Baccio Bandinelli, Fünf männliche Kopfstudien, Inv. Nr.: 301r
Fünf männliche Kopfstudien
Baccio Bandinelli, Fünf männliche Kopfstudien, Inv. Nr.: 301r
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Fünf männliche Kopfstudien

Baccio Bandinelli

um 1520-1525




Künstler:in (Florenz 1493 - 1560 Florenz)
Dateum 1520-1525
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun
Dimensions20 x 39,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number301r
Markingsl.u. Pierre-Jean Mariette (Lugt 2097)
Text

Von Bandinelli existieren zahlreiche Zeichnungen, die Köpfe in Frontalansicht mit Profilstudien kombinieren (vgl. Paris, Louvre, Inv. Nr. 88, 1572 recto; Florenz, Uffizien, Inv. Nr. 501 F). Der Künstler verwendet dabei ein System aus regelmäßigen Schraffen, die hart aneinanderstoßen und helle Partien völlig absondern, wodurch die Gesichter eine extrem plastische Wirkung erhalten. In der Zeichnung der Albertina wird die expressive Wirkung durch die stark ausgebildeten Brauen, die herab gebogenen Nasen, die faltigen Wangen und die hervortretende Halsmuskulatur gesteigert. Vermutlich haben Bandinelli #Leonardos physiognonmische Studien beeinflusst, wie Ward (1982, S. 409 f.) festgestellt hat. Möglicherweise ließ sich der Künstler auch von #Marcantonio Raimondis Stichserie der Kaiserporträts (vgl. Inv. 252, Inv. DG1971/454, Inv. DG1971/455) von ca. 1520 anregen, von denen der so genannte "Galba" (Bartsch 1803-1821, Bd. 14, S. 373, Nr. 506) ein ähnlich markant vortretendes Kinn wie der zweite Kopf von rechts auf unserer Zeichnung hat. Dem Blatt der Albertina am nächsten kommen zwei Profilköpfe auf der Rückseite einer Zeichnung in Oxford (Christ Church; Lloyd 1969, S. 374, Anm. 11, Abb. 53), die Ward (1988, S. 46) um 1519-1525 datiert. Der linke Kopf auf dem Blatt der Albertina, der durch seine ausgeprägte Muskulatur an der Stirn auffällt, erinnert zudem an Bandinellis Entwürfe von 1526 für die Skulptur des Herkules (Ward 1988, Kat. Nr. 26). Der Kopf des Herkules ist jedoch bereits plastischer aufgefasst, und seine Gesichtszüge wirken vitaler. Auf der Zeichnung der Albertina sind die Linien dagegen noch gleichförmiger und starrer und lassen die Köpfe daher noch flächiger erscheinen. Von daher bietet sich eine Datierung um 1520-1525 an. Offensichtlich ließ sich #Parmigianino von Zeichnungen dieser Art anregen, von dem zahlreiche Studien mit ähnlich aneinandergereihten und sich überschneidenden Köpfen existieren (vgl. Popham 1971, Bd. 3, Taf. 419-425).

Raphael und der klassische Stil in Rom, Mantua/Albertina 1999, Abb. 203a, S. 285. 


Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, SR 368
  • Stix 1932, 212
  • Birke/Kertész I
  • Bibliography
  • Braun 13, 14 - Basan 1775, Nr. 135
  • Bartsch 1794, p. 39, Nr. 2
  • Chr. Lloyd, Four Drawings by Bandinelli at Christ Church, in: Burlington Magazine CXI, 1969, 2, p. 374, Anm. 11
  • R. Ward, Baccio Bandinelli as a Draughtsman (Diss.), London (Courtauld Institute) 1982, Nr. 407
  • A.K. Cambridge 1988, p. 46, Kommentar zu Nr. 23
  • Swoboda 1994, S. 10-13, Nr. 1
  • AK Mantua/Albertina 1999, Nr. 203a (A. Gnann)
  • Provenance
  • Pierre-Jean Mariette
  • Julien de Parme
  • Prinz Charles de Ligne
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/32764/funf-mannliche-kopfstudienImage Request
    Last edited16.08.2021