Herman Henstenburgh, Früchtestillleben mit Fink und maritimen Schneckenhäusern, Inv. Nr.: 10885
Früchtestillleben mit Fink und maritimen Schneckenhäusern
Herman Henstenburgh, Früchtestillleben mit Fink und maritimen Schneckenhäusern, Inv. Nr.: 10885
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Früchtestillleben mit Fink und maritimen Schneckenhäusern

Herman Henstenburgh

um 1700




Die Zeichnung ist in einem heute verlorenen Porträt Henstenburghs von der Hand des Nikolaas Verkolje aus dem Jahr 1722 abgebildet (Hinweis von Anne M. Zaal, Email vom 28.1.2013).


Künstler:in (Hoorn 1667 - 1726 Hoorn)
Dateum 1700
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesAquarell und Deckfarben über Bleigriffel, auf Pergament. Stellenweise leichte Abreibungen, besonders am re. Rand.
Dimensions40,6 x 33 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number10885
Signedl.u. "H: Hengstenburg. fec:"
MarkingsHerzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Herman Henstenburgh übte in seiner nördlich von Alkmaar gelegenen Geburtsstadt Hoorn den Beruf des Pastetenbäckers aus und zählte zu den wohlhabenden Bürgern. Wegen seines Zeichentalents schickten seine Eltern ihn mit 16 Jahren zu #Johannes Bronkhorst (1648-1727), der - gleichfalls in Hoorn als Pastetenbäcker tätig - als sehr begabter Dilettant für seine feinst detaillierten Aquarelle von verschiedenartigen, oft exotischen Vögeln berühmt war. Herman Henstenburgh malte nicht nur Vögel, sondern vor allem auch Blumen-, Obst- und Vanistasstillleben; auf diesem Gebiet wurde er vermutlich von den in Hoorn tätigen Stillebenmaler #Jacob Rotius (1644-1681/82) und #Pieter Gallis (1633-1697) beeinflusst, die ihrerseits Nachfolger des einflussreichen Stilllebenmalers Jan Davidsz. de Heem (1606-1683/84) waren. Schon früh befanden sich Henstenburghs Arbeiten im Besitz einer Reihe von in- und ausländischen Sammlern, darunter #Cosimo III. de Medici, der Großherzog der Toskana. Hermans Sohn und Schüler #Anton Henstenburgh (1695-1781), gleichfalls Pastetenbäcker und Aquarellmaler, konzentrierte sich vor allem auf die Wiedergabe von Schmetterlingen und Insekten.   
In jüngster Zeit stoßen die Stillleben von Herman Henstenburgh in Ausstellungen und im Kunsthandel auf ein wachsendes Interesse. Seine in öffentlichen Sammlungen befindlichen Arbeiten sind noch weitgehend unbekannt; dies traf bis vor kurzem auch auf die drei Henstenburgh-Stillleben der Albertina zu, von denen  zwei Beispiele (Inv. 10885, Inv. 10886) zu sehen sind. Herzog Alberts Interesse für diese Arbeiten, die sich durch große handwerkliche Perfektion auszeichnen, entsprach dem Geschmack seiner Zeit: Im 18.und im frühen 19. Jahrhundert erfreuten sich Henstenburghs Stillleben einer großen Beliebtheit.
Die brillante Oberflächenwirkung dieser fein detaillierten Darstellungen, die zumeist auf Pergament gemalt wurden, basiert auf einer aufwendigen Technik und auch auf eigenen Experimenten. Mit einem sehr dünnen Pinsel brachte Henstenburgh  innerhalb der mit Bleigriffel gezeichneten Konturen die Farben an, wobei er in mehreren Schichten arbeitete. Durch den dünnen Auftrag von Eiweiß und transparenter Ölfarbe intensivierte er sein Kolorit.
Die Feststellung, dass Henstenburghs schwer datierbare Kompositionen um 1700 bereits größere Variationen aufweisen, etwa als Stillleben mit verschiedenen Tiersorten und Naturalien vor dem Hintergrund eines Gartens, könnte auch im Fall des  "Stilllebens mit Fink und maritimen Schneckenhausen" zutreffen. Auffallend ist hier die Ansammlung von verschiedenen exotischen Schnecken und Muscheln im Vordergrund, deren ausgefallenen Formen, Musterungen und Lichtreflexen besondere Aufmerksamkeit galt - was zweifellos mit dem Phänomen zusammenhing, dass das Sammeln von Naturalien im ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts von vielen Bürgern gepflegt wurde.
In einer für Henstenburgh typischen Diagonalkomposition - in der sich der Einfluss von Jan Davidsz. de Heem bemerkbar macht - breiten sich in diesem Stillleben gleichsam programmatisch sämtliche Aspekte der Flora und Fauna aus. Mit großer Akribie widmete Henstenburgh sich hier der Wiedergabe der Maus, des Schmetterlings, des Vogels, der Früchte, der Pflanzenwucherungen und der Muscheln. Von besonderem Interesse in diesem Zusammenhang ist der Umstand, dass der Künstler am Anfang seiner Tätigkeit von der bekannten Botanikerin und Sammlerin #Agnes Block (1629-1704) beauftragt wurde, Aquarelle von Pflanzen, Vögeln und Schmetterlinge anzufertigen. In ihrem großen Gut an der Vecht züchtete Agnes Block, für die eine Reihe weiterer Künstler wie Johannes Bronkhorst, #Herman Saftleven, #Maria Sibylla Merian oder #Willem de Heer tätig war, seltene Pflanzen; sie hielt exotische Vögel und besaß eine große Sammlung präparierter Vögel und Schmetterlinge. Die Verbindung mit dieser bemerkenswerten Persönlichkeit hat Henstenburghs Kreativität zweifellos sehr geprägt. 

Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, S. 183, S.386-387.

Bibliography
  • A.K. Rembrandt and his time. Masterworks from the Albertina (Vienna), Milwaukee 2005, Nr. 109
  • A.K. Das Zeitalter Rembrandts, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Nr. 183 (M. Bisanz-Prakken)
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/31722/fruchtestillleben-mit-fink-und-maritimen-schneckenhausernImage Request
    Last edited08.07.2021