Antilopenkopf mit einem Blatt im Maul
Guy Pierre Fauconnet
Die beiden Zeichnungen Fauconnets (siehe auch: Inv. 22989), die seine Mutter knapp nach seinem frühen Tod der Albertina gewidmet hat, sind mit einfachen klaren Strichen unter Verzicht auf akzentuierende Binnenform ausgeführt. Der betont flächige Linienstil und das Fehlen von Plastizität und illusionistischer Raumauffassung lassen Fauconnets tiefe Bewunderung für die griechische Vasenmalerei und für sein Idol #Ingres erkennen. #Dunoyer de Segonzac, der mit ihm im Atelier von #Laurens gearbeitet hat, schreibt in seiner Einleitung zu der Fauconnet- Retrospekitve 1960 in Chelles (AK Rétrospective Guy Pierre Fauconnet, Chelles, Musée Alfred-Bonno 1960, S. 3), dass dieser ein leidenschaftlicher Vertreter des linearen, bisweilen an die Schärfe grenzenden Zeichenstils gewesen sei und geradezu eine "Clairobscur-Phobie" gehabt habe.
Charakteristische Beispiele dafür sind sowohl das "Mädchenporträt" (Inv. 22989) als auch der "Antilopenkopf ": Der Kopf einer Antilope ist mit wenigen Strichen ornamental stilisiert. In diesem Zusammenhang scheint es nicht uninteressant, auf eine Radierung Fauconnets hinzuweisen, die in sehr ähnlicher Weise eine Antilope mit einem Affen auf ihrem Rücken vor einer Palme zeigt. Die dekorative Bildwirkung des Albertina-Blattes erinnert zudem, dass Fauconnet eine große Begabung als Ausstatter und Illustrator besessen hatte: er war künstlerischer Leiter in #Paul Poirets Pariser Modesalon und Geschäft für Innendekoration, wo er vor dem Ersten Weltkrieg Kleider, Möbel und Gebrauchsgegenstände wie Vasen und Parfumflaschen und -etiketten entwarf. Für das Theater Vieux-Colombier schuf er Bühnenbilder, Kostüme und Masken. Während des Krieges war Fauconnet in London als Buchillustrator tätig. Nach Paris zurückgekehrt, arbeitete er mit #Jean Cocteau gemeinsam an der Ausstattung der Pantomime "Le Boeuf sur le Toit", während deren Vorbereitung er einem Herzanfall erlag.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 312, Nr. 137.
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