Sitzende Frau mit hochgeschobenem Kleid
Egon Schiele
1914
Die Sitzende Frau zeigt ihr Genital wie unbeabsichtigt und doch wohlkalkuliert zwischen den abgespreizten Beinen: gerahmt von den kaum aquarellierten Oberschenkeln und dem gefältelten, gerafften Kleid. Dem dunklen Schoß entspricht formal das dunkle Haupthaar. Die präzise Verkürzung der Beine und des Gesichts verkomplizieren im Inneren die rautenförmige Gestalt der Figur. Deren Geometrie steigt von der Spitze der beiden Schuhe zu den Knien an, ehe sie sich wieder über den Umriss der Arme und Schultern zum Kopf hin verjüngt.
Schieles künstlerische Aufgabenstellung des Jahres 1914 scheint neben der perennierenden Auseinandersetzung mit dem sexualisierten Körper vor allem in der formalen Komplizierung der körperlichen Verschränkung innerhalb einer oder mehrerer Figuren zu bestehen: die Darstellung von vielfältigen Verkürzungen und schwierigen Überschneidungen. Anfang 1914 arbeitet Schiele nur mit wenigen Modellen, darunter ein dunkelhaariges, das ihm für eine Reihe von Akten und Halbakten Modell steht.
Die „Sitzende Frau mit hochgeschobenem Kleid“ zeigt wie unbeabsichtigt und doch wohlkalkuliert zwischen den abgespreizten Beinen ihr Genital: gerahmt von den kaum aquarellierten Oberschenkeln und dem gefältelten, gerafften Kleid. Dem dunklen Schoß entspricht formal das dunkle Haupthaar. Die präzise Verkürzung der Beine und des Gesichts verkomplizieren im Inneren die rautenförmige Gestalt der Figur. Deren Geometrie steigt von der Spitze der beiden Schuhe zu den Knien an, ehe sie sich wieder über den Umriss der Arme und Schultern zur Kopfspitze verjüngt. Der Einschreibung der Gestalt in eine geometrische Grundform verdankt sich, ungeachtet der Verräumlichung des Körpers, dessen Bindung an die Bildfläche.
Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 276.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/3059/sitzende-frau-mit-hochgeschobenem-kleidImage Request