Ein Elefant
Rembrandt Harmensz. van Rijn
1637
Rahmenaußenmaß 49,4 × 61,3 × 3,4 cm
Dass Tiere für Rembrandt ein wichtiges Thema waren, geht aus der Tatsache hervor, dass sich in seinem Inventar ein "Buch voller Zeichnungen […] bestehend aus Tieren nach dem Leben" befunden hat. Das Buch ist verloren gegangen, geblieben ist aber eine eindrucksvolle Reihe von Tierzeichnungen, von denen die beiden Elefanten-Studien der Albertina (siehe auch Inv. 8900) zweifellos zu den Höhepunkten gehören. Zwei weitere Elefanten-Zeichnungen von Rembrandt befinden sich im British Museum in London und in der Morgan Library in New York (dieses Blatt ist nur als Gegendruck erhalten).
Das signierte und 1637 datierte Exemplar der Albertina ist durch seine detaillierte, porträtähnliche Ausführung das repräsentativste und berühmteste Beispiel der kleinen Gruppe. Dargestellt ist hier höchstwahrscheinlich ein 1633 von Ceylon nach Amsterdam transportierter weiblicher Elefant, der sich zunächst im Besitz des Statthalters #Frederik Hendrik und seines Sohnes #Johan Maurits befunden hat. 1636 wurde das Tier an einen Unbekannten verkauft, der es unter dem Namen "Hansken" in mehreren Ländern Europas vorführte, wie manche Quellen belegen. 1637 war das halbwüchsige siebenjährige Tier wiederum in Amsterdam zu sehen, wo es von Rembrandt in modellhafter Profilstellung festgehalten wurde.
Die schwarze Kreide eignete sich besonders zur Wiedergabe der faltigen Haut, deren Oberfläche durch das von links einfallende Licht subtil modelliert wird - von den schweren, einander mehrfach überlagernden Hautfalten bis zu den kurzen Stoppeln auf dem Kopf. Gleichzeitig erfasste Rembrandt auf brillante Weise die Psychologie des exotischen Tieres, das im 17. Jahrhundert in Europa als einmalige Sensation galt.
In der anderen Albertina-Zeichnung (Inv. 8900) hielt Rembrandt denselben Elefanten in drei verschiedenen Stellungen fest. In diesen Ansichten hob er die schwerfälligen Bewegungen des Tieres durch Umrisslinien hervor, wobei sich die Formen spannungsvoll überschneiden. Bisher wurde allgemein angenommen, dass die beiden Albertina-Zeichnungen zur gleichen Zeit entstanden sind. In jüngster Zeit wurde für die Dreiergruppe eine Datierung zwischen 1644 und 1646 vorgeschlagen, die vor allem auf dem älteren Erscheinungsbild des Tieres beruht (vgl. Roscam Abbing/Tuynman 2006). Etwa ein Jahr nach der 1637 datierten Zeichnung gab Rembrandt in seiner Radierung "Der Sündenfall" (Inv. DG1926/38) einen Elefanten wieder, der mit erhobenem Rüssel klein im Hintergrund des Gartens Eden erscheint.
Marian Bisanz-Prakken, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 87.
