Peter Paul Rubens, Rubens' Sohn Nikolaus mit roter Filzkappe, Inv. Nr.: 8266
Rubens' Sohn Nikolaus mit roter Filzkappe
Peter Paul Rubens, Rubens' Sohn Nikolaus mit roter Filzkappe, Inv. Nr.: 8266
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Rubens' Sohn Nikolaus mit roter Filzkappe

Peter Paul Rubens

1625-1627




Acht Jahre nach dem Kreidebildnis des Einjährigen (Inv. 17650), um 1626, zeichnete Rubens seinen Sohn Nikolaus nochmals. Für die Zeichnung Nikolaus mit roter Filzkappe kennen wir keine weitergehende Ausführung. Virtuos und differenziert setzte Rubens die rote Kreide ein: Sie gibt den Filz der Kappe genauso glaubwürdig wieder, wie sie die frische Gesichtsfarbe mit feinen Nuancen festhält. Der wache Blick und der leicht geöffnete Mund des Knaben lassen das Porträt unmittelbar erscheinen.

Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 114, S. 236.



Künstler:in (Siegen 1577 - 1640 Antwerpen)
Date1625-1627
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide und Rötel, gewischt, mit weißer Kreide gehöht
Dimensions29,2 × 23,2 cm
Rahmenaußenmaß 54,9 × 46,1 × 3,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number8266
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Rubens' Ruf als hervorragender Porträtist lag in einer neuen Porträtauffassung begründet: Seine Bildnisse zeichneten sich durch Lebendigkeit und Wirklichkeitsnähe aus, womit er dem bis dahin gültigen Schematismus im manieristischen Porträt eine Absage erteilte. Ab 1621 verkehrte Rubens verstärkt an den Höfen von Madrid, London und Paris. Die Fürsten baten ihn um Bildnisse, sodass er praktisch alle Herrscher dieser Höfe und zahlreiche Mitglieder der jeweiligen Familien und deren Entourage malte. Als berühmter Maler war es für Rubens ein Leichtes, zu bedeutenden Persönlichkeiten und Herrschern vorzudringen, wodurch er für die Regentin der Südlichen Niederlande, #Isabella Clara, auch heikle diplomatische Funktionen übernahm, die er äußerst erfolgreich bewältigte.
Es scheint, als hätten diese offiziellen Porträts Rubens' Interesse an diesem Genre auch für seine eigene Familie geweckt. 1609 hatte er #Isabella Brant, die Tochter des Antwerpener Humanisten und Rechtsgelehrten Jan Brant (1559-1639) geheiratet. Das Paar hatte drei Kinder, die zwei Söhne #Albert und #Nikolaus und eine Tochter, #Clara Serena. Von allen drei Kindern hat Rubens Kopfstudien angefertigt, die sich heute in der Albertina befinden. Sie spiegeln die tiefe persönliche Zuneigung des Vaters für seine Kinder wider und sind wohl in häuslichen Mußestunden des Künstlers entstanden. Bereits in Italien hatte Rubens Erfahrungen mit der Verwendung farbiger Kreiden gesammelt; in den Zeichnungen seiner Kinder kam diese Technik nun zu höchster Vollendung. Mit zarten Konturlinien in schwarzer Kreide umschreibt er die Form des Kopfes und hält zumeist die Kleidung fest, mit dem Rötelstift erfüllt der Künstler die Gesichter mit organischem Leben. Gelegentlich gehen die gewischte rote und schwarze Kreide ineinander über, um die Schattenpartien festzulegen, denen mit der weißen Kreide gesetzte Glanzlichter antworten. Die Naturnähe dieser Porträts eignete sich trefflich, um die lebendige Unmittelbarkeit der Kinder dem Betrachter möglichst nahezubringen, weshalb sie von Rubens mitunter auch als Vorlagen für den Jesus- oder Johannesknaben in Altarbildern verwendet wurden.
Mit der Zeichnung "Nikolaus mit roter Filzkappe", die um 1626/27 entstanden ist, war offenbar keine weitere Zweckbestimmung verbunden. Hinsichtlich des Alters des Knaben und seiner Gesichtszüge ist dieses Bildnis mit der Darstellung von Nikolaus in einem Doppelporträtgemälde des Brüderpaares im Liechtenstein Museum in Wien vergleichbar. Auffallend ist der differenzierte Einsatz der roten Kreide, mit der Rubens einerseits die Kappe und das Gewand des Knaben gezeichnet hat, andererseits in feinen Nuancen das Rouge des Gesichts festhält. Auch in diesem Blatt zeugen der wache Blick und der leicht geöffnete Mund des Knaben vom Bemühen Rubens', eine besondere Unmittelbarkeit und Spontaneität zu zeigen.
Über Nikolaus Rubens' Leben ist nur wenig bekannt. Seinen Vornamen erhielt er von seinem Taufpaten, dem Genueser Patrizier #Niccolò Pallavicini. 1640 heiratete er, hatte mit seiner Frau Constance Helmann sieben Kinder und starb 1655.

vgl. Heinz Widauer, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 68.

Catalogue raisonné
  • Rooses 1886–1892, Nr. 1524
  • Glück/Haberditzl 1928, Nr. 163
  • AK Albertina 1977, Nr. 41, Abb.
  • Bibliography
  • Rooses o. J., Abb. S. 1
  • Schönbrunner/Meder1896-1908, 1, Nr. 111
  • Meder 1923, Taf. 11
  • Glück/Haberditzl 163 (um 1626/27)
  • Held 1959, Nr. 109 (um 1626/27)
  • Burchard/d'Hulst 1963, unter Nr. 126
  • AK Antwerpen 1977, Nr. 157, Abb.
  • Held 1986, Nr. 164
  • Vlieghe 1987, Nr. 143, Abb. 205
  • AK Albertina/Amsterdam 1989/1990, Nr. 51
  • AK New York 1997, Nr. 37, Abb.
  • AK Pittsburgh/Louisville/Fresno 2002, Nr. 53, Abb.
  • Albertina, Rubens bis Rembrandt, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb. 31
  • AK Peter Paul Rubens, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien 2004, Nr. 85 (A.-M. Logan)
  • AK New York 2005, Nr. 85
  • Schröder 2008, Nr. 68 (H. Widauer)
  • AK Albertina 2013, Nr. 114
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), AK, Die Gründung der Albertina. 100 Meisterwerke der Sammlung, Ostfildern 2014, S. 140 und 143.
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/29134/rubens-sohn-nikolaus-mit-roter-filzkappeImage Request
    Last edited06.02.2026