Der Quacksalber
Rembrandt Harmensz. van Rijn
um 1638-1640
In den späten 1630er-Jahren zeichnete Rembrandt mit der Feder, manchmal ergänzt um den Pinsel, eine Anzahl von Einzelgestalten, die in einem engeren oder weiter gefassten Zusammenhang mit dem Theater stehen.
So hat auch die Tätigkeit des Quacksalbers, der seine fragwürdigen Arzneien bei öffentlichen Auftritten zumeist auf Jahrmärkten an den Mann bringt, einiges mit der Schauspielkunst gemeinsam. Der in der Albertina-Zeichnung dargestellte Quacksalber kommt durch seine federgeschmückte Kopfbedeckung, seine fantasievolle Kostümierung und vor allem durch den an seinem Gürtel befestigten Baton (Schlagstock) der Figur des Pantalone aus der Commedia dell’Arte äußerlich sogar nahe. Mit breiter Gestik und schlauer Miene redet er, auf einem Podium agierend, auf sein Publikum ein. Links unten streckt ein in knappen Linien angedeuteter Zuschauer seine Hände nach ihm aus. Hinter dem Scharlatan ist in flüchtigen Linien eine Staffelei angedeutet, an der er seine Anpreisung in nachlesbarer Form aufhängte. Sie gehört ebenso zu den Standardattributen seines Metiers wie der auf seiner Schulter sitzende Papagei, der wegen seines Geplappers auf die betrügerischen Absichten des Quacksalbers verweist.
In abwechslungsreichen, zuweilen heftigen Federlinien hielt Rembrandt die Figur fest; der größte Kontrast herrscht dabei zwischen den feinen Strichen des Gesichts und den schweren, dunklen Linien des Baretts. Die nur summarisch angedeutete Umgebung lässt den Quacksalber umso nachdrücklicher in Erscheinung treten.
Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 150, S. 312.
