Nikolaus Rubens
Peter Paul Rubens
um 1626/27
Diese flüchtige Kreidestudie von Nicolaas, Rubens’ jüngerem Sohn aus erster Ehe, der am 23. März 1618 getauft wurde, war Vorlage für das große Doppelporträt mit dem älteren Bruder Albert (getauft am 5. Juni 1614) in der Liechtenstein-Sammlung in Wien […].(1) Das Bildnis der beiden Söhne, damals zwölf und acht Jahre alt, ist in dem Inventar, das nach dem Tod von Rubens’ erster Frau Isabella Brant am 20. Juni 1626 erstellt wurde, nicht angeführt.(2) Demnach scheint es später gemalt worden zu sein, wahrscheinlich kurz nach ihrem Ableben, um 1626/27. Rubens behielt das Gemälde in seinem Besitz und vermachte es seinem Sohn Albert, seinem Lieblingskind, der 1659 verstarb.
In einer kurzen Sitzung und allein mit schwarzer Kreide hat Rubens seinen Sohn Nicolaas auf der Zeichnung schon in derselben Position wie auf dem Gemälde festgehalten, wenn auch noch nicht so fokussiert. Auf dem Gemälde sind die Haare des Knaben etwas zerzauster als auf der Zeichnung, und mit angestrengter Miene beobachtet er dort einen mit den Flügeln schlagenden Stieglitz auf einer mit Glöckchen behängten Stange, die er in der rechten Hand hält. Mit in Gefangenschaft lebenden Vögeln spielende Kinder finden sich auch auf anderen flämischen Gemälden dieser Zeit.(3) Eine ähnliche nach dem lebenden Modell gezeichnete Studie Rubens’ von seinem älteren Sohn Albert, ebenfalls für das Gemälde der Liechtenstein-Sammlung, ist verschollen, aber bekannt in Form einer Kopie, die zuletzt in der Sammlung des Grafen Duchastel-Dandelot in Brüssel verzeichnet war.(4) Auf dem ausgeführten Wiener Gemälde hat Rubens die sorglose Verspieltheit des jüngeren Sohnes der Ernsthaftigkeit Alberts gegenübergestellt.
Die vorliegende Zeichnung trägt rechts unten den Namenszug »P. P. Rubbens« in brauner Feder, also jene Bezeichnung, die auch auf einer Reihe anderer Zeichnungen in der Albertina zu finden ist (siehe Kat. 68, 69, 79, 81, 82, 84, 85 und 97).(5)
(Der Text wurde gegenüber dem Katalog 2004 gekürzt. Die entsprechenden Auslassungen sind durch [...] anzeigt.)
(1) Jaffé 1989, Nr. 879, 1626/27; KdK 281, um 1625.
(2) Rooses 1896, S. 154–188.
(3) Bezüglich unterschiedlicher Interpretationen des Spiels mit gefangenen Vögeln siehe Vlieghe 1987, S. 177, unter Nr. 142 und S. 178, unter Nr. 4.
(4) Vlieghe 1987, Nr. 142a, Abb. 203.
(5) Glück und Haberditzl vertraten die Ansicht, dass die »Signatur« angebracht wurde, als sich die Zeichnungen noch in Rubens’ Nachlass befanden; allerdings erscheinen diese Bezeichnungen auch auf Blättern, die später zerschnitten wurden, wie zum Beispiel auf den beiden Kopfstudien für den Ildefonso-Altar [...]. Daraus wäre – mit Held – zu schließen, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt hinzugefügt wurden. (Held 1986, S. 124, unter Nr. 144).
