Pierre-Auguste Renoir, Venus, Inv. Nr.: 23843
Venus
Pierre-Auguste Renoir, Venus, Inv. Nr.: 23843
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Venus

Pierre-Auguste Renoir

um 1888




Künstler:in (Limoges 1841 - 1919 Cagnes bei Nizza)
Dateum 1888
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Aquarell
Dimensions26,1 x 13,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number23843
Text

#Stéphane Mallarmé hatte im Dezember 1887 #Lewis-Brown, #Renoir, #Morisot, #Degas und #Monet gebeten, eine Ausgabe seiner zwölf Prosagedichte zu illustrieren, die zunächst unter dem Titel "Le Tiroir de Laque" erscheinen sollte. Renoir kam als einziger dieser Aufforderung nach, als er Anfang 1888 fünf Studien für die "Femme d´autrefois" zu dem 1864 entstandenen Gedicht "Le Phénomène futur" entwarf (zit. nach Ehrlich White 1984, S. 178). Unter diesen sich nur geringfügig unterscheidenden Versionen beeindruckt das Blatt der Albertina durch die Kombination von Bleistiftzeichnung und Aquarell und der daraus resultierenden intensiven malerischen Wirkung. Die Darstellung der Venus dürfte folgende Zeilen Mallarmés illustrieren: "Sa chevelure se ploie avec la grâce des étoffes autour d´un visage qu´éclaire la nudité sanglante de ses lèvres. A la place du vêtement vain, elle a un corps; et les yeux, semblables aux pierres rares! ne valent pas ce regard qui sort de sa chair heureuse: des seins levés comme s´ils étaient pleins d´un lait étérnel, la pointe vers le ciel, aux jambes lisses qui gardent le sel de la mer première." (zit. nach: Rewald 1946, unter Nr. 30. Siehe dazu auch: Adrienne et Luc Fontainas, Edmond Deman éditeur [1857-1918], Brüssel 1997, S. 142-153). Renoirs Aktdarstellung folgt in Kontrapoststellung und vor allem den beiden, das Haar entfaltenden Armpositionen dem Typus der "Venus Anadyomene" - der aus dem Schaum des Meeres geborenen Venus - wie er durch antike Statuen, z.B. der römischen Statue der "Venus Anadyomene" (Rom, Vatikanische Museen) und #Ingres´ ebenfalls davon inspirierten Gemälde gleichen Themas vorgebildet ist (siehe AK Innsbruck/Albertina 1991, Nr. XI, Abb. 76, 77).
Um die Mitte der 1880er-Jahre macht sich im Œuvre Renoirs ein Stilwandel bemerkbar: Anstelle der farbigen Auflösung der Formen beginnt Renoir - vor allem unter dem Einfluss von Ingres - die Plastizität der Körper mit Hilfe der Konturlinie wieder stärker zu betonen. Ein anschauliches Beispiel dafür stellt die vorliegende aquarellierte Zeichnung der Venus dar, die - in gewisser Weise - beide Intentionen vereint. Renoir verleiht seinem Frauenakt einerseits mit einer zur Perfektion stilisierten, zügig geführten, geschlossenen Umrisslinie Klarheit und Präzision, verzichtet andererseits aber nicht auf malerische Werte: Er definiert mit Hilfe der Farbe partiell Binnenstruktur und Raum und erzeugt dadurch gleichzeitig eine spannungsreiche Balance zur strengen Linienführung. Die vier weiteren, nicht aquarellierten Darstellungen weichen nur in kleinen Details von der Venus-Darstellung der Albertina ab (Paris, Petit Palais; Abb. in: Ehrlich White 1984, S. 185). Von einer weiteren Federzeichnung ist der Verbleib unbekannt (Abb. in: Rewald 1946, Nr. 30). Um 1889 dürfte Mallarmé Renoir überredet haben, von diesem Motiv eine Radierung herzustellen, die #Durand-Ruel ein Jahr später ausstellen wollte (Ehrlich White 1984, S. 178). 1891 erschien diese schließlich (Delteil 1906-1926, Bd. 17, Nr. 3) als Frontispiz der ersten, bei Edmond Deman in Brüssel erschienen Ausgabe von Mallarmés "Pages".

 

zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 604, Nr. 277.

Catalogue raisonné
  • Ekelhart 2007, 277
  • Bibliography
  • AK Australien 1977, Nr. 54
  • AK München 1986, Nr. 71
  • AK Albertina 2005, Nr. 60
  • Albertina, Meisterzeichnungen: C.D. Friedrich bis Cézanne, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.71
  • Provenance
  • Maurice Gobin
  • 1924 erworben

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/34008/venusImage Request
    Last edited15.11.2024