Gruppe von drei Männerakten in Angriffsstellung
Raffaello Santi
Es sind drei unbekleidete Krieger mit Lanzen wiedergegeben, ein Detail aus der Darstellung des Sturmes auf Perugia. Die vollständige Szene gibt eine Zeichnung Raphaels im Louvre wieder, in der Krieger mit Schleudern, Bogen, Lanzen und einer Sturmleiter den Angriff auf die Stadt vornehmen, an deren Mauern PERUSIA AUGUST(A) zu lesen ist (Knab, Mitsch, Oberhuber, 1983, Nr. 134). Auf der Wiener Zeichnung ist noch das Ende des Pfeiles von einem der Bogenschützen zu erkennen, die von Aktfiguren Pollaiuolos angeregt sind. Selbst bei der Einzelgruppe auf dem Wiener Blatt zeigt sich, wie meisterhaft es Raphael gelingt, die Posen durch leichtes Variieren räumlich eng zu verknüpfen und zugleich Ablauf und Ziel der Handlungen mit größter Klarheit nachvollziehbar zu machen. T. Henry (2004) hat unlängst aufgrund enger stilistischer Bezüge zu einem Fresko von Benedetto Bonfigli im Palazzo dei´Priori in Perugia plausibel gemacht, dass auf der Zeichnung die Einnahme der Stadt Perugia durch den Ostgotenkönig Totila im Jahre 552 dargestellt ist. Henry zufolge habe die Stadt an ihren heroischen Widerstand gegen diesen Angriff durch einen Freskenzyklus erinnern wollen. Dieser sollte noch andere Szenen beinhalten, was stilistisch verwandte Zeichnungen in Venedig und Wien belegen, in denen ein Krieger mit einer Fahne sowie Soldaten, die gegen Reiter kämpfen oder sich von einer Böschung herab lassen, gezeigt sind (Knab, Mitsch, Oberhuber, 1983, Nr. 131-132). Diese Ideen zu einer wohl umfangreicheren Kampfesdarstellung sind unverkennbar von Zeichnungen Leonardos inspiriert. K. Oberhuber (mündl. Mitteilung) vermutete, Raphael habe in Perugia um 1504 einen Auftrag für eine monumentale Freskendekoration mit Schlachtenthemen erhalten und sich daraufhin nach Florenz begeben, um die gerade entstehenden Kampfesdarstellungen von Leonardo und Michelangelo, die Schlacht von Cascina und die Schlacht von Anghiari zu studieren. Angeregt durch das Beispiel der Florentiner mag man auch in Perugia den Entschluss gefasst haben, bedeutende militärische Ereignisse aus der Stadtgeschichte durch eine Reihe von Wandbildern zu glorifizieren. Henry hat noch weitere Zeichnungen Raphaels mit diesem Zyklus in Verbindung gebracht (nicht alle gehören zweifelsfrei in diesen Kontext), die aus einer späteren Phase seines Florenzaufenthaltes stammen. Dies deutet darauf hin, dass sich der Künstler über einen längeren Zeitraum hinweg mit dem Projekt beschäftigt hat.
Zu der Zeichnung existiert eine fast identische Version in Venedig, die auch verlorenen Partien auf der linken Seite wiedergibt (Ferino Pagden, 1984, Nr. 61). Auf diesem wohl von einem Kopisten stammenden Blatt sind die Umrisse zweier Soldaten zur Übertragung durchstochen.
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