Verfallener Innenhof mit einer Bettlerin
Roelant Savery
um 1608
Die Anfänge des niederländischen Goldenen Zeitalters der Malerei stehen im Zeichen des Übergangs von der manieristischen Tradition zu neuen realistischen Tendenzen. So beginnen sich viele Künstler für bäuerliche Interieurs, verfallene, überwachsene Häuser und Gehöfte sowie für malerische Dorfstraßen zu interessieren. Allmählich verfließen die Grenzen zwischen dem allegorischen Sittenbild und der natürlich wirkenden, mit rustikalen Figuren und bizarren Behausungen ausstaffierten Landschaft.
Ein frühes Beispiel für diese Bildgattung ist die Zeichnung eines verfallenen Innenhofes, die Roelant Savery um 1608 in seiner Prager Periode geschaffen hat. Die Komposition entstand nicht unmittelbar nach der Wirklichkeit. Savery hat sich hier an einem Kupferstich seines Zeitgenossen Jan Saenredam orientiert, der seinerseits auf eine gezeichnete Vorlage von Abraham Bloemaert zurückgegriffen hatte (Hollstein 528). Dem berühmten Kunstschriftsteller Karel van Mander zufolge hatte Bloemaert in der ländlichen Umgebung von Utrecht zahllose »drollighe« Bauernhäuser mit Arbeitsgerät »naer ’t leven« (»nach dem Leben «) gezeichnet.
Auch Savery selbst war ein genauer Beobachter der Wirklichkeit: Die Figuren der Bettlerin und ihres nur teilweise sichtbaren Begleiters sind im Zusammenhang mit seinen gezeichneten Studien von böhmischen Bauern, Bettlern und armen Leuten zu sehen. Durch das subtile Zusammenspiel von Kreide und Pinsel verstand es Roelant Savery, die manieristischen und die wirklichkeitsnahen Komponenten der Darstellung überzeugend zu vereinen.
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