesAquarell auf Grundierung auf Karton, mit Gouache und Feder eingefasst, auf Karton
Dimensions19 x 18,7 cm
Karton: 32,5 x 27,6 cm
CreditALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner
Object numberDL311
Inscribedr.u. "Hausgeist" (auf Karton in der Einfassung);
SignedBez. M. l. "Klee"; auf Karton in der Einfassung l.u. "1923 236", r. u. "Hausgeist"
Text

Paul Klee war einer der ersten Künstler, die Walter Gropius an das 1919 gegründete Bauhaus in Weimar berief, und da der junge Maler in München wegen politischer Aktivitäten während der Räterepublik zur Persona non grata geworden war, folgte er wohl dem Ruf an die neue progressive Schule für Gestaltung noch so gerne. Bereut hat er diesen Schritt jedenfalls nie. Klee wurde zu einem der wichtigsten Pädagogen am Bauhaus und entfaltete dort eine rege kunsttheoretische Tätigkeit.
Das vorliegende Werk entstand ebenfalls während Klees Tätigkeit am Bauhaus, die im November 1920 eingesetzt hatte. Wie eine später übermalte Beschriftung auf der Unterlage zeigt, hätte das Werk ursprünglich «Der Geist des Hauses» heißen sollen, woraus Klee schließlich den Kurztitel Hausgeist machte. Dieser Hausgeist erscheint auf dem Bild als erschrecktes Gesicht, das in ein streng rektanguläres Liniengeviert eingelassen ist. Dass es sich bei diesem Viereck um ein Haus - oder vielleicht besser: um den Grundriss eines Hauses - handelt, beweist ein anderes Viereck auf dem graublauen Grund. Die rechteckige Form, die von oben ins Bild ragt, weist vier Fensteröffnungen auf. Im Hausgeist mit den weit aufgerissenen Augen darf man sicher ein verstecktes Selbstbildnis des Künstlers erkennen. Lyonel Feininger, der schon 1919 Meister am Bauhaus wurde, beschrieb den Kollegen später mit folgenden Worten: «Den stärksten Eindruck machten auf uns seine Augen, als wir ihn 1922 am Bauhaus in Weimar zum ersten Mal sahen. Braune, weit auseinander stehende Augen unter einer breiten Musikerstirn, die Augen eines Sehers, die einen durchdringend anblickten oder zu anderen Zeiten in träumerischer Selbstvergessenheit an einem vorbei ins Unbegrenzte schauten.»1
Mit den stereotypen Hausgrundrissen könnte dagegen das Bauhaus gemeint sein, dessen streng konstruktive Mentalität dem Malerpoeten Klee zu Beginn seiner Lehrtätigkeit ziemlich fremd erschienen sein muss. «Wir konstruieren und konstruieren», schrieb er noch 1928 in seinem kritischen Essay Exakte Versuche im Bereich der Kunst, «und doch ist Intuition immer noch eine gute Sache».2

1 Lyonel Feininger, Erinnerungen an Paul Klee, hg. von Ludwig Grote, Passau 1959, S. 71 f.
2 Zitiert nach: Paul Klee, Schriften: Rezensionen und Aufsätze, hg. von Christian Geelhaar, Köln 1976, S. 130.


zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 264, Nr. 101.

Catalogue raisonné
  • Helfenstein u. a. 1998-2004, 3330
  • Koella/Billeter 2005, 101
  • Bibliography
  • Max Huggler, Paul Klee: Die Malerei als Blick in den Kosmos, Frauenfeld/Stuttgart 1969, S. 132
  • Paul-Klee-Stiftung (Hg.), Paul Klee, catalogue raisonné, Band IV, Bern 2000, Nr. 3330
  • R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 264, Nr. 101, Abb. S. 265
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Monet bis Picasso. Die Sammlung Batliner, Albertina, Wien 2007/2008, S. 282, Kat. 185
  • AK Paul Klee. Formenspiele, Albertina, Wien 2008, S. 153
  • Ausstellungen (laut Koella/Billeter): Münchener Neue Sezession, Jubiläumsausstellung, Kunstverein München, 1925, Nr. 119
  • Paul Klee, Kunsthalle Bern, 1935, Nr. 18
  • Paul Klee/Fritz Huf, Kunstmuseum Luzern, 1936, Nr. 15
  • Klee und das Bauhaus, Buchholz Gallery/Nierendorf Gallery, New York 1950, o.Nr.
  • Das Auge des Sammlers - Monet bis Picasso, Bank Austria Kunstforum Wien, 1998, S. 162, Abb. S. 163, Kat. 52
  • Paul Klee - Meisterwerke aus der Djerassi Collection, Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz 2002/2003
  • Paul Klee. Formenspiele, Albertina, Wien 2008
  • Online resources
    zum Werk

    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/305677/hausgeistImage Request
    Last edited20.01.2026

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